Die Presse über unsere Konzerte 2011



Wenn der Mund offen stehen bleibt - Abschlusskonzert gerät zur Krönung der Brandenburgischen Sommerkonzerte
(Albrecht Mayer, Kammerakademie Potsdam, 4. September)
Auch in ihrer 21. Saison haben die Brandenburgischen Sommerkonzerte ihren Besucherrekord des vergangenen Jubiläumsjahres eingestellt. Die Grundidee, Natur, Musik, Architektur und Kulinarik zu verbinden, überzeugte über 20 000 Besucher und sorgte wie beim Abschlusskonzert mit der Kammerakademie Potsdam am Sonntag in der Erlöserkirche für ausverkaufte Häuser. Zur Krönung geriet es durch einen der ganz großen seiner Zunft: Albrecht Mayer war als Oboist und Dirigent gekommen. (...)Nichtsdestoweniger war es Albrecht Mayers exquisite Art, Musik zu machen, die am Ende das Publikum trampeln ließ, dass man Sorge hatte um die Statik der Erlöserkirche. Denn der Ausnahmeoboist bewies, dass er nicht nur exzellent Oboe spielen kann, sondern auch ein fabelhafter, unkonventioneller Dirigent ist. (...) Mayers Oboenton ist oft allgemein bewundernd beschrieben worden, aber es ist gerade der Farbenreichtum, die einer Oboe niemals zugetraute Wandlungsfähigkeit, die ihn so einzigartig macht. Abgesehen von seiner umwerfenden Virtuosität, Atem- und Blastechnik, beeindruckt insonderheit die Anpassungsfähigkeit an Stilistik, an expressive Stimmungen und kompositorische Eigenarten. Albrecht Mayer hat immer eine klare Vorstellung davon, was er sagen will, er befragt die Stücke, die er spielt, nach ihrer Substanz, und eben die weiß er dann auch mit solchem Perfektionismus und scheinbar spielerischer Leichtigkeit freizulegen, dass dem atemlos folgenden Publikum wahlweise Wasser in die Augen tritt, der Mund offen stehen bleibt oder das Herz rast. (...) Im Konzert aber, da ist Albrecht Mayer ganz bei sich selbst und pocht auf höchste Ansprüche.
Für deren Erfüllung hatte er in der Erlöserkirche die extrem gut gelaunte Kammerakademie an seiner Seite, die mit einer ungeahnten Präzision und Freude spielte, als wollte sie zum 10. Geburtstag noch einmal neu gegründet werden. Potsdam kann sich glücklich schätzen, über dieses exzellente Orchester zu verfügen, dessen „Kammerstatus“ nur allzu bescheiden wirkt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie spritzig, wie originell, wie lebendig es klingt, wie fahl auch, wenn das gefragt ist, wie es ein Pianissimo zu zaubern weiß, wo andere Orchester einfach quer drüberschießen, wie lupenrein sauber es intoniert. Was ein Glück zum Beispiel für Albrecht Mayer, dass er mit solch einem fabelhaften ersten Klarinettisten im Duo spielen konnte!
Die Kammerakademie, schlank und doch süffig aufspielend, zeigte sich von der besten Seite und fraß dem großen Meister aus der Hand. Dessen zuweilen eckige Gesten waren knapp und ausdrucksstark zugleich: Als Orchestermusiker weiß Mayer genau, was gebraucht wird, welcher Wink wirklich hilft und welcher bloß Showeffekt eines Dirigenten ist. Belohnt wurden dafür alle – Musiker wie Bewunderer.
(Christian Schmidt, Potsdamer Neueste Nachrichten, 6. September 2011)

Ein Hauch von Bayreuth im Barnim
(Lars Vogt, DSO Berlin unter Philippe Jordan, Bernau, 27.8.)
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielte die Tannhäuser-Ouvertüre unter Philippe Jordan. Der 36-jährige ist Musikdirektor der Pariser Oper, kann auf Arbeiten mit den großen Orchestern Europas und der Welt verweisen und ist auch als Pianist ein begehrter Kammermusikpartner und Liedbegleiter. Seinen Einsatz für die Tannhäuser-Ouvertüre muss man uneingeschränkt loben – so forderte er das Orchester vom ersten Takt an zu philharmonischer Prachtentfaltung, arbeitete das hymnische des Pilgerchores wirkungsvoll heraus, ohne die große Kantilene der Streicher zu vernachlässigen. Ein wunderbarer homogener Blechbläsersatz stand ihm dafür zur Verfügung, zudem ein warmer Streicherklang – Vorzüge, die man diesem Orchester uneingeschränkt bescheinigen kann. Am Ende der Ouvertüre ein kompaktes, opulentes Klangbild – und es war, als hätte ein Hauch von Bayreuth das Kirchenschiffdurchweht.(
...) Lars Vogt verblüffte mit ebenso viel brillantem Fingerwerk wie Gespür für die romantische Gefühlswelt des Werkes. Begeisterter Beifall für Solisten und Orchester – und die Zugabe mit einem Brahms-Intermezzo. Mit Brahms ging dann auch ein bedeutsames Konzert zu Ende. Die erste Sinfonie, mit der der Meister lange gerungen hat, erklang hier mit großer Geste und kompakter Klangflut. Weitschweifige Bewegungen, ausgeführt direkt über dem Taufbecken, das inspiriert Dirigent und Orchester, wie man hören konnte, gleichermaßen.
Renate Perschau, Märkische Oderzeitung, 29. August 2011

Musikalische Pastellfarben mit Märchenton (Debussy-Trio, Neu Zauche, 21.8.)
Jedes einzelne Brandenburgische Sommerkonzert ist ein Fest für viele Sinne. Es gibt schöne Landschaft und lokale Kultur, Literatur und Kunst, Geschaffenes und Gewachsenes zu erfassen. Bei dem Konzert am Sonntag in Neu Zauche im Spreewald gelang dieser assoziative sinnliche Zusammenklang besonders gut, denn er umfasste das Beiprogramm gemeinsam mit dem Konzert-Ort und dem Charakter der Musik.
(...) In diesem Raum musizierte das Debussy-Trio (...). Flöte, Viola und Harfe – diese Instrumentenkombination lässt flirrend helle und zarte Klänge erwarten, musikalische Pastellfarben gewissermaßen, auch wenn der eine oder andere dunkel geheimnisvolle Märchenton dabei ist. Jedes einzelne Stück im Programm erinnerte auf je eigene Weise an die zauberischen Blauflügel-Prachtlibellen, die zuvor bei einer Kahnfahrt immerfort durch den geheimnisvollen Erlenhochwald schwirrten und erforderte genau dieses etwas unwirklich wirkende musikalische Idiom.
Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 23. August 2011

Rauschende Wasserklänge am Ort des Wassers
(Kammerorchester des Nationaltheaters Prag, Tomas Brauner, Yasuko Tanaka, Peter Nouzovsky, Stechau, 6.8.)
Schon lange vor Konzertbeginn lustwandeln die Besucher durch den Park oder erfreuen sich auf Picknickdecken an den uralten Bäumen am See und an Jonglierkunst. Denn es ist ein Abend, wie bestellt für das einzige, nunmehr achte Brandenburgische Sommerkonzert unter freiem Himmel. Die Luft ist aus Seide, der Schliebener Wein funkelt im Glas und das Wildbret aus den umliegenden Wäldern mundet den Besuchern aus nah und fern.
(...)
Musikredakteur Frederik Hanssen, der die Besucher regelrecht durch das Programm spazieren führt, erzählt, wie Melusine, die einen Fischschwanz tragen muss, aus dem Wasser taucht und am Ende wieder darin verschwindet. Wenig später finden die Zuhörer diese Bilder in der instrumentalen Tonmalerei (Mendelssohn Bartholdys)wieder, nehmen das Wasserrauschen wahr, das Sehnen und Verlieren. Danach interpretiert Yasuko Tanaka Joseph Haydns Trompetenkonzert Es-Dur. Ein Feuerwerk der Virtuosität (...). Wie bei der Orchestereinleitung (von Tschaikowskys Rokokoko-Variationen) die melancholisch einsetzenden Holzbläser in sehnsuchtsvollen Tönen auf die Streicher antworten, ist schon ein Genuss. Die Variationen am Violoncello von Petr Nouzowskys , der bereits in vielen Konzertsälen dieser Welt sein solistisches Format unter Beweis stellte, sind herausragend. Sie verklingen in so zarten Tönen, dass es die Seele berührt.
Ida Kretschmar, Lausitzer Rundschau, 8. August 2011


Tiefe Blicke in die russische Seele
(J. Botchkowskaja / C. Nickel, Rheinsberg, 30.07.)
( ...) Und zwar vom stimmwandlungsreichen Christian Nickel von der Kanzel mit ihrem akustik-förderlichen Schalldeckel herab. Wir Zuhörer fühlen uns dabei, als wende sich der Pfarrer an seine andachtsvoll lauschende Gemeinde. Ohne bühnentheatralisches Pathos, dafür schlicht und dennoch plastisch, witzig bis ironisch, aber immer verantwortungsvoll dem Text gegenüber, liest der Mime vor. Ein exzellenter Sprachtechniker, textverständlich bis in den letzten Kirchenwinkel, der sich keinen einzigen Versprecher leistet. Auch dies, bei aller Lockerheit und Leichtigkeit seiner "geölten" Stimmbänder, ein Zeugnis enormer Konzentrationsfähigkeit. Zwischendurch greift die ukrainische Pianistin Julia Botschkowskaja in die Tasten, unterbricht mit klarem Anschlag und handgelenksleichtem Spiel den Redefluss, um mit subtiler Tastenpoesie den Komponisten auch zu "Wort" kommen zu lassen. (...) die Pianistin lässt die Empfindungen nicht ausufern, wählt einen eher sachlichen Erzählton, setzt auf ein differenziertes Pianissimo, vermeidet den häufigen Gebrauch des rechten Pedals. (...) Anhaltender Beifall.
Peter Buske, Nordkurier, 1. August 2011

Pianistin und Rezitator traten mit Tschaikowski-Liedern und Texten aus Russland in Rheinsberg auf (J. Botchkowskaja / C. Nickel, Rheinsberg, 30.07.)
Höhepunkt des Tages war das Konzert in der Sankt-Laurentius-Kirche. (...) Dabei spielte die in der Ukraine geborene Pianistin Julia Botchkowskaja die von Peter Tschaikowski 1875 und 1876 komponierten Lieder mit einer Leidenschaft, wie sie selten zu erleben ist.
Jürgen Rammelt, Märkische Allgemeine Zeitung, 1. August 2011

Bestnote für Ortrand
(Ercole Nisini, Instrumenta Musica, Ortrand, 24.07.)
(...) Meisterlich spielte Ercole Nisini auf seiner Renaissance-Posaune und begeisterte das Publikum. Ihm und dem gesamten Ensemble gelang es, ein klingendes Zeugnis für die Aktualität und Schönheit der alten Musik abzulegen, urteilten übereinstimmend die Gäste.

Rudolf Kupfer, Lausitzer Rundschau, 26. Juli 2011

Gebäck und Gebälk (Julian Steckel/Paul Rivinius, Paretz, 17.07.)
(...) Im Gegensatz zum Paretzer Schloss ist die neue Kulturscheune schräg gegenüber leicht als solche zu erkennen: Außen Backstein und Fachwerk, innen der freie Blick ins Gebälk, traditionelle Handwerkskunst, deren vielfach verwinkelte Streben für beste akustische Bedingungen sorgen.Gut geeignet also für die Brandenburgischen Sommerkonzerte, jenes Festival, das seit nunmehr 21 Jahren die Berliner zu Entdeckungsfahrten ins Umland animiert. Eine wohlklingende Nachwende-Erfolgsgeschichte, bei der man leicht vergisst, dass in jeder Saison, an jedem abgelegenen Flecken im Land immer wieder neu die Bedingungen für den Kunstgenuss erkämpft werden müssen. Frederik Hanssen, Tagesspiegel, 18. Juli 2011

Flammenmeer und Regenguss (Julian Steckel/Paul Rivinius, Paretz, 17.07.)
(...) engagiert war ein fabelhaftes Duo aus preisumkrönten Kammermusikern. Sowohl Cellist Julian Steckel als auch sein Klavierpartner Paul Rivinius erwiesen sich als feuerfeste und bestens aufeinander eingespielte Tonversteher, bei denen die Kunst erst aus dem Zusammenspiel von Durchdringung, Können und Deutung erwächst. So geriet der zweistündige Nachmittag zu einem Festspiel von musikalischen Tugenden: Das Duo übte weder Saiten- noch Tastensport, kultivierte seine Virtuosität nicht um eines billigen Effektes willen.(...)
Die Eckwerke des Nachmittags – Cellosonaten von Debussy, Saint-Saëns und Brahms – sprachen da eine ganz andere, substanzreiche Sprache. Hingebungsvoll und inspiriert förderten Steckel und Rivinius ihre Botschaften zutage. Gewissenhaft bis an den Rand grimmiger Verkniffenheit erforschten sie um jeden Preis die feinnervigen und burleske-artigen Strukturen eines Debussy, rauten die barock anmutende Süße eines Saint-Saëns auf und spielten mit solcher Intensität, dass selbst dort eine urtiefe Bedeutung aufflackerte, wo im Notentext gar keine verankert war.
Stets auf gleicher Augenhöhe um wohldosierte Ausbrüche, gleichwohl ausgewogene Diktion ringend, verlor sich das Duo mit Liebe für kleinste Details nie in Nebensächlichkeiten. An zartesten Pianissimo-Stellen bewies es seine Meisterschaft fast noch eindrücklicher als in den irrwitzig halsbrecherischen Passagen von grotesker technischer Schwierigkeit. Beide Meister ihres Instruments fanden zu einer Stimmigkeit des Ausdrucks, die sich über den ganzen Nachmittag hin erstreckte. Wer darf das schon von sich sagen: in einem intimen Kammerkonzert einen so dichten Spannungsbogen ziehen zu können?
Kulminieren konnte solches Künstlertum nur in einem Glanzstück – Johannes Brahms liebte das Violoncello fast genauso sehr wie die Altstimme. Beide vereint ein edler, warmer, fast mütterlicher Ton. Im einen wie im anderen Fall gelingt es nur wenigen Musikern, diesen Ton zu erzeugen. Julian Steckel traf ihn: sehr durchsichtig, besonders an den leisen Stellen, in den Klangfarben äußerst ausdifferenziert, kraftvoll, aber niemals orchestral. Dieser Brahms stellte den unumstößlichen Höhepunkt dar und rief Rachmaninows unvermeidliche, kitschfrei dargebrachte Vokalise als Zugabe auf den Plan. Mit jäh hervorbrechendem Jubel entließ das Publikum die sichtlich erschöpften Musiker. (...)
Christian Schmidt, Potsdamer Neueste Nachrichten, 19. Juli 2011

Arienklang im Dorfidyll
(Yosemeh Adjei und das Telemann Consort, Gramzow, 10.07.)
In zwei jubilierenden (...) Psalmenvertonungen von Dietrich Buxtehude ("Singet dem Herrn ein neues Lied", "Jubilate Domino, omnis terra") überrascht Countertenor Yosemeh Adjei sogleich mit kraftvoller, lungengestählter Stimme, die man bei Vertretern dieses Stimmfachs nicht unbedingt erwarten würde. Sicher ist sein Stimmansatz, mühelos perlen die Koloraturen aus lockerer Kehle, frei strömend und freudig erregt ist des Jauchzens kein Ende. (...) Dazwischen zieht Countertenor Adjei in Arien aus "Rinaldo" und "Giulio Cesare in Egitto" alle Register und zündet im Lobgesang der Tugend aus der Kantate "Splenda l'alba in oriente" ein blitzendes Koloraturenfeuerwerk. Für den Jubel dankt er mit der tief empfundenen Klage der Almirena "Lascio ch'io pianga" aus "Rinaldo".
Peter Buske, Nordkurier, 12. Juli 2011

Locker und temperamentvoll
(Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda, Viviane Hagner, Potsdam 08.07.)
Höhepunkt war die Siebte Sinfonie, die „Unvollendete“. Es kursieren allerhand Spekulationen, was Schubert bewogen haben mag, die Komposition nach dem zweiten Satz abzubrechen. (...) Manacorda und die Kammerakademie beschwören meisterhaft die düstere, bedrohliche Atmosphäre herauf: Unheimlich raunen die Streicher in der Tiefe; die Melodien kreiseln ziellos durch die Tonarten. Mal tritt die Musik auf der Stelle; dann wieder ballt sie sich zu markerschütternden Schlägen zusammen. Das ist Musik, die kommende Katastrophen erahnt. Antje Rößler, Märkische Allgemeine Zeitung, 11. Juli 2011

Kontrastbetontes Musizieren (Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda, Viviane Hagner, Potsdam 08.07.)
Verhalten und klanglieblich spielen die Musiker den Beginn (der 5. Sinfonie Schuberts) sehr graziös und fast idyllisch. Dann folgt abrupt die forsche Attacke an straffem Dirigentenzügel, die wiederum in gelöste Schlichtheit zurückfällt. Spannungsgeladen und akzentscharf, übergenau in der Phrasierung vollzieht sich die weitere Entwicklung. Kurzum: kontrastbetontes Musizieren zwischen Idylle und Leidenschaft. Ausladend ist die Körpersprache des Dirigenten, oftmals pantomimisch bis marionettenhaft. Präzise dagegen seine Zeichengebung, die von den Musikern einen extrem entschlackten Klang einfordert.
(...) die seelenerwärmende, klassisch schlichte, dynamisch ausgewogene, leichte und lockere Wiedergabe des zweiteiligen A-Dur-Rondos für Violine und Streicher, dessen Solopart Viviane Hagner zwischen virtuos und sehnsuchtsvollem Saitensingen spielt. Und zwar auf der Stradivari „Sasserno“ von 1717, deren leuchtender, sehr eleganter und blitzsauberer Ton eine Fülle von Zwischenfarben und klanglichen Nuancen möglich macht. Spannend ist der Übergang vom Adagio ins unbeschwerte, kapriziös dahertanzende Allegro giusto gestaltet. Für den Beifall bedankt sich die Geigerin mit der formstrengen, temperamentvoll gespielten Gigue aus Bachs d-Moll-Partita.
Peter Buske, Potsdamer Neueste Nachrichten, 11. Juli 2011

Ins Grüne - Sommerkonzerte zwischen Blankensee und Gramzow
(Stuttgarter Kammerchor, Blankensee, 02. 07.)
So sind die spontan nach der Wende gegründeten Sommerkonzerte gemeint: Musik und Begegnungen in der Kulturlandschaft Brandenburg, mit den Menschen, der Architektur, der Geschichte. "Der ganze Bach“ lautet vollmundig der Titel des Konzerts in der Kirche. Er betrifft die Motetten BWV 225 bis 229, die zum Herrlichsten gehören, was Bach komponierte. Der Kammerchor Stuttgart singt sie unter seinem Leiter Frieder Bernius mit gefeilter Artikulation und Binnenspannung – „Jesu, meine Freude“.
Sybill Mahlke, Tagesspiegel, 8. Juli 2011

Tosender Beifall - "Trevor Pinnock and Friends“ spielen Barockmusik / Spende für Kirchensanierung übergeben (Trevor Pinnock and friends, Kloster Zinna, 03.07.)
"Auch nach drei Zugaben und anhaltendem, ja tosendem Beifall wollte an diesem Abend niemand so recht nach Hause gehen. Genauso hingerissen wie das Publikum waren jedoch auch die Musiker selbst, die von der besonderen Akustik der besonderen Akustik der Kirche schwärmten."(...) Kathrin Burghardt, Märkische Allgemeine Zeitung, 5. Juli 2011

Musikalisch Landschaften gemalt (Leipziger Kammerensemble, Bad Freienwalde, 26.06.)
"...der Stadthistoriker Reinhard Schmook kann den klangvollen Nachmittag nur als „Ausnahmekonzert erster Provenienz“ bezeichnen, wobei ihn der warme und volle Klang der 350 Jahre alten Mariani-Bratsche, gespielt von Barbara Buntrock, besonders faszinierte. Während Sebastian Breuninger als Violinist sich in seinem leidenschaftlichen Spiel kaum auf dem Stuhl halten kann, sind die Zuschauer äußerst aufmerksam und gebannt (...) Die hochkarätige Besetzung mit Solisten aus Leipzig, Bremen und München ist für Bad Freienwalde ein Geschenk besonderer Art und das virtuose, zarte und lebendige Spiel in dieser ungewöhnlichen Formation eine Seltenheit."
Sientje Arzt, Märkische Oderzeitung, 28. Juni 2011

Junge Stimmen in alten Gemäuern (Knabenchor Hannover in Luckau, 25. Juni)
Im Innern der Kulturkirche gibt es eine Begegnung mit dem vor 200 Jahren gestorbenen Dichter Heinrich von Kleist: Fünf Studenten der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ erfüllen voller Inbrunst Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ aus dem Jahr 1807 mit Leben.(...) Ein reichliches halbes Hundert engelsgleicher Stimmen erfüllt sogleich das Kirchenschiff. Die hohen Knabenstimmen mischen sich mit den tieferen Männerstimmen und bilden einen Hörgenuss, der viele der mehr als 600 Gäste versonnen die Augen schließen lässt.(...) Und auch die Zuhörer in Luckau sind begeistert, lauschen der „Wasserfahrt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die dem gleichnamigen Gedicht von Heinrich Heine entspringt. Das „Abendständchen“, nach einem Wiegenlied von Joseph von Eichendorff, stimmt langsam auf die Nacht ein. Und als sich bei „Der Mond ist aufgegangen“ der Chor im Kirchenschiff verteilt und die glockenklaren Stimmen von allen Seiten sacht an die Ohren dringen, müssen einige Zuhörer verstohlen zum Taschentuch greifen, bevor sie den Knabenchor mit Standing Ovations verabschieden.
Steffi Schubert, Lausitzer Rundschau, 27. Juni 2011

Sternstunde mit Steude-Quartett (12. Juni, Kloster Lehnin)
Der Auftritt des Steude-Quartetts, dem ausschließlich Musiker der Wiener Philharmoniker angehören, war eine Sternstunde in Lehnin. Dieses Streichquartett spielt mit traumwandlerischer Sicherheit und viel Spielfreude. Ob leise, intime musikalische Momente oder aufbrausende Tutti-Passagen – Volkhard Steude und Holger Groh (Violine), Elmar Landerer (Viola) sowie Wolfgang Härtel am Violoncello sind wunderbar aufeinander eingestellt. Das Ergebnis ist formvollendete Klangschönheit.(...)
Munter und temperamentvoll geht es im Allegretto des vierten Satzes zu, bis Schostakowitsch im Andante die Musik wie eine flüchtige Erinnerung verklingen lässt. Begeisterter Beifall.
Absoluter Höhepunkt war das Klavierquintett Nr. 2 A-Dur, das Antonin Dvorák im Herbst 1887 in einer glücklichen Lebensphase komponiert hat. Gemeinsam mit Pianistin Magda Amara machen die vier Musiker des Steude-Quartetts diese Lebensfreude hörbar und lassen die reichhaltige Melodik der Komposition funkeln. Ann Brünink, Märkische Allgemeine Zeitung, 14. Juni 2011

Eröffnungskonzert am 11. Juni in Templin:
"Athinäos ist auf Detailgenauigkeit bedacht und auf jenen üppigen Orchestersound, den er so sehr liebt. Spritzig huscht das Scherzo (von Mendelssohns "Sommernachtstraum") vorüber, während das Intermezzo intensiv von den leidenschaftlichen Gefühlsoffenbarungen unglücklich Liebender erzählt, der Hochzeitsmarsch schön erhaben und festlich daherkommt, von Blechgeschmetter glanzvoll übertönt. (...)
Vladimir Stoupel, der mit den Intentionen von Athinäos bestens vertraut ist und mit dem Staatsorchester höchst erfolgreich konzertiert, vollzieht diesen "Einstand" glänzend. Gemeinsam entwickelt sich ein virtuoses Gespinst aus streckenweise jazzig swingenden Soundfäden. (...) Gestochen klar und kräftig ist Vladimir Stoupels Anschlag. Mühelos bewältigt er die abrupten Stimmungswechsel zwischen kraftdonnernden Läufen, lyrischen Reminiszenzen und tanzmusikalischen Tastentänzen.
Schließlich entfachen der Dirigent und die Musiker des Staatsorchesters bei der Wiedergabe von Beethovens 7. Sinfonie A-Dur op. 92 erneut jenes Brio-Feuer, das die Athinäos-Ära einst auszeichnete. Und wieder stimmt die Dynamik, stürzen spannungsvolle Abschnitte in die Ermattung, begeistern ausladende Klanggesten genauso wie retardierende Momente. Ein unaufhörlich pulsierender Kreislauf, der seine ausdrucksintensive Kulmination im "Allegro con brio" findet. Da ist musikalisch die Völkerschlacht gegen Napoleon erfolgreich geschlagen, steht die Neuordnung Europas bevor. Ein Werk dazu angetan, davon zu künden. Der Bravojubel nimmt kein Ende." Peter Buske, Nordkurier, 14. Juni 2011

 

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