RIAS Kammerchor

Das künstlerische Profil des RIAS Kammerchores ist weltweit ohne Vergleich. Als erster professioneller Konzertchor wandte er sich konsequent der historischen Aufführungspraxis Alter Musik zu. Mit seinen Konzerten und Aufnahmen setzte er internationale Maßstäbe, bis heute gilt der Chor auf diesem Gebiet als führend. Seit seiner Gründung im Oktober 1948 engagiert sich der RIAS Kammerchor zudem für die Musik der Gegenwart. Kompositionen von Arnold Schönberg, Boris Blacher, Ernst Krenek, Bernd Alois Zimmermann,

 
 

Hans Werner Henze, Dieter Schnebel, Mauricio Kagel, Aribert Reimann, Arvo Pärt, Tan Dun und Erkki-Sven Tüür verdanken dem Kammerchor ihre Ur- und Erstaufführungen, zahlreiche Werke wurden dem Chor gewidmet.
In der Grundspannung zwischen Moderne und historischer Aufführungspraxis verleiht der Chor auch dem klassischen und romantischen Repertoire ein neues Gesicht. Hans-Christoph Rademann, seit September 2007 Chefdirigent des RIAS Kammerchors, entwickelt das Repertoire und die Stilistik in der gesamten Breite professioneller Möglichkeiten. Die Musik des Barock interpretiert er von der Sprache, vom Sinn der Botschaft aus und gelangt dadurch zu einer präzisen und zugleich engagierten Klangrede. Dem Repertoire fügte er Entdeckungen aus dem Musikerkreis um Jan Dismas Zelenka hinzu, die er in Dresdner Archiven fand. Rademann sucht den Dialog mit zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten über Möglichkeiten und Perspektiven vokalen Komponierens, wie sie sich vor allem durch die Zusammenarbeit mit professionellen Sängerensembles bieten. Im klassischen und romantischen Repertoire dehnt er die Spannweite der Genres aus – vom weltlichen Lied über die geistlichen A-cappella-Stücke bis zu den großen Oratorien. Mit der breiteren Auslegung des Repertoires schärft er zugleich das Bewusstsein für die jeweils besondere Stilistik. In seiner Zielsetzung kann Hans-Christoph Rademann auf der Arbeit seiner Vorgänger aufbauen, insbesondere auf der künstlerischen Entwicklung, die Uwe Gronostay seit den Siebzigerjahren einleitete.
Der RIAS Kammerchor wurde am 15. Oktober 1948 vom Rundfunk im amerikanischen Sektor Berlins (RIAS) als professioneller Vollzeitchor gegründet. Wie bei den meisten Rundfunkensembles verlagerten sich im Laufe seiner über sechzigjährigen Geschichte die Schwerpunkte. Anfangs standen die Aufnahmen für die Bedürfnisse des Senders im Vordergrund; heute bestimmt das weite Spektrum eines Konzertchors mit internationalen Verpflichtungen die Arbeit. In den ersten 24 Jahren seines Bestehens führten Karl Ristenpart, Herbert Froitzheim und vor allem Günther Arndt den Chor zu überregionalem Ansehen. Als regelmäßiger Partner Fricsays und Karajans, u. a. beim Eröffnungskonzert der neuen Philharmonie, gehörte der Chor zu den gestaltenden Kräften des West-Berliner Kulturlebens und seines Wiederaufbaus.
Uwe Gronostay (1972–1986), den der Chor am 28. Oktober 2007 zu seinem Ehrendirigenten wählte, arbeitete vor allem am Klangbild des Ensembles, gestaltete es transparent und stilsicher in der Intonation. Er führte die Grundsätze historischer Aufführungspraxis in die Arbeit ein. Er initiierte die Konzertreihen, die der RIAS Kammerchor mit der Konzertdirektion Adler anbot und leitete damit in weitsichtiger Planung die Akzentverschiebungen vom Rundfunk- zum Konzertchor ein. Sein Nachfolger Marcus Creed (1987–2001) verfolgte den Weg konsequent weiter. Er gewann Spezialorchester wie Concerto Köln, Freiburger Barockorchester, Akademie für Alte Musik, Orchestre des Champs-Élysées als ständige Partner; Musiker wie Frans Brüggen, Thomas Hengelbrock und Sir Roger Norrington wurden als regelmäßige Gastdirigenten engagiert.
Mit René Jacobs entstanden seit 1992 bahnbrechende Aufnahmen Alter Musik bei harmonia mundi france, dem Label, mit dem der RIAS Kammerchor seitdem exklusiv verbunden ist. Die Konzerte unter Jacobs’ Leitung und die Barockopern, die er an der Staatsoper Unter den Linden leitete, zählen zu den Sternstunden im Berliner Musikleben. Philippe Herreweghe, der sich inzwischen vorwiegend dem romantischen Repertoire widmet, arbeitete 1996 zum ersten Mal mit dem RIAS Kammerchor. Unter Daniel Reuss (2003–2006) rückte die klassische Moderne ins Zentrum der Arbeit. Reuss stärkte überdies die Bindungen zu Kooperationspartnern im In- und Ausland; er ist einer der Mitbegründer des TENSO-Netzwerks professioneller europäischer Kammerchöre, das sich vor allem der Förderung zeitgenössischer Vokalmusik widmet, junge Komponistinnen und Komponisten zu Chorwerken ermutigt.
Seit 2007 setzt Hans-Christoph Rademann neue Akzente in der Entwicklung des Chorklanges und des Repertoires. Er ist einer der Initiatoren des Chordirigentenforums, mit dem der Deutsche Musikrat seit 2008 sein erfolgreich praktiziertes Nachwuchsprogramm auf den Bereich der Chorarbeit ausdehnt.

Sa, 26. Juni, Dom St. Peter und Paul Brandenburg (Havel)

   

 

© 2010 Brandenburgische Sommerkonzerte gGmbH