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Die Presse über unsere Konzerte 2007
Brandenburg (Havel), 8.9., Wandelkonzert und Orgelnacht
>Toccata und Instrumente<, Claudia Ehses, Andreas Klein, Joachim
Pliquett, Franz Danksagmüller, Gunter Kennel, Arvid Gast, Matthias
Passauer
"Der junge Organist Franz Danksagmüller
beschloss den ersten Teil mit der obligatorischen Toccata und Fuge
d-Moll von Johannn Sebastian Bach mit frechen Phrasierungen und
Tempi. Tausendfach gespielt und gehört. In einer derart ganz
und gar nicht klassichen Interpretation, die an die Grenzen der
akustischen Übertragbarkeit in der Domkirche ging, allerdings
selten. //
Nach Bachs raumgreifender F-Moll-Toccata war dann in St. Gotthardt
gepflegte Unterhaltung mit Händels Concerto F-Moll für
Posaune und Orgel angezeigt. Andreas Klein (Posaune) und Gunter
Kennel (Orgel) brillierten zum Abschluss mit Guilmants 'Morceau
symphonique', das sich nach dunklem Beginn federleicht und virtuos
in die lichten Höhen einer romantischen Schmonzette erhob.
[...]
Arvid Gast entfaltete bei Charles-Marie Widors triumphierender Toccata
F-Dur aus der fünften Orgelsymphonie die ganze Pracht des Instruments.
Mit André Chailleux' gemäßigt modernem 'Morceau
de Concours' für Orgel und Trompete zeigte Joachim Pliquett,
warum Gast seit Jahren mit dem Solotrompeter so erfolgreich konzertiert."
Märkische Allgemeine Zeitung, 10.09.07, Matthias Gottwald

Boitzenburg, 31.8., >Grundton D< - Benefizkonzert des Deutschlandfunks
für die Denkmalpflege, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini
"[...] In dessen [Vivaldis] g-Moll-Concerto
offenbaren die Streicher sogleich ihr Erfolgsrezept: Lebendigkeit,
gepaart mit natürlichem Redetonfall, gegossen in einen straff
artikulierten Ensembleklang, der die unwahrscheinlichsten dynamischen
Differenzierungen zulässt. So entsteht u. a. ein Andante voller
Zärtlichkeit und Süße. In zwei Flötenkonzerten
des venezianischen Meisters brilliert Ensembleleiter Giovanni Antonini
auf der Blockflöte, dem Soloinstrument des Frühbarocks.
In den Ecksätzen des c-Moll-Concerto ist lustvoll-virtuoses
Blasen mit akzentuierter Affektverstärkung zu erleben, während
sich im Largo die Sehnsucht breit aussingt. Und auch im C-Dur-Konzert
(für Flautino) spielt man nicht nur Noten vom Blatt, sondern
geht in ihnen völlig auf. Hier entfacht der Solist ein virtuoses
Vogelgezwitscher gleich einem Feuerwerk der Fingerfertigkeit. Leicht
und beweglich sein Ton auch in Georg Philipp Telemanns C-Dur-Konzert
für Flöte, Streicher und Basso continuo, der sich voller
Reinheit emporschwingt.
Herrlich unverkrampft auch die klangfaszinierende Wiedergabe einer
c-Moll-Sonata von Johann Gottlieb Goldberg. (...) Begeisternd zu
erleben, wie traumwandlerisch sicher die Musiker den empfindsamen
Goldberg-Stil zu entdecken verstehen. Als Meister der virtuosen
Detailversessenheit entpuppen sie sich ebenso bei Mozarts F-Dur-Divertimento
KV 138, das sie als lockeres, farbenreiches und differenziertes
Klanggebilde offerieren. Und der Dank? Im Gotteshaus des Geschlechts
derer von Arnim braust der Jubel, erklingen zwei Zugaben und wird
vom Veranstalter ein 6000-Euro-Scheck an den Förderverein von
St. Marien auf dem Berge überreicht, mit dem das Streichen
der Innenwände (Kosten insgesamt um die 40.000 Euro) in Angriff
genommen werden kann. (...)"
Nordkurier, 04.09.07, Peter Buske

Boitzenburg, 31.8., >Grundton D< - Benefizkonzert
des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Il Giardino Armonico,
Giovanni Antonini
"Il Giardino Armonico musiziert auf historischen
Instrumenten mit einer in der in Alte-Musik-Szene ganz nonkonformistischen
Eleganz. Man hörte in allen sechs Stücken ein zartes Vibrato,
erlebte eine kontinuierliche lebendige Dynamik, die einzelnen Phrasen
wurden weich und schmiegsam serviert. In den langsamen Vivaldi-Sätzen
musizierten die solistischen Violinen spinnwebfein, der begleitende
Basso continuo wusste noch darunter einen weichen Teppich zu breiten.
Mozarts bekanntes F-Dur-Divertimento erschien wie neugeboren. Im
ersten Satz gewann es atmende Beredtheit, in den Reibungen und Vorhalten
des langsamen Mittelsatz eine so schmerzend zärtliche Inbrunst
und im Schlusssatz eine schalkhafte Heiterkeit, dass man sich gewiss
wurde, der junge Mozart kann dieses Stück nur so gemeint haben.
Der Solist dreier kleiner Blockflötenkonzerte war der phänomenale
Giovanni Antonini. Mit welcher intelligent musikantischer Manier
und Virtuosität er dieses scheinbar naive Instrument handhabte,
war in jedem einzelnen der kleinen Sätzchen frappierend.
Zwei Zugaben gab es am Ende für das Publikum und 6000€
für die Restaurierung des Anstrichs der Kirchenwände."
Märkische Oderzeitung, 04.09.07, Irene Constantin

Jüterbog, 25.8., Abschlusskonzert, Jens Peter
Maintz, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski
"So wandelte sich die Wiese vor der 700 Jahre alten Kirche
am Nachmittag zu einer Art Freiluftcafé. Wer sich zuvor in
der Stadt umgesehen hatte, konnte hier entspannen und sich auf das
Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin freuen. Dem hätten
manche gern länger gelauscht und deshalb holten am Ende die
Bravorufe des Publikums den Dirigenten Marek Janowski mehrfach zu
seinem Orchester aufs Podium. Vor der Pause wurde der Cellist Jens
Peter Maintz ebenso ungern von der Bühne gelassen virtuos
hatte er das Schumannsche Werk interpretiert, zur großen Freude
seiner Zuhörer. Ein Höhepunkt und wunderbarer Abschluss
der diesjährigen Brandenburgischen Sommerkonzerte, wie man
sich während eines anschließenden Empfanges im Rathaus
gegenseitig versicherte. Bürgermeister Bernd Rüdiger,
dessen Platz in der Kirchenbank wegen des kurzfristig anberaumten
Außenministerbesuches zur selben Zeit leer geblieben war,
hatte gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern der Brandenburgischen
Sommerkonzerte dazu eingeladen. 'Ich bin sehr froh darüber,
dass Jüterbog und Kloster Zinna nach wie vor Spielorte sind.
Solche Konzerte könnte sich die Stadt nicht leisten', sagte
der Bürgermeister in der Runde mehrerer Stadtverordneter, die
dem nur zustimmen konnten. Und er verwies auf einen Fakt, der weniger
oft Erwähnung findet: Die Einnahmen gibt der Verein Brandenburgische
Sommerkonzerte nicht nur für Musik, sondern auch für den
Denkmalschutz aus. Solches Geld wurde beispielsweise zur Freilegung
von Fresken im Jüterboger Rathaus verwendet."
Märkische Allgemeine Zeitung, 27.08.07, Martina Burghardt

Lübben, 18.8., Jubiläumskonzert zum 400.
Geburtstag von Paul Gerhardt, Ensemble Movimento
"Eingestreute Instrumentalstücke von Hans
Leo Hassler, William Byrd oder Heinrich Isaac brachten gelegentlich
ein erfrischend weltliches Lüftchen in die zweieinhalb erbaulich
frommen musikalischen Stunden.
Allerdings war die Lübbener musica sacra von auserlesener Qualität.
Die Sopranistin des Ensembles, Nele Gramß, verfügt über
eine so wunderbar leichte und klare, dabei auch warm getönte
Stimme, dass sie all die Herzensergießungen glaubhaft vortragen
konnte. Qualitätiv kaum nachstehend der Altus Franz Vitzthum
und der Bass Markus Flaig, aber Nele Gramß übertrug eine
große, bei einem Kirchenmusikprogramm kaum erwartete strahlende
Heiterkeit auf das Publikum.
Das Meisterstück des Abends war die Vertonung des Textes 'Geduld
ist euch vonnöten' aus den 'Symphoniae Sacrae II' von Heinrich
Schütz. Wie Gerhardt durchlitt auch sein Zeitgenosse Schütz
den Dreißigjährigen Krieg mit all seinem Leid von Anfang
bis Ende. Geduld, das 'herbe, bittre Kraut', war auch ihm überlebensnotwendig.
Vielleicht geriet die fünfstimmige Komposition für drei
Gesangssolisten, zwei Soloviolinen und basso continuo gerade deshalb
so ungeheuer eindringlich, mit scharfen harmonischen Reibungen und
deren sehnlichst erwarteten Auflösungen.
Von ganz anderem Charakter das muntere Lied des Berliner Kantors
Johann Georg Ebeling 'Die güldene Sonne'. Ebeling erkannte
sehr früh, wie gut sich Gerhardts Texte vertonen lassen. Ganz
ähnlich volkstümlich und innig die einzige nicht-barocke
Komposition des Abends, das 1920 entstandene Sommerlied 'Geh aus,
mein Herz, und suche Freud' von Walter Hensel.
Kein Alte-Musik-Konzertprogramm ohne Ausgrabung und Forschung. 'Movimento'
demonstrierte die volkstümliche Grundierung vieler Melodien,
auf die später Texte von Paul Gerhardt gesungen wurden. Ein
Cembalostück von William Byrd passte in diesen Zusammenhang
und das innige Schlusslied 'Nun ruhen alle Wälder' von Bartholomäus
Gesius, dem, gleichlautend, 'Innsbruck ich muss dich lassen' als
berührend gespieltes Instrumentalstück noch nachfolgte.
Ohne Zugabe ging es nach diesem gänsehauterzeugenden letzten
Konzertteil nicht ab."
Lausitzer Rundschau, 20.08.07, Irene Constantin

Cottbus, 11.8., Konzert zum Abschluss der Brandenburgischen
Orgelreise, Stefan Kießling, Marek Pilch (Orgel)
"Blieb die letzte Orgel und das 'richtige' Konzert
in der Cottbuser Klosterkirche. Hausorganist Stefan Kießling
und sein polnischer Kollege Marek Pilch spielten auf der 1908 errichteten
Sauerorgel. Stefan Kießling ließ erklingen, was zuvor
theoretisch aufkam: sorbische Orgelmusik der Komponisten Ulrich
Pogoda, Detlef Kobjela, Jan Paul Nagel, Lothar Graap und Jan Bilk
ein kleiner Kreis, nicht alle Werke sind Meisterstücke.
Pogodas schöne 'Psalmenfantasie' ist ein melodisch kreisendes
Weben und Schweben, ähnlich sanftmütig Kobjelas 'Elegie'.
Als spröde, etwas schräg, aber durchaus spannend erwies
sich Jan Bilks haarig schwere 'Toccata et fuga diabolis'.
Marek Pilch gestaltete sein Programm als Entdeckungs-Parcours durch
polnische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts, voller unbekannter ohrenfreundlicher
Schönheit. Beide Organisten spielten so virtuos, ausgeglichen,
rhythmisch und musikalisch intelligent, dass man sie sich öfter
nicht nur im Kirchendienst, sondern als konzertierende Musiker wünscht.
Die Organisatoren der Brandenburgischen Sommerkonzerte hatten nahezu
ein Dutzend sorbische Institutionen auf dieses spezielle Konzert
aufmerksam gemacht. Nicht eine einzige Rückmeldung kam, wodurch
das Engagement von Konzertveranstaltern für sorbische Musik
wohl kaum gefördert wurde. Im Publikum allerdings war, höchst
privat, die sorbische Sprache zu bemerken."
Lausitzer Rundschau, 13.08.07, Irene Constantin
,
Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten zu Gast bei den
Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen (Klavier)
"Der finnische Pianist Olli Mustonen ist ein
wirklicher Exzentriker. Seine Klavierkonzerte sind immer ein Gesamtkunstwerk.
Faszinierend ist da nicht nur das akustische Ergebnis, sondern auch
seine optische Erscheinung. Wie er sich am Klavier bewegt, ähnelt
mitunter einer Choreographie. Er fiebert mit der Musik mit, den
Blick starr auf die Noten geheftet, manchmal ein Lächeln auf
dem Gesicht, mitunter auch ein Grinsen, oft ein Kopfschütteln
bei besonders ausdrucksstarken Stellen. Seine Arme sind immer in
Bewegung, auch wenn eine Hand einmal nichts zu spielen hat. Fast
wie wenn es zur Musik dazu gehört, wischt er sich oft mit dem
rechten Ärmel seines Hemdes den Schweiß von der Stirn.
Alles das gehört irgendwie zur Musik dazu. Es ist der Eindruck
eines Besessenen.
Kaum weniger exzentrisch sind die akustischen Ergebnisse. Olli Mustonen
zelebriert eine Deutlichkeit, eine Dichte, die den Hörer fast
filmisch nahe an das musikalische Geschehen heranzoomt. Sein Anschlag
ist meistens von metallischer Härte; die knappen, geradezu
gemeißelten Töne sind dabei erstaunlicherweise immer
noch klangvoll; andere Pianisten, die so spielen, würden die
Töne nur ersticken. Mustonen gestaltet absolut unberechenbar.
Gerade eben hat er noch den Flügel zerdonnert, da präsentiert
er im nächsten Augenblick eine butterweiche Zartheit an der
Grenze des überhaupt noch Hörbaren und wartet den Nachklang
ab, bis alles verschwunden ist. [...]
Am Schluss stand dann noch ein echter Sergej Prokofjew. Olli Mustonen
ist hierfür der ideale Interpret; da haben sich zwei Geistesverwandte
gefunden. Es klang so, als habe Prokofjew seine sechste Sonate für
Mustonen komponiert. Immerhin wird sie selten gespielt; sie ist
aberwitzig schwer und steht Prokofjews frühen Klavierstücken
in nichts nach. Mustonen packt Prokofjews Musik bei den Hörnern
und nimmt die Mischung aus Brachial-Klavierspiel und Lyrischem wirklich
ernst. Selten war es zu erleben, dass sich ein Interpret so mit
der Musik identifiziert, mit ihr mitlebt: eine diebische Freude
an der permanenten halbstündigen Hochspannung, der Vorliebe
für Sarkastisches und Zynisches, Tonketten, die dem Hörer
um die Ohren fliegen, und eine Volltönigkeit wie bei einem
ganzen Orchester. Mustonens ganzer Körper bestand nur noch
aus dieser Musik; immer wieder tropfte ihm der Schweiß von
Stirn, Nase und Kinn. Man darf sicher sein: Sergej Prokofjew hätte
an dieser Interpretation seine helle Freude, und ganz bestimmt nicht
nur er."
RBB Kulturradio "am Morgen", 06.08.07, Andreas Göbel

Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten
zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen
(Klavier)
"Er will der Musik jedes Mal neu begegnen, sich
für unentdeckte Nuancen öffnen und damit auch das Publikum
herausfordern. Das beflügelt ihn zu enormer Asudrucksintensität,
die sich nicht nur auf die akustische Wirkung beschränkt. Es
ist beeindruckend, wie er sich am Klavier bewegt, mit der Musik
fiebert, wobei die Arme, auch die Finger in Bewegung sind, wenn
eine Hand nichts zu spielen hat. Dadurch, gepaart mit seiner brillanten
Technik, dem Wechsel zwischen donnerndem und zartem Anschlag gewinnen
seine Interpretationen eine Dichte. So verhalf der Pianist bei den
kleinen Stücken von Robert Schumann neue Zusammenhänge
zu entdecken. Absoluter Höhepunkt des Konzertes war die 6.
[Sonate] von Prokofjew mit ihrer Mischung von hämmernden, krassen
Dissonanzen, groben Lärmeffekten und lyrischen Motiven. Doch
bei allem Wirbel hielt Mustonen (...) bis zum Verklingen des letzten
Tones die Hände schützend über die Tasten. Das Publikum
dankte ihm mit stürmischem Beifall."
Oranienburger Generalanzeiger, 07.08.2007, Ruth Eberhardt

Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten
zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen
(Klavier)
"Zu den festen Bestandteilen jedes Klavierunterrichts
gehören Schumanns 'Album für die Jugend' und Bachs 'Dreistimmige
Inventionen' BWV 787-801 aus dem 'Clavierbüchlein für
Wilhelm Friedemann Bach'. Dabei lässt uns Olli Mustonen die
fünfzehn Übungsstücke als ein rubatoreiches Kompendium
der Leidenschaften erleben. Keinen Moment steigt er aus der Musik
aus. Spannungsaufgeheizt geht es zu, abrupt wechseln die Stimmungen.
Zur bewundernswerten Ausdrucksnuancierung gehört, dass Olli
Mustonens Finger sich gleichsam wie Landeklappen eines Flugzeugs
aus der Waagerechten in die Senkrechte verstellen. Plötzlich
wird der Klang hämmernder, fordernder und direkter. Nicht minder
faszinierend, wie sich in Pausen die hochgeschnellten Arme langsam,
ausdrucksvoll und pirouettengleich auf die Tastatur hernieder senken.
Eine elegante Luftgymnastik sozusagen Ballett auf Tasten!
Schlussakkorde lässt der Klangmagier lange nachschwingen, was
für nahtlose Übergänge sorgt. Bach, der erste Romantiker
der Musikgeschichte?!
Gleichfalls hellwachen Sinns durchforscht er der Romantik geheimnisvolle
Gefilde. Auszügen aus Schumanns 'Album für die Jugend'
op. 68 treibt er alle pädagogischen Ambitionen aus, gestaltet
sie stattdessen akzentuiert und mit klarem Anschlag zu Charakterminiaturen.
Und auch für das Spätwerk 'Gesänge der Frühe'
op. 133 setzt Mustonen auf leidenschaftszerrissene Klanggesten,
brillantes Laufwerk, nachsinnende Betrachtungen. Zwischen kantablem
Kantele-Klang (zitherähnliches Zupfinstrument Instrument),
geradezu rabiater Motorik und alptraumhafter Groteske pendelt des
Pianisten Klaviersonate 'Jehkin Iivana'. Ob deren perkussive Exzesse
ihr Vorbild in Sergej Prokofjews A-Dur-Sonate op. 82 hatten?! Kraftdonnernd,
mit schneidender Schärfe im Diskant und hingewuchteten Bässen,
dann wieder nachsinnend bis elegant bringt er Prokofjews angestaute
Erregungen und Visionen zur Entladung. Konturenklar, quasi ohne
Nebel, reicht er auch ein Prélude aus Meisterhand als anhaltend
erklatschte Zugabe dar."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 07.08.07, Peter Buske
Marwitz, 29.7., Liederabend "Auf dem Wasser
zu singen",
Peter Schöne (Bariton), Günther Albers (Klavier)
"Wo es um balladeske Schilderungen ging, war es (...) eine
Lust, ihm [Peter Schöne] zu lauschen. Man meinte dabei zu sein,
wenn kecke Buben den Nöcken necken in Karl Loewes Lied 'Der
Nöck'. Dann konnte Schöne seinen klangreichen und wandlungsfähigen
Bariton einsetzen, flüstern und säuseln wie die Wassernixen
und Elfen, donnern und dröhnen wie ein Wasserfall.
Das Hauptstück des romantischen Konzertteils war Schuberts
Vertonung der großen Schiller-Ballade 'Der Taucher'. Hier
erlebte man Peter Schöne, den Opernsänger. In lässig
arroganter Manier wirft der König den Becher in den Strudel,
mutig meldet sich der Edelknabe, ihn herauf zu holen, zart, aber
bestimmt meldet sich die Königstochter zu Wort. Alle Personen
imaginiert von einem einzigen Sänger.
Was ist ein Liederabend ohne den Pianisten Günther Albers
erwies sich als ein Künstler mit ausgefeiltem Klangsinn. Immer
anders, immer neu rieselten die vielen gebrochenen Dreiklänge
der verschiedenen Wassermusiken. Unbeweglich die Akkorde im Goethe-Lied
'Meeres Stille', dramatisch, 'wie wenn Wasser und Feuer sich mengt'
die Gischt im 'Taucher'. Ihr Meisterstück lieferten beide Künstler
mit Wolfgang Fortners 'Terzinen' nach Hugo von Hofmannsthal. Die
spröde 12-Ton-Musik gewann besonders in Albers' Klavierspiel
eine Beweglichkeit des Klangs und eine Deutlichkeit des emotionalen
Ausdrucks, die bei diesem sperrigen Werk staunen machte. Es gab
für solche Klänge sogar ein Buh in der Kirche, aber auch
begeisterten Beifall. Am Schluss des Gesamtprogramms herrschte dann
einhellige Zustimmung."
Märkische Allgemeine Zeitung, 31.07.07, Irene Constantin

Rheinsberg, 28.7., Fantasie in Symmetrie, Blockflötenquartett
"New Generation"
"Sie [die vier jungen Damen] begeisterten (...) mit ihrem außergewöhnlichen,
kontrastreichen Programm das Publikum. [...] Interessant an diesem
Konzert waren zugleich die Begegnungen mit den unterschiedlichsten
Blockflöten, von der historischen Piccoloflöte bis zu
modernen Bass-Blockflöten, die wie futuristische Instrumente
mit ihrem rauchigen und zugleich perkussiven Klang wirken.
Da begeisterte die Komposition 'Non ti à piaciato?' des in
Venedig geborenen Giovanni Mancuso, ein Auftragswerk für das
Quartett. Inspiriert von den überdimensionalen Paetzold-Bassflöten,
stellt dieses Stück ein Puppenspiel mit riesigen Marionetten
auf einer kleinen Bühne dar. [...]
Mit einer schwungvollen witzigen Komposition von Peter Rose (...)
verabschiedete sich das QNG-Quartett unter stürmischem Beifall
des Publikums, das dieses Erlebnis den Brandenburgischen Sommerkonzerten
verdankt."
Ruppiner Anzeiger, 31.07.07, Ruth Eberhardt

Potsdam, 22.7., Weltberühmte Chöre zu Gast
bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Windsbacher Knabenchor,
Solisten, Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Karl-Friedrich Beringer
"Mit dem Einsatz des Chores mussten dann alle
Zweifel verfliegen, dass dieses ausverkaufte Brandenburgische Sommerkonzert
ein besonderes würde: Wann hat man in einer Live-Aufführung
zuletzt die chorischen Anfänge von Kantaten wie Singet
dem Herrn ein neues Lied oder O ewiges Feuer mit
vergleichbarer Präzision, klanglicher Tiefenschärfe und
Ausdifferenzierung der Stimmgruppen gehört? Aus dem Solistenquartett
ragte vor allem Rebecca Martins Mezzosopran hervor, doch auch mit
Cornelia Horak (Sopran), Andreas Weller (Tenor) und Konrad Jarnot
(Bass) standen klug ausgesuchte und stilsichere Stimmen zur Verfügung."
Der Tagesspiegel, 24.07.07, Matthias Nöther

Potsdam, 22.7., Weltberühmte Chöre zu Gast
bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Windsbacher Knabenchor,
Solisten, Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Karl-Friedrich Beringer
"Man spürte, dass Bachs Musik für Karl-Friedrich
Beringer eine Herzensangelegenheit ist. Vom ersten Takt an präsentierte
er sie mit zupackendem Verve. Die kleinen und großen Sänger
des Knabenchores haben mit wunderbar stimmlicher Homogenität,
keinerlei Klangschärfen ihre Parts - die zumeist komplizierten
Eingangschöre sowie die schlichten Choräle gesungen.
Die barocken Texte, dessen Sprache jungen Leuten sonst oftmals unverständlich
ist, wusste der Knabenchor durch seine wohl ständige Auseinandersetzung
überzeugend zu gestalten. Doch hier im Kirchenraum waren sie
kaum zu verstehen. Auch die Gesangssolisten mussten mit diesem Handicap
leider leben. Sie sangen die Rezitative, Arien und Duette jedoch
mit klaren, warmen und ebenmäßigen Stimmen. Wenn Andreas
Weller aber Dramatisches vortrug, forcierte er leider seine Stimme,
die sich dafür sogleich mit unschönen Tönen 'bedankte'.
Mit einem bewegenden Höhepunkt wartete Rebecca Martin auf.
Die Arie Wohl euch, ihr auserwählten Seelen aus
BWV 34 sang sie mit besonders großer Innerlichkeit, ohne jegliche
Theatralik. Die Deutschen Kammer-Virtuosen Berlin, hervorragend
die Holzbläserbesetzung, verliehen der Bachschen Musik insgesamt
ein gelungenes Klangbild.
Der Zuhörerjubel am Schluss war sehr groß, so dass Beringer
sich zu einer Zugabe entschloss. Mit dem Choral 'Lobe den Herren,
den mächtigen König der Ehren' erhielt das Konzert dann
eine treffliche geistliche Zusammenfassung."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 24.07.07, Klaus Büstrin

Stechau, 21.7., Große Opern- und Operettengala
open air, Kammerorchester des Tschechischen Nationaltheaters Prag,
Marie Fajtová, Milan Vlcek, Frantisek Drs
"Gibt es etwas Schöneres, als in abendlich
launiger Stimmung auf einer großen, von Bäumen und Wasser
umgebenen Wiese Musik zu hören? Mit Blick auf ein zauberhaftes
Barock-Gebäude sowie auf den sich ständig verändernden
Himmel, mit vorbei ziehenden Wolken sowie Vögeln, die aufgeschreckt
ihre 'Stimmen'einbringen. Und das Ganze inmitten einer großen
Schar von Lauschenden. Wo sich jeder ein Fest erwartet, und es auf
seine Weise auch findet. Denn offenbar haben viele daran Freude,
sonst wären am Sonnabend nicht an die 2000 Besucher in den
- je nach Anreise - entlegenen kleinen Ort Stechau gekommen, um
beim Open-air-Konzert im Schlosspark in der Reihe der Brandenburgischen
Sommerkonzerte eine Opern- und Operettengala zu erleben.
[...]
An der Kompetenz der Musiker sowie des Dirigenten (...) ist nicht
zu zweifeln, und wenn Wienerisches, musiziert mit großem moldauischen
Atem, etwas verändert wirkt (was auch den Wienern selbst gelingt),
so ist es eben anders. Frantisek Drs erscheint als Feingeist unter
den Dirigenten - speziell bei 'Rusalka' von Antonín Dvorák
klingen geheimnisvolle Sphären auf, die neugierig machen. Und
im heimischen Repertoire wie im 'Lied an den Mond' liegen deutlich
auch die Stärken der Sopranistin, die wunderbar klar akzentuiert
und beeindruckende Höhen hat. Was sich von Milan Vlcek weniger
sagen lässt; sein Stimmschmelz ist im Freien schnell in den
Wind gesungen.
[...]
Gekrönt ist das Konzert von dem fast musikalisch entworfenen,
fein abgestimmten Feuerwerk im Park, und es erfüllt sich damit
auch der anfänglich geäußerte Wunsch des Schlossherrn,
dass dieses 'von uns gestaltet wird und nicht von Petrus'. Zugleich
eine stimmige Fortsetzung des Konzertes mit dem 'Kaiserwalzer' von
Johann Strauß (Sohn) zum Abschluss, wo heute keiner mehr glauben
mag, dass dieser bei der Aufführung in Berlin wirklich durchgefallen
ist. Im Schlosspark Stechau haben das die angereisten Hauptstädter
mit viel Beifall wieder ausgleichen können."
Lausitzer Rundschau, 23.07.07, Gabriele Gorgas

Senftenberg, 15.7., Percussion for 4 - Quartett III,
TWOtone & TWO
"(...) Das nächste Stück, 'CaDance' für zwei
Percussionisten von Andy Pape war ein unglaublicher Triumph des
Rhythmus und der Metren über alles, was Musik sonst noch ausmachen
könnte. Ununterbrochen variierte Taktzahlen und Betonungen
in den Trommel- und Beckenschlägen (...) überlagerten
sich zu einem rasanten, in ständiger Veränderung befindlichen
musikalischen Fluss. Zählen verwandelte sich in Körpersprache
und Zahlen wurden akustische Poesie.
Wie sehr Musizieren ein zwar geistig gesteuerter aber doch vornehmlich
körperlicher Vorgang ist, wurde im letzten Stück vor der
Pause evident. 'Lift Off' von Russell Peck für Percussiontrio
simulierte mittels dreier im Raum verteilter Schlagzeugbatterien
einen Hubschrauberstart. In unerhörter Geschwindigkeit wirbelten
die Schlägel über große und kleinere Trommeln -
man wusste nicht, ob man vor purer Freude über diesen Zusammenschluss
von Kunst und purem Effekt wie ein Kind lachen sollte oder bewundernd
den Atem anhalten.
Mit einem Trommlerquartett, wie man es bei einer Marching Band wohl
nie zu hören bekommt, begann der zweite Teil. Danach ließen
vier Marimbas alle Klang-Eigenschaften hören, die Hersteller
und Musiklexikons dieser Instrumentengruppe bei Gebrauch unterschiedlicher
Schlegel und Anschlagtechniken zugestehen: dunkel, weich, sanft,
samtig, erdig, voll, sonor, dumpf, hohl, resonant, rund, klangvoll,
hölzern. (...)
Allem bisher musizierten noch einen krönenden Abschluss anzufügen
man hielt es für eine unlösbare Aufgabe (...).
Aber natürlich kam mit Minoru Mikis zweisätzigem 'Marimba-Spiritual'
doch noch das große Abschlusswerk. Einer sehr intimen und
ergreifenden Trauermusik für Marimba-Solo folgt ein ebenso
emotional aufgeladener, jedoch rasant trotziger Schlusssatz, in
dem drei Schlagzeuger in der Manier der japanischen Kodo-Trommler
den Solisten begleiten. Hier entfernten sich die Musiker am weitesten
vom virtuos artistischen Show-Element, das ein solches Konzert zweifellos
auch beinhaltet. Es wurde ein Grad von Verinnerlichung erreicht,
den man nur von außerordentlichen Kammermusikern erwartet.
Solche Percussionisten wie die vom Sonnabend in Senftenberg gehören
dazu."
Lausitzer Rundschau, 17.07.07, Irene Constantin

Senftenberg, 15.7., Percussion for 4 - Quartett III,
TWOtone & TWO
"Die vier Perkussionisten von TWOtone & TWO ließen
im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte jetzt einen Helikopter
der besonderen Art aufsteigen. Russell Pecks' 'Lift off' imitiert
den Anflug eines solchen Technikwunders durch drei im Raum verteilte
Schlagzeugsets. Und wirklich glaubt man, dass Rotorblätter
sich in das Zellengewölbe der mittelalterlichen Senftenberger
Peter-und-Paul-Kirche erhöben, meint Wendemnaöver des
Fluggeräts mitzuerleben. 'CaDance' des Kaliforniers Andy Pape
könnte man mit 'Es rockt' übersetzen, und tatsächlich
sind in dieser Musik ein Fluss, ein Groove, eine Seele, die staunen
machen. Spartanisch zu Beginn, mit hölzernen Schlägen
auf den Trommelrand, weitet sich das Klangfeld bald, schwingt sich
ein und scheint endlich zu singen. Ali N. Askin (...) hat in 'Snap/Shot'
quasi die Parodie zur Kammermusik für Schlagzeug geschrieben:
Durch Walzerrhythmus und Trommelwirbel gelangt das Stück zum
zeremoniellen Klang des Glockenspiels - einer der fesselnden Momente
des nachmittäglichen Auftritts."
Der Tagesspiegel, 17.07.07, Matthias Nikolaidis

Potsdam, 8.7., Musik am preußischen Hof I -
auf historischen Instrumenten, Musica Alta Ripa
" [...] Sehr angenehm der warm getönte und weich artikulierte
Klang der Violinen (Susanne Busch, Anne Röhrig), den auch die
anderen Saitenspieler (Volker Hagedorn/Viola, Albert Brüggen/Violoncello)
mit Eifer zu erzeugen wussten, indem sie ihre Instrumente tiefer
als gewöhnlich stimmten. Dezent kolorierte Danya Segal auf
verschiedenen Blockflöten das wohlklingende Geschehen. In Georg
Philipp Telemanns gefälligem C-Dur-Concerto wechselte sie die
Stimmungen zwischen tänzerischer Beschwingtheit und Andante-Lethargie.
Ensemblegeist zeichnete auch die galante, von einem Hauch Zärtlichkeit
umgebene Wiedergabe der Sonata da camera B-Dur für Blockflöte,
zwei Violinen und Basso continuo von Johann Gottlieb Janitsch aus,
der als Kontraviolinist der königlich-preußischen Hofkapelle
lebenslang in Friedrichs Diensten blieb. Für den Solopart hält
das h-Moll-Konzert für Cembalo und Streicher von Georg Anton
Benda reich ausgeziertes Laufwerk bereit. Bernward Lohr tastatiert
es voller Intensität und Intimität. Wenig später
ist er dem Cellisten in Telemanns D-Dur-Sonate ein mitgestaltender
Partner, der die abrupten Lagenwechsel ins rechte (Klang-)Licht
zu rücken versteht. Der seufzerreichen, beseelten, von kühnen
Harmonien erfüllten d-Moll-Sonate für Violine und obligatem
Cembalo verhilft er zu ausdrucksvoller Wirkung."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 10.07.07, Peter Buske

Potsdam, 8.7., Musik am preußischen Hof I - auf historischen
Instrumenten, Musica Alta Ripa
"'Musik am Preußischen Hof' ließen die Brandenburgischen
Sommerkonzerte mit dem Hannoveraner Ensemble 'Musica Alta Ripa'
wieder auferstehen, und im Schlosstheater des Neuen Palais auf burgunderroten
Samtbänken unter goldenen Palmblättern saß man wie
auf Adolf Menzels Gemälde. (...) Georg Philipp Telemann (...)
dürfte mit seinem Flötenkonzert schon damals das Publikum
von den Sitzen gerissen haben. Das gelang auch der Solistin Danya
Segal mit farbenreicher Klangpalette und humorvoller, auch durch
die Körpersprache mitgeteilter Vitalität. (...)
In kühnster Harmonik und endlosen Seufzerketten revoltiert
(...) Emanuel Bachs Violinsonate d-moll gegen alle Konvention, ist
reiner, persönlicher Ausdruck; Georg Anton Bendas hochvirtuoses
Cembalokonzert h-moll wiederum platzt förmlich vor Temperament
und sinnlicher Klangfantasie. Ein wenig angestrengt bewältigt
der Cembalist seinen schwierigen Part. In der musikalischen, plastisch
gestalteten Vielfalt zeigt sich die Flöte besonders lebendig:
in Agostino Steffanis Suite aus der Oper La Lotta dHercole
(Kampf des Hercules) besonders reizvoll in ihren Varianten von Piccolo
bis Alt, empfindsam in der Sonata da camera B-Dur von
Johann Gottlieb Janitsch. Am preußischen Hof spielte die Flöte
eben doch die erste Geige. Der Tagesspiegel, 10.07.07, Isabel
Herzfeld

Lychen, 1.7., Weltklasse zu viert, Leipziger Streichquartett
"[Die St. Johannes-Kirche] war bis auf den letzten Platz besetzt,
als das 'Leipziger Streichquartett' begann, in einem zweistündigen
Konzert überwältigende Eindrücke von seinem Können
zu geben. Die vier Künstler (...) schienen [mit ihren Instrumenten]
unerhörte Grenzen auszuloten und erzählten so auf spannende
Weise musikalische Geschichten von Leos Janacek, Ludwig van Beethoven
und Johannes Brahms. Gebannt begaben sich die Zuhörer mit auf
eine musikalische Reise. Es war fast zum Fürchten still in
der Kirche, als die Saiten (...) zärtlich gezupft und dann
wieder rabiat in Szene gesetzt wurden. [Es] gefiel besonders die
musikalische Umsetzung von Tolstojs Drama der 'Kreutzersonate',
das mit einem Lustmord endete. [...]
Dass die Fachzeitschrift 'Gramophone' das 'Leipziger Streichquartett'
einmal als bestes deutsches Quartett bezeichnet hatte, ließ
sich nach diesem Konzert emotional nachvollziehen."
Nordkurier, 03.07.07, FL
Neuküstrinchen, 30.6., Gedenkkonzert Jahrhundertflut
1997 im Oderbruch, Kammerakademie Potsdam, Moorcroft, Breuninger
"Das gut aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der Solisten
schien in beiden Werken gleichsam Porträts zweier unterschiedlicher
Charaktere gestalten zu wollen.
Auf der einen Seite ein leichter, kapriziöser, beschwingter
und schmachtender Geigenton (...), auf der anderen Seite eine distinguierte,
sonor und 'ernsthaft' klingende Bratsche (...). Beide waren einander
in spielerischer Leidenschaft zugetan.
Um seine Aufgabe als Orchesterleiter und um gestalterische Impulse
kümmerte sich Sebastian Breuninger erst so richtig bei Anton
Bruckners F-Dur-Streichquintett. (...) Vom Konzertmeisterpult aus
stachelte er die Potsdamer zu intensivem und impulsivem Musizieren
an. Gemeinsam entwickelte man das nötige Gespür für
sinfonischen Atem, gab sich graziös, innig und leidenschaftlich.
Die wellengleich an- und abschwellenden Klangwogen erzeugten dabei
durchaus passende Assoziationen zum Konzertanlass."
Märkische Oderzeitung, 02.07.07, Peter Buske

Neuküstrinchen, 30.6., Gedenkkonzert Jahrhundertflut
1997 im Oderbruch, Kammerakademie Potsdam, Moorcroft, Breuninger
"Für viele Berliner ist ein solches 'Brandenburgisches
Sommerkonzert' die erste Begegnung mit einer Region. Alles ist durchorganisiert,
man erfährt an einem Nachmittag eine Menge über die jeweilige
Gegend, hat am frühen Abend ein Konzertereignis an einem ungewöhnlichen
Ort und ist nicht all zu spät wieder zu Hause. Ein Konzept,
das aufgeht und für das man augenscheinlich auch bereit ist,
Kartenpreise bis zu 50 Euro zahlen. Kopf und Organisator der Reihe
ist Arno Reckers.
'Wenn es die Sommerkonzerte nicht gäbe, müsste man sie
erfinden', meint Hans-Jürgen Tantow aus Berlin-Lichterfelde.
Er ist rundum zufrieden mit dem Nachmittag, obwohl das Konzert noch
gar nicht angefangen hat. Für ihn wie auch für Winfried
und Wiltrud Weber aus Berlin-Dahlem ist es die erste Begegnung mit
dem Oderbruch. Ja, sie werden wohl noch einmal hierher kommen. Die
Gegend sei schön, im Ort habe man alles so gut vorbereitet
und der Kuchen schmecke phantastisch, lobt Winfried Weber. (...)
Die Kammerakademie Potsdam mit ihrem Leiter, dem Violinisten Sebastian
Breuninger und der Solobratschistin Annemarie Moorcroft spielte
so anmutig, dynamisch, beseelt und intensiv, dass es die reinste
Freude war. Besonders der langsame Satz der Mozartschen Sinfonia
concertante war, genau wie der seltene Umstand, den Oderbruchdom
einmal voller andächtiger Menschen zu sehen, wirklich zum Heulen
schön."
Märkische Oderz. Bad Freienwalde, 02.07.07, Heike Mildner

Perleberg, 23.6., Nachwuchselite zu Gast bei den Brandenburgischen
Sommerkonzerten
"Zauberhaft, hinreißend, außergewöhnlich!
Als 'Nachwuchselite' waren die jungen Musikerinnen im Rahmen der
Brandenburgischen Sommerkonzerte angekündigt. Und den Gästen
in der Perleberger Jacobikirche wurde wahrlich nicht zu viel versprochen.
Zum Beispiel Linda Fichtner. Erst 20-jährig spielte sie die
Violine wie eine Konzertdiva. (...) Wirklich zauberhaft Alena Butt
und und Wiebke Lichtwark an der Harfe."
Schweriner Volkszeitung, 25.06.07, Hanno Taufenbach

Perleberg, 23.6., Nachwuchselite zu Gast bei den
Brandenburgischen Sommerkonzerten
"'Wahnsinn', 'einmalig', 'überwältigend', 'großes
musikalisches Ereignis' - so lauteten die begeisterten Reaktionen
des Publikums, das am Sonnabend zum ausverkauften Brandenburgischen
Sommerkonzertin die Perleberger St.-Jacobi-Kirche gekommen war.
Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Prignitz Wilfried von Bieren
fasste seinen Eindruck in die Worte: 'Ich bin froh, dass die Sparkassen
in Brandenburg und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sich für
dieses Konzert engagiert haben, es hat mir sehr gut gefallen.'
(...) Zum unvergesslichen Konzerthöhepunkt wurde der Auftritt
von Laura-Marlene Gick mit ihrem Violoncello. Von ihr war eine 'Fantasie
über kleinrussische Themen', ein charmantes Bravourstück
von David Popper, zu hören. Die Klavierbegleitung übernahm
erneut Friederike Jurth, die für ihre dezente und gekonnte
Begleitung der Solistinnen am Bechstein-Flügel ein Extralob
verdient. Den Namen Laura-Marlene Gick werden sich Musikfreunde
merken müssen. Sie errang nicht nur erste Preise beim Wettbewerb
'Jugend musiziert'in der Kategorie Violoncello solo, sie ist seit
2002 Schülerin von Professor Matias de Oliveira Pinto am Julius-Stern-Institut
der Berliner Universität der Künste. Zahlreiche Konzerte
führten sie durch ganz Deutschland, nach Frankreich, Polen,
Österreich und Spanien. Laura-Marlene Gick hat gerade ihr Abitur
absolviert und Aufnahmeprüfungen an mehreren Musikhochschulen
bestanden. 'Mal sehen, welcher Professor mich nimmt', meinte sie
nach ihren Zukunftsplänen befragt. Sie zeigte sich vom Publikum
und der Konzertatmosphäre in der Kirche angetan: 'Es hat mir
sehr gut in Perleberg gefallen!' Dem schloss sich auch Linda Fichtner
an: 'Es macht Spaß zu spielen, wenn man merkt, dass die Leute
so aus sich herausgehen, hinzu kommt die tolle Kirchenakustik. Ich
bin vom Perleberger Publikum begeistert!'"
Märkische Allgemeine, 25.06.07, Wolfram Hennies
Brandenburg (Havel), 17.6., Der versiegelte Engel,
Rundfunkchor Berlin, Soli, Stefan Parkman, Gergely Bodoky, Lars
Scheibner
(...) Der langsam nach vorn schreitende Flötist
(Gergely Bodoky) lässt sich am vorderen Rand des Spielpodests
nieder, bläst mit geschmeidigem und großem Ton sehnsuchtsvolle
Klänge gleich einem Debussyschen Faun. Wie aus weiter Ferne
ertönen gesummte Vokalisen. Weihrauchklänge, wie man sie
aus der russisch-orthodoxen Kirche kennt, durchziehen das Kirchenschiff.
Sie werden unter Leitung von Stefan Parkman in altbewährter
Vorzüglichkeit vom Rundfunkchor Berlin angestimmt, der langsam
die Szene füllt. Später stellt er sich in wechselnden
Gruppierungen auf. Der Klang wird tatsächlich schrittweise
offener, heller und kraftvoller, bleibt warm getönt und von
funkelnder, reich schattierter Farbigkeit.
Fast unmerklich versteht man Text, ist von außergewöhnlich
orgelnden Bässen hörbar überrascht und taucht in
eine seelenberührende Klangwelt ein. (...)
Dann weitet sich die Musik durchs Visuelle, indem vorm hinteren
Glasfenster der (nur slipbekleidete) Engel in Gestalt des Ausdruckstänzers
(und Choreographen) Lars Scheibner herabschwebt. Einem athletischen
Akrobaten gleich zuckt und windet er sich auf dem Boden, richtet
sich immer wieder auf und fällt, führt in pantomimischen
Bewegungen die gepeinigte Kreatur mit beklemmender Intensität
vor. Die (Chor-)Menge führt das (Engel-)Individuum gleichsam
vor, saugt es auf, sucht ihn sich abhängig zu machen. Es misslingt.
Der Engel entschwebt wieder, während die Klänge an den
Anfang zurückkehren. Anhaltender Beifall.
Potsdamer Neueste Nachrichten, 22.06.07, Peter Buske
Brandenburg (Havel), 17.6., Der versiegelte Engel,
Rundfunkchor Berlin, Soli, Stefan Parkman, Gergely Bodoky, Lars
Scheibner
"Ein langer, warmer Flötenton schwebt in
die tiefe Stille des Kirchenschiffes hinein. Einsam steht der Flötist
Gergely Bodoky auf der schwarzen Bühne, die im Altarraum der
Kirche des St. Pauli Klosters in Brandenburg an der Havel raumfüllend
installiert ist. (...) Es ist Sonntagabend, (...) und das szenische
Drama 'Der versiegelte Engel' von Rodrion Shchedrin erlebt hier
unter der Leitung von Stefan Parkman eine Erstaufführung: die
Inszenierung wurde eigens für das Paulikloster geschaffen und
war nur dieses eine Mal so zu sehen. (...)
Da ist ein ständiges Wogen der Chormitglieder, die sich immer
wieder neu formieren. Mal präsentieren sie sich in geballter
Masse, mal stellen sie sich in mehreren Blöcken auf, mal stehen
sie sich in zwei Gruppen frontal gegenüber. Anders der Tänzer
Lars Scheibner. Er will seine unsichtbaren Fesseln abwerfen, probt
den aufrechten Gang, aber eine unsichtbare Kraft wirft ihn immer
wieder zu Boden. Doch Wunder gibt es immer wieder und was eben noch
unmöglich schien, gelingt plötzlich mühelos. Schließlich
wird er an einem Seil hochgezogen, bis er vom schwarzen Schatten
unterm Kirchendach verschluckt wird. Ein starkes Bild. Eine starke
Inszenierung.
Märkische Allgemeine Zeitung, 19.06.07, Ann Brünink

Eisenhüttenstadt, 16.6., Gala zur Wiedereröffnung der
Freilichtbühne, Deutsches Filmorchester Babelsberg, Ofer, Imig
"Das Wetter war genau richtig für dieses Gala-Konzert
des Deutschen Filmorchesters Brandenburg unter der Leitung von Helmut
Imig. Die Regenhuschen waren pünktlich verschwunden. Die Sonne
bahnte sich ihren Weg. Die besten Voraussetzungen für die rund
2500 Besucher. Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (...) lobte
das Engagement von Unternehmen und Stadt, um den Ort weiter attraktiv
zu machen. "Die 300 000 Euro sind vernünftig eingesetztes
Geld, das viel bewirkt hat", sagte er. Ganz stolz auf dieses
Kleinod ist auch der Arbeitsdirektor von Arcelor Mittal, Rainer
Barcikowski. Das Stahlunternehmen hat großen Anteil an der
Sanierung. "In der Stadt ist Rhythmus", betonte er. (...)
Am Sonnabend kam der Solist für die Aufführung dieses
Konzertes aus Israel. Erez Ofer wurde für sein brillantes Spiel
mit viel Beifall belohnt. Überhaupt war das Publikum sehr begeistert.
Am Ende konnten die Musiker erst nach einer Zugabe von der Bühne.
Waltraud Klimke sprach danach aus, was alle dachten: 'Es war wundervoll.'
"
Märkische Oderzeitung, 18.06.07, Barbara Arandt

Wittstock, 9.6., Eröffnungskonzert, Gidon Kremer,
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Eri Klas
"So spielt Kremer in der gotischen Backsteinhallenkirche
das Sibelius-Konzert, indem er jeder musikalischen Figur Charakter
gibt, echtes Solistengold. Es sind die großen Interpreten,
die dem Hörer solche Musik nahebringen, weil bei ihrer Virtuosität
das scheinbar Leichte am spannendsten ist.
Im DSO dominieren neue junge Gesichter. Umso erstaunlicher, wie
der estnische Dirigent Eri Klas in Fratres von Arvo
Pärt das Streichorchester zu einer harmonisch schwingenden
Einheit bindet. Klas ist ein Musiker vom Typ getreuer Kapellmeister,
kein Präzisionsfanatiker, für die Apotheose des
Tanzes ein kompakter vehementer Dirigent. Aber er schafft
in der Beethovensymphonie einen feinen Übergang vom langsamen
Eingang ins Vivace und hält sich überhaupt an die dynamischen
Vorschriften des Leisen. So bekommt das Allegretto bei ihm ein graziles
Element ohne Trauerklage. Und er versteht Pianissimo als Ausdruck,
wenn er das Fugato in sanften Händen hält."
Der Tagesspiegel, 11.06.07, Sibyll Mahlke
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