Die Presse über unsere Konzerte 2008

Zur Bilanz der Brandenburgischen Sommerkonzerte 2008

"Gegründet, um den Westberlinern nach dem Fall der Mauer die Vielfalt der brandenburgischen Landschaften zu zeigen, beginnt sich das Anliegen des Festivals inzwischen zu verschieben. Mehr und mehr wird es ein Musikfest für die Brandenburger in ihren Regionen. Die Zuschauerzahlen zeigen dies deutlich: Je zur Hälfte werden die Karten in Berlin und im Lande verkauft. Das Konzert an der F 60 in Lichterfeld mit Max Raabe und dem Palastorchester, von den Veranstaltern als populärer Höhepunkt der Saison herausgestellt, hatte sogar zu zwei Dritteln ein Publikum aus der Umgebung.
(...) Den Hauptanteil der Finanzierung tragen die Brandenburgischen Sparkassen gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung als Sponsor. Dass es dabei nicht ausschließlich um die lebenswichtigen Finanzen geht, erklärte unlängst der Vorsitzende des Vereins Brandenburgische Sommerkonzerte, Dr. Thomas Schmidt-Ott. Der Ehrgeiz der Veranstalter und des Hauptsponsors sei es, das ganze Land im Spiegel der Konzert-Orte abzubilden, Treffpunkte zwischen den Menschen zu schaffen und mit den Beiprogrammen und Kaffeetafeln Gespräche zu ermöglichen. 'Unsere Kundschaft', so der Geschäftsführende Präsident des ostdeutschen Sparkassenverbandes, Carl Friedrich Holtmann, 'möchte ich gern in den Konzerten sehen'. Aktivitäten zu dezentralisieren, ist der Weg dahin. Der Direktor der Sparkasse Finsterwalde übrigens hat dem Berliner Musikmanager Schmidt-Ott die F 60 zum ersten Mal gezeigt und damit einen, wie sich am Max-Raabe-Konzert zeigen sollte, folgenreichen Eindruck erzielt.
[...]
Dr. Thomas Schmidt-Ott hat Pläne. Das künstlerische Niveau soll insgesamt erhöht werden, die Auswahl der Spielstätten erweitert. Zu Kirchen und Schlössern sollen sich interessante Orte aus jüngerer Vergangenheit gesellen, Hangars, Bunker, Industriedenkmale. Der Anteil unterhaltender Genres soll größer werden und, so sein Lieblingstraum, eine Residenz für die Brandenburgischen Sommerkonzerte wäre sehr schön, von der aus man ins Land hinein wirken könnte. Vorbilder sind Salzau in Schleswig-Holstein oder Ulrichshusen in Mecklenburg-Vorpommern. Apropos Zukunftsträume, die Basis legte die vergangenen Saison mit dem Rekordergebnis von etwa 20 000 verkauften Tickets."
Lausitzer Rundschau, 10.09.08, Irene Constantin



Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Jean-Guihen Queyras, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"So schön das hellbunte Kircheninnere von Peter und Paul auch anzuschauen ist – von den golden leuchtenden Rokoko-Deckengemälden bis zu den farbigen Wandornamenten – als Konzertsaal ist das Gebäude kaum geeignet. Der lange Nachhall übertünchte die Transparenz des Haydnschen Konzerts und verlieh dem Klang eine Unterwasser-Dumpfheit. Die Musiker konnten einander schlecht hören, so dass das Zusammenspiel an Präzision verlor. Und der Solist Jean-Guihen Queyras schwamm in diesem musikalischen Wasserbad mitunter zu rasch voran. Dabei hätte man diesen hellen, nasalen Celloklang, die behenden Wechsel zwischen spielerisch virtuosen Passagen und leidenschaftlichen Kantilenen, gern deutlicher vernommen.
Beethovens rhythmisch-temperamentvolle Siebte, in deren Signalklängen die französische Revolution nachhallt, konnte sich in diesem Kirchenschiff besser behaupten. Marek Janowski formte einen packenden Spannungsbogen über alle vier Sätze. Der Dirigent leitet das RSO seit sechs Jahren. Da klappt die Zusammenarbeit auch bei widriger Akustik, obwohl Janowski eine eigenwillige, auf den ersten Blick verwirrende Dirigiergestik an den Tag legt: Er schüttelt die Einsätze aus lockerem Handgelenk, so dass man meint, die Finger würden sich gleich wie ein flatterndes Vögelchen zum Flug erheben.
Die letzten beiden Beethoven-Sätze nahm Janowski jedoch zu rasant. Zugegeben, dieses stürmische Scherzo und das überschäumende Finale erfordern im Idealfall die ungebremste Energie der Interpreten. Angesichts eines im Klangbrei versinkenden Orchesters wäre aber ein ruhigeres Tempo ratsam gewesen.
In der Pause ergibt sich ein Gespräch mit Claus Friedrich Holtmann vom Ostdeutschen Sparkassenverband. 'Geld kann nicht singen', sagt der geschäftsführende Präsident, der gleichwohl weiß, dass es die Sommerkonzerte ohne die Sparkassenstiftung als Hauptsponsor wohl kaum in ihre 18. Saison geschafft hätten. Das Festival erhält nämlich keine öffentlichen Fördermittel. Holtmann freut sich über die 'erfolgreichste Saison seit dem Bestehen der Sommerkonzerte'. Erstmals seien in diesem Jahr über 20.000 Tickets verkauft worden. 'Das entspricht einer durchschnittlichen Auslastung von 83 Prozent.' Auch kam man dem erklärten Festival-Ziel näher, Berlin und Brandenburg kulturell aneinander zu binden. 'Inzwischen besuchen genauso viele Brandenburger wie Berliner die Konzerte', erläutert Holtmann. 'Vor fünf Jahren kamen noch 90 Prozent aus der Hauptstadt.'“
Märkische Allgemeine Zeitung, 08.09.08, Antje Rößler



Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Jean-Guihen Queyras, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"Dieser Abschied vom Sommer (...) gelang künstlerisch grandios. [...] Queyras' seidenglänzender Ton, die Leichtigkeit seiner Technik, das vollkommene klassische Maß in Tempo und Dynamik in diesem Haydn-Konzert wärmte schon im munteren 1. Satz das Herz.
Die Beethoven-Sinfonie ließ in Marek Janowskis Interpretation sofort aufhorchen. Schon die langsame Einleitung mit ihren trocken abgepolsterten Paukenschlägen war in der Eleganz ihrer Phrasierung, im klassischen Maß in Tempo und Dynamik eine Erholung für Seele und Gemüt. Die Zuhörer erlebten ein Musizieren, das den hohen Anspruch hatte, die Fragen an die Musik selbst stellen zu müssen, die Interpreten gaben 'nur' das Werk vor.
Rasant begonnen und dann im Tempo langsam gesteigert sauste schließlich das überschäumende Finale daher, ein Meisterstück in der Registrierung des Orchesters.
Auf dem Podium und im Publikum am Ende heiter verklärte Mienen. Marek Janowski wurde mit Trampeln und Beifall applaudiert, Kirche hin oder her."
Märkische Oderzeitung, 08.09.08, Irene Constantin



Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Jean-Guihen Queyras, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"Dass inzwischen rund die Hälfte aller Zuhörer nicht aus Berlin angereist kommt, können sich die Initiatoren als Erfolg anrechnen. Die regionale Verwurzelung ist gelungen, und die 'Klassiker' freut es auch.
Weniger freute es vielleicht die Hörer vergangenen Samstag in der Probsteikirche St. Peter und Paul, die einer grandiosen künstlerischen Leistung akustisch arg zusetzte. Da wurde mit Verve und wunderbarem Verständnis für die Partitur musiziert, doch ach, der Hall fing es ein und formte einen eher einheitlichen Klangteppich. Der wiederum intensivierte sich in forcierten Fortissimo-Stellen zum grenzständigen Erlebnis, was nicht hinderte, dass das Publikum - vollkommen zu Recht - das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter seinem Chefdirigenten Marek Janowski überschäumend feierte. (...)
(...) schon der Beginn des ersten Satzes (...) verband sich mit wunderbarer Genauigkeit in jeder Veränderung, mit der exakten Formulierung tiefer musikalischer Brüche, dem Auskosten abrupten Stillstehens, ohne den schier rand- und bandlosen Enthusiasmus des Hauptthemas zu beschneiden.
Ebenso genoss man den zweiten Satz: Nicht zu dumpf, tonlos in dessen essenziellem Trauerrhythmus, was sich in einer relativ zügigen Auffassung des gesamten Satzes fortsetzte, dennoch ehrlich ergreifend im klagenden Gesang des Themas. Das folgende Scherzo ließ ungebremste Spielfreude auskosten, wie das Finale sich in überschäumender Energie ausbreitete. Janowskis sympathisch knappe, ungekünstelte Zeichengebung macht klassische Klrheit affin - Angemessenheit bar jeden überflüssigen Sentiments, dennoch voll innerer Spannung und Empfindsamkeit.
Zuvor hatte Jean-Guihen Queyras Haydns Cellokonzert Nr. 2 D-Dur ungemein beeindruckend interpretiert und nicht zuletzt von diesem Partner im Geiste profitiert. Der knapp Dreißigjährige ist einer der bemerkenswertesten Cellisten unserer Tage. Sein Ton ist rund und singend, ohne Schärfe in den hohen Lagen, seine Technik brillant, sein musikalischer Sensus zu Recht gerühmt. [...] Wunderbar und eines Saisonfinales würdig."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 08.09.08, Christina Siegfried



Burg, 24.8., Liebesrauschen, Calmus Ensemble Leipzig

"In der frühklassizistischen Kirche erklingt eine wohldosierte Mischung aus hoher A-cappella-Kultur und Unterhaltung à la Kreisler. Vier ehemalige Thomaner und eine Sopranistin bilden das Calmus Ensemble, das erlesene Vokaltechnik pflegt. Die Ausdruckschromatik Gesualdos kann nicht kühner wirken als durch die Intonationsreinheit der Leipziger Sänger. Sie brillieren darin, Chormusik von Debussy und Brahms solistisch zu sensibilisieren. Dabei durchleuchten sie Distlers 'Feuerreiter' so fein, dass die hechelnde Dramatik eher diskret bleibt. Problematisch wird es bei den Arrangements von Schubertliedern wie dem 'Erlkönig', weil deren Inhalte hinter verteilten Rollen und der vokalen Imitation des Klavierparts verblassen. Liedinterpretation der 'Forelle' und witzig kullernde Sechzehntel in der Bassstimme sind zweierlei."
Der Tagesspiegel, 27.08.08, Sybill Mahlke



Burg, 24.8., Liebesrauschen, Calmus Ensemble Leipzig

"Im Gegensatz zu klangprächtigen Madrigalinterpretationen vieler anderer Gesangsensembles bevorzugen die jungen Sänger aus Leipzig eine sehr schlanke, fast vibratolose Stimmgebung, ausdrücklich gepflegtes Erbe aus der Chorzeit. Auch dynamisch hielt man sich zurück, Akzente wurden äußerst sparsam gesetzt. Man muss diese Art klanglicher Askese mögen; sie ist dennoch perfekt, diverse Wettbewerbspreise, die das Calmus-Ensemble einheimsen konnte, sprechen für seine musikalischen Qualitäten in Sachen Ausgewogenheit, Intonationsreinheit, Stilsicherheit, Virtuosität.
Der auf Gesualdo folgende Komponist Dan Dediu ist etwa 400 Jahre jünger als der italienische Meister. Seine Vokalkomposition 'Perla' entstand für das Calmus-Ensemble und mit diesem modernen Huldigungslied an Dichtkunst und Musik konnten die Sänger ihre Virtuosität, Textverständlichkeit und jugendliche Frische amüsant und eindrucksvoll darbieten. Als ihrer besonderen Klangqualität sehr entgegenkommend erwiesen sich auch drei Chorlieder von Edward Elgar und drei Chansons von Claude Debussy. (...)
Das in seinem Einfallsreichtum immer wieder überraschende vokale Nachgestalten einer Klavierstimme setzte zum Beginn des zweiten Teils eher heitere Akzente; ob Schubert/Goethes 'Erlkönig' allerdings so gemeint ist, steht dahin. Passender nahmen sich die pianistischen Lautmalereien bei der 'Forelle' aus, die der Tenor-Solist allerdings als arg schlichtes Strophenlied darbot.
Je zwei Chorsätze von Johannes Brahms und Hugo Distler waren dann die tatsächlichen künstlerischen Glanzpunkte des Programms. Besonders Distlers 'Feuerreiter' auf einen Text von Eduard Möricke zeigte die ganze Brillanz und Genauigkeit, die perfekt kalkulierte Ausdrucksstärke, Interpretations- und Artikulationssicherheit und auch die künstlerische Ernsthaftigkeit, mit der das Ensemble aufwarten kann.
Dem klassischen Teil folgte dann der unterhaltsame Ausklang, dem weder Jazzklassiker noch Beatles-Arrangements zugrunde lagen, sondern zwei nicht gar so rabenschwarze Chansons von Georg Kreisler, 'Barbara' und 'Ich hab ka Lust'. Besonders erfreulich waren neben der unerreichten Qualität der sarkastisch-lapidaren Texte, die sich auch den Kalauer mit Lust einverleiben, die Arrangements von Sebastian Krause und Ludwig Böhme, beide Ensemblemitglieder.
Sie versuchten gar nicht erst, den unnachahmlichen Georg Kreisler im Gesangsgestus nachzuempfinden, sondern gingen eigene Wege. Über ihrer Interpretation der Lieder lag ein Hauch der 20er-Jahre, die Comedian Harmonists und auch Max Raabe haben wohl Pate gestanden.
Mit viel vokal-klangmalerischem Geschick klapperte als Zugabe die „Mühle am rauschenden Bach“ und, ganz schlicht und geradlinig gesungen, sorgte 'Der Mond ist aufgegangen' zum Abschied noch für eine Gänsehaut."
Lausitzer Rundschau, 27.08.08, Irene Constantin



Burg, 24.8., Liebesrauschen, Calmus Ensemble Leipzig

"Mit Gesängen aus fünf Jahrhunderten und in vier Sprachen demonstrierte das Calmus Ensemble seine Vielseitigkeit. Um 1600 entstanden die Madrigale des Don Carlo Gesualdo. Jener Fürst, der aus Eifersucht einen Doppelmord an seiner Frau und ihrem Geliebten beging, erwies sich als Komponist ebenso kühn und leidenschaftlich. Schneidscharf interpretierten die Sänger die Reibungen, die heftigen Dissonanzen und abrupte Harmoniewechsel. Fast körperlich übertrug sich der Schmerz dieser Liebeslieder. Nur verschmolz der helle, in der Höhe leicht scharfe Sopran Anja Lipferts schlecht mit den Herrenstimmen. Dadurch geriet das für Renaissance-Musik unverzichtbare Gleichgewicht zwischen den Stimmen ins Wanken.
Schuberts 'Forelle' im A-cappella-Arrangement, darauf durfte man gespannt sein. Schließlich müssen die Sänger hier auch die Klavierbegleitung mit ihrem aufwärts plätschernden Wellenmotiv nachahmen. Das gelang ihnen hinreißend virtuos durch Fantasiesilben, etwa du-du-du-di-du. Ähnlich beim 'Erlkönig', wo Joe Roesler das Grummeln aus den Bassregionen des Klaviers übernahm. Allerdings bekam das Goethe-Lied durch diesen Scat-Gesang auch unfreiwillig komische Züge.
Eines des bekanntesten Chorlieder schlechthin ist Hugo Distlers 'Feuerreiter'. Fesselnd und mit sorgfältiger dynamischer Gestaltung sang das Calmus Ensemble diese schaurige Mörike-Vertonung um eine brennende Mühle. Flammengleich drang das bedrohliche, gehetzte 'Hinterm Berg, hinterm Berg' von allen Seiten. (...)
Noch bissiger und voller makabrer Ironie sind die Lieder Georg Kreislers. Der Wiener Kabarettist würde doch tatsächlich eine nur in der Fantasie existente Frau jeder Gefährtin aus Fleisch und Blut vorziehen. Süffisant besang Tenor Tobias Pöche die fiktive Barbara (...). Als Paradestück für Sebastian Krause erwies sich 'Ich hab ka Lust'. Mit Wienerischem Schmelz und Schauspielfreude zeigte der Countertenor, wie man mit diesem Satz so einige Unannehmlichkeiten im Leben umgehen kann. Die Lust an der Musik werden die Sänger des Calmus Ensembles hoffentlich nicht so bald verlieren."
Märkische Allgemeine Zeitung, 26.08.08, Antje Rößler



Wittstock, 23.8., Bach solo III, Christian Tetzlaff


"'Ich dachte, es würden zwei oder drei Violinen gleichzeitig spielen. Es war ein traumhaft schönes Konzert', war am Sonnabend von vielen Gästen zu hören, die im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte in die Wittstocker St.-Marien-Kirche gekommen waren.
Wie so viele Töne auf einmal von nur einer Violine erklingen können, wird wohl das Geheimnis von Stargeiger Christian Tetzlaff bleiben. Denn nicht umsonst ist er weltweit ein gefragter Musiker, der mit namhaften Orchestern wie dem London Philharmonic Orchestra, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Berliner Philharmonikern, dem Orchestre de Paris und sogar in den USA auf Tourneen geht. (...)
In der Wittstocker St.-Marien-Kirche spielte er Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Dass in den Werken ein Melodieinstrument gänzlich solistisch ohne Generalbassbegleitung erklang, hatte zu Bachs Zeit nahezu keine Vorbilder und gilt als etwas Besonderes und Einzigartiges.
B ach war der erste, der die Praxis der Mehrstimmigkeit auf einem Soloinstrument radikal betrieb und dabei sinnlich erfahrbare Musik komponierte, die bis heute unübertroffen ist. Christian Tetzlaff machte diese Musik für jeden erlebbar."
Märkische Allgemeine Zeitung OPR, 25.08.08, mw



Luckenwalde, 17.8., Opera di Venezia, Teatro Arcimboldo Basel

"Die sieben jungen Sänger, die meisten von ihnen an Basels Schola cantorum ausgebildet, erwiesen sich als hochkompetent und mit komischem Talent begabt. Hervorzuheben sind vielleicht Iris Eggler und der Countertenor Flavio Ferri Benedetti. Die Instrumentalisten boten Momente aufregender und präziser Klangrede, aber auch Partien, die sich im Durchschnittlichen verloren.
Das Problem war Hirschs Regiekonzept: Der Versuch, aus Goldonis Typen der Commedia dell’arte realistisch gespielte Charaktere zu formen, ging nicht auf. Dafür hätte es einer stilisierteren Spielweise bedurft. Die Idee indes, mit Kostümen und Prospekten ein frühes 'Irrenhaus' anzudeuten, erwies sich als tragfähig. Der Beifall im restaurierten Luckenwalder Art-deco-Theater bewies es."
Märkische Allgemeine Zeitung, 21.08.08, Irene Constantin



Wittenberge, 16.8., Edler Glanz, 14 Berliner Flötisten

"Einfach unglaublich, was auf der Bühne in der evangelischen Stadtkirche Wittenberge geschieht. Dort stehen 14 Musiker, sie alle spielen Flöte und entfalten einen Klangzauber, der die Ohren der Gäste verzückt. Dass dies kein alltägliches Flötenensemble ist, sieht selbst der größte Musikmuffel. Zu seltsam mutet die Subkontrabassflöte in C mit ihrer Gesamtlänge von 5,12 Meter an. Der Musikfreund versinkt in einem Meer aus Klangfarben, die die Profimusiker ihren Instrumenten entlocken, deren Spektrum sieben Oktaven abdeckt.
Einzigartig - was die Brandenburgischen Sommerkonzerte 2008 in die Elbestadt holen. (...) Siegfried Matthus, künstlerischer Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg, komponierte 'Des Meeres und der Flöten Wellen' eigens für dieses Ensemble - die einzige Originalkomposition in diesem Konzert. Als wollte Matthus die 28 Lungenflügel herausfordern, schöpft er das ganze Klangspektrum der Flötisten aus. Dumpf wie aus der Tiefe des stillen Meeres dringen Töne der Bassflöten an die Oberfläche, erklimmen höchste Wellenkämme, an deren Spitze die winzige Piccoloflöte zur Höchstform aufläuft, zeigt, welche Kraft in ihr steckt. So plötzlich wie der Sturm losbrach, verliert die Brandung ihre Kraft, beenden die Musiker den Spannungsbogen an seinem Ursprung.
"Ich bin überwältigt, wann hört man schon mal 14 Flötisten", gesteht Dr. Ulrich Köstlin. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Brandenburgische Sommerkonzerte hat schon viele Musikhöhepunkte besucht, aber dieser sei wirklich ein ganz besonderer gewesen.
[...]
In ihrer 18. Saison kamen die Sommerkonzerte erstmals nach Wittenberge. 'Das Engagement des hiesigen Freundeskreises und der Kirchengemeinde gaben den Ausschlag', so [Geschäftsführer Arno] Reckers und verspricht: 'Wir kommen wieder.' Nicht nur, weil die Zahl der Gäste sehr hoch war, allein an der Abendkasse wurden nochmals etwa 100 Karten verkauft, sondern 'weil die Kirchengemeinde so unglaublich engagiert ist'. Das sei nicht überall der Fall, zeige aber, wie willkommen man hier sei."
Schweriner Volkszeitung, 18.08.08, Hanno Taufenbach

Wittenberge, 16.8., Edler Glanz, 14 Berliner Flötisten

"Am Samstag war in der Stadtkirche ein schon optisch spektakuläres Ensemble zu erleben: die 14 Berliner Flötisten, gegründet 1996 durch den Soloflötisten der Berliner Philharmoniker, Andreas Blau. Neben den bekannten Modellen Piccolo, große Flöte, Altflöte und Bassflöte kamen auch selten gesehene Exemplare wie die kleine Flöte in F, die Kontrabassflöte und die über fünf Meter lange Subkontrabassflöte zum Einsatz. Ebenso beeindruckend wie die Instrumente sind auch die Biographien der Musiker, von denen die meisten als Soloflötisten an den großen Berliner Orchestern tätig sind.
In diesem Sommerkonzert präsentierte das Ensemble ein abwechslungsreiches und spannendes Programm. Von der Ouvertüre zu Mozarts „Hochzeit des Figaro“ über Mendelssohns Scherzo aus dem „Sommernachtstraum“ bis hin zu Bizets „Arlésienne-Suite“ und Henry Mancinis „Pink Panther Suite“ erklangen in gekonnten Arrangements bekannte Werke aus klassischer Literatur und Unterhaltungsmusik, die in der ungewöhnlichen Tonfärbung einen neuen Reiz entfalteten.
[...]
In seinen Begrüßungsworten vor dem Konzert hatte Pfarrer Reinhard Worch informiert, dass das Gotteshaus seit dem Jahr 2000 für 1,3 Millionen Euro saniert und zum Teil auch schon renoviert werden konnte. Den nun schon zu erlebenden neuen Glanz des Hauses hatte ebenso Bürgermeister Oliver Hermann hervorgehoben. Seit Jahren schon sei es der Traum der Wittenberger gewesen, die Brandenburgischen Sommerkonzerte in ihre Stadt zu holen. Vorstandmitglied Ulrich Köstlin versprach denn auch: 'Wir werden sicherlich wiederkommen!'“
Märkische Allgemeine Zeitung, 18.08.08, Ulrich Fischer

Rathenow, 3.8., Vom Weißen Meer ins Havelland, Iwan Podjomow, Kammerakademie Potsdam, Michael Sanderling

"Dirigent Michael Sanderling wagt musikalische Pointen, treibt das Orchester zu raschen Tempowechseln und stellt sich als Meister der leisen Töne vor. Der dezente Einsatz der Bläser und die virtuosen Einwürfe der Soloinstrumente Geige, Fagott, Flöte und Oboe veredeln vor allem die Serenade Nr. 5.
Der 21-jährige Oboist Iwan Podjomow ist eine Entdeckung: In Ermanno Wolf-Ferraris filmmusikreifem Concertino A-Dur für Oboe, zwei Hörner und Streicher beeindruckt er durch eine Atemtechnik, die es ihm ermöglicht, enorme Bögen zu halten und in intimen Dialog mit dem Orchester zu treten. Seine Fingerfertigkeit kann der junge Russe in Alessandro Marcellos Oboenkonzert d-Moll – besser bekannt in der Bearbeitung für Cembalo von Johann Sebastian Bach – präsentieren, wo seine Koloraturen die Streicher überstrahlten.
"
Der Tagesspiegel, 05.08.08, Karin Erichsen

Stechau, 2.8., Operngala open air, Prager Kammerchor, Solisten, Tschechische Symphoniker Prag, Petr Chromcák

"Aber man hatte natürlich noch eine ganz zauberhafte Zugabe in petto, wie der Moderator Peter Claus, sonst im Rundfunk Berlin-Brandenburg zu hören, ankündigte. Die war dann nicht nur zum Mitsingen, sondern nach dem ersten 'Hm-ta-ta' brach der Jubel des Publikums los, und in manchen Reihen hakte man einander unter. 'Va’, pensiero, sull’ali dorate' erklang und viele flogen mit. Dann noch einmal der Tenor mit 'Libiamo ne’lieti calici', Sopran und sogar der Bariton stimmten ein, man genehmigte sich coram publico ein Schlückchen aus der Champagnerflasche, die Stimmung stieg noch ein paar Grade an, bis der Dirigent den Einsatz ganz nach hinten, in die Tiefe des Parks von Stechau gab. Donnernd und glitzernd stiegen die Feuerwerksraketen über den Wipfeln der Bäume empor. Ahhh!
(...)
Der Hauptakteur war der Chor mit seinem angenehm runden und homogenen Klang. Er überzeugte mit Smetana und Dvorak ebenso wie mit Borodin und Mussorgski. Auch diverse Verdi-Opernchöre waren sehr akzeptabel. (...) Der Eingangschor aus der 'Verkauften Braut', sozusagen das Leibgericht der böhmischen Sänger, hatte schon einen ganz anderen Schwung und animierte den agilen Dirigenten zu einer wahren Balletteinlage vor seinem Orchester.
Die echten Glanzpunkte (...) waren die Arien der Sopranistin Monika Brychtova. Sie hat ein Timbre voller Süße und Lieblichkeit, wie man es heute, da vor allem klare und kühl-silbrige Stimmen zu hören sind, selten erlebt. Als Chio-Cio-San aus Giacomo Puccinis 'Madame Butterfly', als Gilda im Duett mit Rigoletto und mit Violettas herzzerreißender Abschiedsarie 'Addio del passato' war sie absolut überzeugend, im erwähnten Trinklied fehlte es leider ein wenig an Verve und Biss. Ebenfalls beeindruckend der jugendlich kraftvolle Bariton Jakub Tolas als Escamillo, Rigoletto und als Antonin Dvoraks Wassermann. Der war sozusagen der Überraschungsgast des Abends, denn den Hochzeitschor aus 'Rusalka' mit den warnenden Rufen des Wassermanns an seine Tochter hört man auf deutschen Bühnen leider selten."
Lausitzer Rundschau, 05.08.08, Irene Constantin

Stechau, 2.8., Operngala open air, Prager Kammerchor, Solisten, Tschechische Symphoniker Prag, Petr Chromcák

"Vor wenigen Wochen hatten bereits Max Raabe in Lichterfeld und namhafte Künstler in der Lebusaer Kirche Zeichen gesetzt. Vor der stilvollen Gutshaus-Kulisse inmitten des weitläufigen Stechauer Schlossparkes, organisiert und gut umsorgt von einem hoch engagierten Team der Brandenburgischen Sommerkonzerte (BSK) und seiner Helfer gelang es am Samstag erneut, im Elbe-Elster-Land das ureigentliche Anliegen der BSK zu verwirklichen: Klassiker aufs Land zu locken.
[...]
Je nachdem, welche Gefühle und Stimmungen die Stücke von Smetana, Wagner, Dvorák, Verdi, Puccini, Borodin, Tschaikowski und Mussorgski jeweils offenbarten – das Publikum folgte mit Hochgenuss und nicht zuletzt darauf neugierig gemacht von den erfrischend kurzweiligen, witzigen und zuweilen sinnlichen Werk-Einführungen des Moderators. So sensibilisiert ließ man sich auch in Dvoráks Arie der Rusalka vom überaus zarten Sopran der Monika Brychtová nur zu gern in die Welt der Elfen und Nixen entführen. Es war die Faszination der Musik und des Ortes, oder besser, die Symbiose beider Komponenten, die das Rauschen des Wasserfalles am nahen Parkteich auf eine solche Weise mit ins Werk klingen ließ, dass die reale Welt für Momente außen vor war und dem Reich der Feen-Wesen Raum und Zeit überließ.
[...]
Die Brillanz des Chores und der Solisten, die auf den Bruchteil einer Sekunde reagierenden Symphoniker und der Mann, der mitunter mit seinem Taktstock in der Hand schier zu tanzen schien, Dirigent Petr Chromcák, hatten am Ende der beiden Konzertstunden den begeisterten Applaus nur zu herzlichst verdient. Dieser steigerte sich bis zu Standing Ovations, was die Musiker mit dem Freiheitschor aus 'Nabucco' noch einmal mit voller Hingabe dankten, bevor sich alle vom grandiosen Feuerwerk bezaubern ließen.
Wenn Dr. Uwe Köstlin, stellvertretender BSK-Vorstand und Mitglied im Vorstand der Bayer-AG, in seinem Grußwort zu Konzertbeginn auch den Sponsoren, allen voran der Sparkasse Elbe-Elster, gedankt hatte und sagte: 'Sie haben begriffen, dass zu einem guten Geschäft auch eine lebendige Kulturlandschaft gehört', so überzeugte auch dieses vierte Brandenburgische Sommerkonzert in Stechau gerade in dieser Hinsicht voll und ganz. Für die BSK gäbe es 'keinen Pfennig Staatsknete' (O-Ton Köstlin), stattdessen unternehmerisches Engagement, das der Region und den dort lebenden Menschen zugute käme. Dieses, gepaart mit Privatinitiativen wie der von Dr. Bardia Khadjavi-Gontard, brauche es auch weiterhin, um Klassiker auf Landpartie zu schicken, so Dr. Köstlin.
Wenn von den etwa 1800 Tickets allein etwa 1000 direkt in der Region Elbe-Elster und Umgebung verkauft wurden, und etwa 500 in Berlin, so zeugt das von einem sehr wachen Kulturinteresse hierzulande."
Lausitzer Rundschau Region Elbe-Elster, 04.08.08, Gabi Zahn



Rheinsberg, 26.7., Bach solo II, Johannes Roloff

"Den ersten Teil des Johann Sebastian Bach’schen 'Wohltemperierten Klaviers' hat sich Johannes Roloff für diesen Abend vorgenommen. Gut zwei Stunden dauert der komplexe und kunstvoll komponierte Rundgang durch die Tonarten, der in keinem Takt trocken oder gar nach pädagogischem Lehrwerk klingt. Allein, den Zyklus dieser 24 Präludien und Fugen auswendig zu spielen, ist eine unheimliche Leistung Johannes Roloffs – und auch ein Grund, warum dieser Zyklus so selten als Konzert gespielt wird.
Das C-Dur-Präludium präsentiert Roloff noch als Baukasten. Note für Note findet sich die Tonart, Finger für Finger setzt er die Figuren zusammen. Beinahe staunend sitzt er am Flügel, wie ein Junge, der die Wolkenkratzer nicht begreift, die er aus seinen Bauklötzern gebastelt hat.
Charles Gounod schuf aus dem C-Dur-Präludium später seine berühmte Meditation 'Ave Maria' – und machte den Auftakt des Zyklus’ erst richtig berühmt. Seinen Zugang findet das Publikum dennoch auch zum unbekannteren Rest: meditierend, selig lächelnd oder eben doch still mit den Fingern mitspielend.
Roloff tritt nicht auf wie ein Pianist, der überzeugt ist, die einzig mögliche Interpretation gefunden zu haben. In den Fugen ist er sogar zuweilen sehr unsicher, die Angst vor den komplexen, fragilen Stimmensystemen ist spürbar. Das macht Roloffs Auftritt einerseits sympathisch. Doch am Ende ist es schade, dass er nicht all die Klangfarben auskostet, die ihm zur Verfügung stehen. Statt durch den Anschlag ein Piano zu schaffen, benutzt er dafür immer nur das dämpfende Pedal, nicht die eigenen Finger.
Ein athletisches Tempo legt er dafür vor, wenn sich die Stücke zuspitzen. Auch dann sind die einzelnen Töne des Themas flach und nicht rund, aber es scheint, als wolle Roloff das so. Er will der Wind sein, der die ganze Klangwelt des Klaviers aufwühlt wie das Meer – und es ist gut, dass er dafür bequeme Sportschuhe angezogen hat."
Märkische Allgemeine Zeitung, 28.07.08, Juliane Felsch

Luckau, 19.7., Weltberühmte Knaben, Dresdner Kreuzchor, Roderich Kreile

"... Und selbst für die Kruzianer war dieser Nachmittag ein besonderer. Sie sangen das Abschlusskonzert ihrer diesjährigen Deutschlandtournee. Für einige der Sänger aus dem Abiturjahrgang der Kreuzschule war es gleichzeitig ihr letztes Singen im Verband dieses wunderbaren Chores.
Vielleicht lag es am Bewusstsein dieser Tatsache, dass das gesamte Konzert so besonders unter die Haut ging, dass der Gesang dieser neun- bis 19-jährigen Burschen so ungewöhnlich beseelt erklang. Dem homogenen Klang des Chores, der perfekten Mischung der Stimmgruppen, der Balance zwischen sphärisch körperlosem und herzhaft irdischem Ton des Chores ein Loblied zu singen, ist nichts Neues. Nicht umsonst zählt der Dresdner Kreuzchor zu den internationalen Berühmtheiten in seinem Fach. [...]
Das für Schütz typische Verschmelzen und sich gegenseitige Verstärken der kunstvoll geführten Einzelstimmen zu einem tönend sich aufwölbenden Raum gelang ganz besonders beeindruckend. Wie hineinkomponiert in die gotische Hallenkirche mit ihrem großen, aber nicht übermäßigen Nachhall erschienen auch die Motetten seiner stilistisch ähnlichen Zeitgenossen Johann Hermann Schein und Michael Praetorius. [...]
Im zweiten Teil mit romantischer Musik und Werken des 20. Jahrhunderts erlebte das Konzert noch einmal eine Steigerung. (...) andere Töne ließ der Kreuzchor bei zwei romantischen Werken hören. Die ernste und tiefgründig lebens-pessimistische Motette von Johannes Brahms 'Warum ist das Licht gegeben?' stand in seltsamem Kontrast zu den jungen Sängern, während Christian Theodor Weinligs 'Laudate Dominum' ganz und gar gefühlvollem, romantischem Singen Raum gibt. Keinen unter den etwa 1000 Zuhörern, dem dieser Gesang nicht ans Herz gegriffen hätte, wie den Sängern selbst. Dünnhäutig waren sie an diesem Tag, die sonst so podiumssicheren und konzertroutinierten Knaben und jungen Männer. Mindestens ein Dutzend von ihnen bekam feuchte Augen, ließ den Tränen freien Lauf. Kein Wunder, wenn die Zugabe bei einem solchen Abschied auch noch heißt: 'Bleib bei uns, denn es wird Abend werden und der Tag hat sich geneiget.' Auch im Publikum nestelte man verstohlen nach den Taschentüchern, bevor der Beifall aufbrandete."
Lausitzer Rundschau, 21.07.08, Irene Constantin



Ruhland, 13.7., Weltklasse zu viert, Leipziger Streichquartett

"Alle vier vereinen in ihrem Spiel die Disziplin des Orchestermusikers mit den persönlichen und instrumentalen Qualitäten eines Stimmführers und der Sensibilität des Kammermusikers. Der Quartettklang ist, wenn man so will, gleichzeitig Ausdruck sächsischer Mentalität und sächsischer Musiktradition: Ausgewogen und auf Ausgleich bedacht, mit deutlichem Gewicht auf warm und intensiv klingenden mittleren und tiefen Registern, die einzelnen Stimmen sind fast immer in einen Zusammenklang eingebettet. Extreme in jeglicher Hinsicht vermeidet das Quartett in seinem Spiel. Es gibt keine außerordentlichen Tempi, keine überpointierten Akzente oder manieristischen Pausen, keine solistischen Eskapaden, nicht eine einzige im spielerischen Temperamentssausbruch womöglich angekratzte Saite. Immer ist der Klang rund und perfekt geformt, eher zu leicht als zu intensiv.
Dennoch hört man auch ungewöhnliche Klänge, so im langsamen 2. Satz des abschließenden Quartetts op. 132. Dieser Satz ist der Höhepunkt des Werkes und war gleichzeitig der Höhepunkt des gesamten Konzerts."
Lausitzer Rundschau, 16.07.08, Irene Constantin



Ruhland, 13.7., Weltklasse zu viert, Leipziger Streichquartett

"Knapp 500 Besucher fanden sich in der Kirche ein, um den hochgepriesenen Leipzigern zu lauschen. 'Ich habe euch erwählt' prangte eindeutig zweideutig in großen Lettern über den Musikerköpfen an der Altarkanzlei. Freudig erregt stürzte sich das Quartett in Beethovens Frühwerk op.18 Nr.6. Die weiche Akustik kam dem Klangideal der Leipziger sehr entgegen. Homogen und transparent zugleich entspann sich ihr Dialog. Den Musikern wuchsen Flügel. Die Explosivität des f-Moll-Streichquartetts op. 95 war deutlich abgemildert. Bürgerschreck Beethoven blieb diesmal zu Hause. Innige Gebete, idyllische und theatralische Momente standen im späten a-Moll-Streichquartett op. 132 im Vordergrund. Am betörendsten: der altertümelnde 'Dankgesang eines Genesenden'."
Berliner Morgenpost, 15.07.08, Felix Stephan



Lichterfeld, F60, 12.7., Heute nacht oder nie, Max Raabe und das Palastorchester

"Es war das musikalische Großereignis in diesem Jahr, zu Füßen des Stahlgiganten F60, in der kleinen Gemeinde Lichterfeld. Knapp 4000 Menschen wollten am Samstagabend Max Raabe und sein Palastorchester sehen und hören. Es sollte ein Konzerterlebnis der Extraklasse werden. (...)
Die Kulisse war einzigartig, alles war so, als käme es aus einem Drehbuch. Über allem ragte der Stahlgigant F60, dessen Lichtinstallation mit zunehmender Dunkelheit für Verzückung sorgte. Blutrot ging im Westen die Sonne unter. Am Horizont blinkten die Lichter der Windräder aus Klettwitz. Als dann noch der Mond aufging, war die Sache perfekt.
Perfekt war auch die Show von Max Raabe und seinem Palastorchester. Punkt 20 Uhr betraten er und seine zwölf Begleitmusiker unter lautem Beifall die Bühne. 'Heut Nacht oder nie', so der Titel seiner neuen Tournee. Dieses Lied war gleich der Auftakt zu einem fast zweistündigen Konzert. Lässig und doch den Körper angespannt, keine Miene verziehend und doch in sich hinein lächelnd, so lehnte Raabe am auf Hochglanz polierten Bechstein-Flügel. Max Raabe singt nicht nur die Variete- und Tanzsongs der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, Max Raabe verkörpert bis in die Haarspitzen diese Zeit. (...)
Dabei stellte sich heraus, dass Max Raabe nicht nur ein begnadeter Sänger ist, sondern ein kompletter Entertainer alter Schule und die Leute mit einem ganz besonders subtilen Humor und Wortwitz verzauberte. Natürlich war Raabe der Star des Abends, der groß gefeiert wurde, doch Max Raabe wäre ohne sein Palastorchester nicht komplett. Die 12 Musiker entpuppten sich als wahre Multitalente, die mehrere Instrumente perfekt beherrschen und wenn es nötig war, Max Raabe sogar gesanglich unterstützten. Während die Herren in maßgeschneiderten Fracks ihrer Arbeit nachgingen, verzauberte die Violinistin Cecilia Crisafulli nicht nur durch ihr Spiel, sondern auch durch ihr funkelndes, eng anliegendes Abendkleid die Massen. Max Raabe und sein Palastorchester verzichten während der Show komplett auf Spezialeffekte; ein wenig Licht und ein gut ausgesteuerter Ton reichen, um die Menschenmengen zu begeistern."
Lausitzer Rundschau Region Lausitz/Spreewald, 14.07.08, Torsten Pötzsch



Lichterfeld, F60, 12.7., Heute nacht oder nie, Max Raabe und das Palastorchester

"Mitten im Nichts versammelten sich am Samstagabend etwa 3000 Freunde des Gesanges. Das konnte allerdings nicht verwundern, denn Max Raabe und sein Palastorchester sollten hier im Nichts, bei Lichterfeld, in der Nähe von Finsterwalde, ein Konzert geben. Die riesige Förderbrücke des Besucherbergwerks F 60 als imposante Kulisse vor Augen, wartete man gespannt auf ihren Auftritt. Das Konzert fand im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte statt, deren Veranstalter damit ihre größte logistische Leistung vollbracht haben. [...]
Das süffisant lächelnde, hintergründig grinsende oder schnulzig schmachtende Mienenspiel, wie es Konzerte im Saal oder gar Fernsehauftritte des Künstlers bieten, kann man zwar auf die Entfernung nicht genießen, doch die Akustik ist perfekt. Jede noch so raffiniert gehauchte Nuance ist eindrucksvoll vernehmbar. [...]
Das gemeinsame aller diese Lieder ist ihre unbestreitbare Qualität, der Kunstsinn, mit dem die Unterhaltungsindustrie selbst in der Sparte Nonsens ihr Publikum zu gewinnen wusste. Die Konkurrenz war hart und Originalität der geltende Maßstab in der Branche. (...)
Das hat mit Qualität zu tun, mit der Qualität des klassisch ausgebildeten Sängers, mit der Qualität der Lieder und Texte, mit der Qualität der phänomenalen elf Musiker und einer Musikerin des Palastorchesters. Im kompletten Satz spielen sie in einer Art, die man graziöse Disziplin nennen könnte, als Solisten brillieren sie, in ihrer Vielseitigkeit imponieren sie.
Lausitzer Rundschau, 14.07.08, Irene Constantin



Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"Das Verschwimmende der Kirchenakustik von St. Marien bekommt den romantischen Klanggebilden gut. Eingangs entführt ein weich geblasenes Zauberhorn in das Webersche Ouvertürenreich von Elfenkönig 'Oberon'. Das Orchester spielt watteweich, liebt das Geheimnisvolle, streichelt das Gemüt. Eine gelungene Vorübung für Henzes 8. Sinfonie mit ihren mittsommerlichen Einfällen. (...)
Und so schwirrt und flirrt es in hohen Lagen, als Kobold Puck im ersten Satz zu seiner farbig instrumentierten Weltreise aufbricht. (...)
Die richtige Traumdeuterei gibt es zum Schluss mit Bartholdys fast kompletter Musik zum 'Sommernachtstraum'. Dazu hat Salome Kammer eine Textkurzfassung verfertigt, die sie mit sprachtheatralischem Effekt auch vorträgt. Zwischen ätherisch, irdisch und versöhnlich breitet sich die Musik ausgewogen und detailreich aus. Ein gelungener 'Soko'-Start, dem legendäre Kaffeetafel, Führungen und musikalische Dampferfahrt vorausgingen."
Berliner Morgenpost, 24.06.08, erb



Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"Sie haben sich als klingendes Markenzeichen des Landes etabliert und seien zu einem festen Bestandteil der Kulturfestelandschaft geworden, würdigte Matthias Platzeck zur Eröffnung des Konzertes in Prenzlau. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte seien Kulturereignisse, 'die wirklich jede Region der Mark einbeziehen'.
Die Kulisse für das diesjährige Eröffnungskonzert der Landpartie bot die mächtige Marienkirche der uckermärkischen Kreisstadt Prenzlau, als eines der bedeutendsten Bauwerke der norddeutschen Backsteingotik. Mehr als 800 Besucher füllten die Besucherreihen, darunter wieder viele auswärtige Gäste, vor allem aus Berlin, die auch mit Bussen und der Bahn zum Konzert anreisen.
Und was hätte musikalisch besser zum Eröffnungstermin der Sommersonnenwende gepasst als Shakespeares Zauberwelt des berühmten 'Sommernachtstraums'? Klanggewaltig musizierte das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung seines Chefdirigenten Ingo Metzmacher. (...)"
Märkische Oderzeitung, 24.06.08



Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"'Seelenverwöhnung' sei laut Landesvater Matthias Platzeck angesagt, wenn die Brandenburgischen Sommerkonzerte als Klassiker auf Landpartie zu musikalischen Vergnügungen in Kirchen und deren 'zauberhafte Umgebung' einladen. Und auch dem jetzigen Vereinsvorsitzenden Thomas Schmidt- Ott wird 'das Land zur beliebtesten Konzertstätte'. Schöne Worte zum Start in die diesjährige Saison. Er fand am Sonnabend in der ausverkauften Marienkirche von Prenzlau statt. Romantisches Musizieren, ohne dabei altmodisch zu sein, bestimmte dabei den Auftritt des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter Leitung seines Chefdirigenten Ingo Metzmacher. [...]
Mit Webers 'Oberon'-Ouvertüre beginnt die Reise in das Traumland der Imaginationen. Die langsame Einleitung mit ihrem samtig geblasenen Hornsolo entführt sogleich in die Wunderwelt des Elfenkönigs Oberon. Dabei entpuppt sich der Dirigent alsbald als ein feinsinniger und detailfreudiger Klangmaler, der dem Irrationalen auf der Spur ist und es mit leuchtenden Farben zu ergründen sucht. Im anschließenden Allegro con fuoco bricht sich dann überschäumende Spielfreude ungehindert Bahn. Dass auch die Klangwelt der Gegenwart vergnüglich das Gemüt zu erregen versteht, beweist sich mit Henzes 8. Sinfonie und ihren raffiniert instrumentierten und farbenschillernden Klängen.
Wie das im elfenspukenden Mittsommernachtstraumwald wispert und kichert, tollt und rüpelt, ist vergnüglich anzuhören. [...]
'Das Spiel zu enden, begrüßt uns mit gewog’nen Händen', fordert Puck das Publikum auf. Es kommt der Bitte gerne nach."
Nordkurier, 24.06.08, Peter Buske



Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"Freundlicher kann ein Empfang kaum sein. Am Bahnhof nach dem Weg zur Marienkirche befragt, sagt die nette Prenzlauerin spontan: 'Da fahre ich Sie rasch rum.' In der Stadtkirche St. Marien dann begrüßt zum Saisonstart der Brandenburgischen Sommerkonzerte Ministerpräsident und Schirmherr Matthias Platzeck (SPD) besonders herzlich 'die Gäste aus der größten märkischen Stadt' und fügt erklärend hinzu: 'Liebe Berliner'. (...) 'Immer mehr Menschen kommen auf den Geschmack und gönnen sich Hochkultur', hebt Platzeck hervor. Es sei bemerkenswert und ganz im Sinne der Erfinder, dass inzwischen genauso viele Brandenburger wie Berliner unter den Zuhörern seien. Vor fünf Jahren kamen nur zehn Prozent aus der Mark. (...)
[Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt] schließlich 'Ein Sommernachsttraum' von Felix Mendelssohn Bartholdy mit wunderbar harmonisch sich einfügendem Sieben-Uhr-Läuten der Glocken von St. Marien. [...]
Die gute Zusammenarbeit mit den brandenburgischen Sparkassen, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und den Tourismusbeauftragten in den Orten hat (...) sehr dazu beigetragen, dass inzwischen auch so viele Brandenburger die Konzerte und die Rahmenprogramme, wie Führungen, Vorträge, Dampferfahrten besuchen.“
Der Tagesspiegel, 23.06.08, Elisabeth Binder

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