Die Presse über unsere Konzerte 2007



Brandenburg (Havel), 8.9., Wandelkonzert und Orgelnacht >Toccata und Instrumente<, Claudia Ehses, Andreas Klein, Joachim Pliquett, Franz Danksagmüller, Gunter Kennel, Arvid Gast, Matthias Passauer

"Der junge Organist Franz Danksagmüller beschloss den ersten Teil mit der obligatorischen Toccata und Fuge d-Moll von Johannn Sebastian Bach mit frechen Phrasierungen und Tempi. Tausendfach gespielt und gehört. In einer derart ganz und gar nicht klassichen Interpretation, die an die Grenzen der akustischen Übertragbarkeit in der Domkirche ging, allerdings selten. //
Nach Bachs raumgreifender F-Moll-Toccata war dann in St. Gotthardt gepflegte Unterhaltung mit Händels Concerto F-Moll für Posaune und Orgel angezeigt. Andreas Klein (Posaune) und Gunter Kennel (Orgel) brillierten zum Abschluss mit Guilmants 'Morceau symphonique', das sich nach dunklem Beginn federleicht und virtuos in die lichten Höhen einer romantischen Schmonzette erhob. [...]
Arvid Gast entfaltete bei Charles-Marie Widors triumphierender Toccata F-Dur aus der fünften Orgelsymphonie die ganze Pracht des Instruments. Mit André Chailleux' gemäßigt modernem 'Morceau de Concours' für Orgel und Trompete zeigte Joachim Pliquett, warum Gast seit Jahren mit dem Solotrompeter so erfolgreich konzertiert."
Märkische Allgemeine Zeitung, 10.09.07, Matthias Gottwald



Boitzenburg, 31.8., >Grundton D< - Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

"[...] In dessen [Vivaldis] g-Moll-Concerto offenbaren die Streicher sogleich ihr Erfolgsrezept: Lebendigkeit, gepaart mit natürlichem Redetonfall, gegossen in einen straff artikulierten Ensembleklang, der die unwahrscheinlichsten dynamischen Differenzierungen zulässt. So entsteht u. a. ein Andante voller Zärtlichkeit und Süße. In zwei Flötenkonzerten des venezianischen Meisters brilliert Ensembleleiter Giovanni Antonini auf der Blockflöte, dem Soloinstrument des Frühbarocks.
In den Ecksätzen des c-Moll-Concerto ist lustvoll-virtuoses Blasen mit akzentuierter Affektverstärkung zu erleben, während sich im Largo die Sehnsucht breit aussingt. Und auch im C-Dur-Konzert (für Flautino) spielt man nicht nur Noten vom Blatt, sondern geht in ihnen völlig auf. Hier entfacht der Solist ein virtuoses Vogelgezwitscher gleich einem Feuerwerk der Fingerfertigkeit. Leicht und beweglich sein Ton auch in Georg Philipp Telemanns C-Dur-Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo, der sich voller Reinheit emporschwingt.
Herrlich unverkrampft auch die klangfaszinierende Wiedergabe einer c-Moll-Sonata von Johann Gottlieb Goldberg. (...) Begeisternd zu erleben, wie traumwandlerisch sicher die Musiker den empfindsamen Goldberg-Stil zu entdecken verstehen. Als Meister der virtuosen Detailversessenheit entpuppen sie sich ebenso bei Mozarts F-Dur-Divertimento KV 138, das sie als lockeres, farbenreiches und differenziertes Klanggebilde offerieren. Und der Dank? Im Gotteshaus des Geschlechts derer von Arnim braust der Jubel, erklingen zwei Zugaben und wird vom Veranstalter ein 6000-Euro-Scheck an den Förderverein von St. Marien auf dem Berge überreicht, mit dem das Streichen der Innenwände (Kosten insgesamt um die 40.000 Euro) in Angriff genommen werden kann. (...)"
Nordkurier, 04.09.07, Peter Buske

Boitzenburg, 31.8., >Grundton D< - Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

"Il Giardino Armonico musiziert auf historischen Instrumenten mit einer in der in Alte-Musik-Szene ganz nonkonformistischen Eleganz. Man hörte in allen sechs Stücken ein zartes Vibrato, erlebte eine kontinuierliche lebendige Dynamik, die einzelnen Phrasen wurden weich und schmiegsam serviert. In den langsamen Vivaldi-Sätzen musizierten die solistischen Violinen spinnwebfein, der begleitende Basso continuo wusste noch darunter einen weichen Teppich zu breiten. Mozarts bekanntes F-Dur-Divertimento erschien wie neugeboren. Im ersten Satz gewann es atmende Beredtheit, in den Reibungen und Vorhalten des langsamen Mittelsatz eine so schmerzend zärtliche Inbrunst und im Schlusssatz eine schalkhafte Heiterkeit, dass man sich gewiss wurde, der junge Mozart kann dieses Stück nur so gemeint haben. Der Solist dreier kleiner Blockflötenkonzerte war der phänomenale Giovanni Antonini. Mit welcher intelligent musikantischer Manier und Virtuosität er dieses scheinbar naive Instrument handhabte, war in jedem einzelnen der kleinen Sätzchen frappierend.
Zwei Zugaben gab es am Ende für das Publikum und 6000€ für die Restaurierung des Anstrichs der Kirchenwände."
Märkische Oderzeitung, 04.09.07, Irene Constantin


Jüterbog, 25.8., Abschlusskonzert, Jens Peter Maintz, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"So wandelte sich die Wiese vor der 700 Jahre alten Kirche am Nachmittag zu einer Art Freiluftcafé. Wer sich zuvor in der Stadt umgesehen hatte, konnte hier entspannen und sich auf das Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin freuen. Dem hätten manche gern länger gelauscht und deshalb holten am Ende die Bravorufe des Publikums den Dirigenten Marek Janowski mehrfach zu seinem Orchester aufs Podium. Vor der Pause wurde der Cellist Jens Peter Maintz ebenso ungern von der Bühne gelassen – virtuos hatte er das Schumannsche Werk interpretiert, zur großen Freude seiner Zuhörer. Ein Höhepunkt und wunderbarer Abschluss der diesjährigen Brandenburgischen Sommerkonzerte, wie man sich während eines anschließenden Empfanges im Rathaus gegenseitig versicherte. Bürgermeister Bernd Rüdiger, dessen Platz in der Kirchenbank wegen des kurzfristig anberaumten Außenministerbesuches zur selben Zeit leer geblieben war, hatte gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern der Brandenburgischen Sommerkonzerte dazu eingeladen. 'Ich bin sehr froh darüber, dass Jüterbog und Kloster Zinna nach wie vor Spielorte sind. Solche Konzerte könnte sich die Stadt nicht leisten', sagte der Bürgermeister in der Runde mehrerer Stadtverordneter, die dem nur zustimmen konnten. Und er verwies auf einen Fakt, der weniger oft Erwähnung findet: Die Einnahmen gibt der Verein Brandenburgische Sommerkonzerte nicht nur für Musik, sondern auch für den Denkmalschutz aus. Solches Geld wurde beispielsweise zur Freilegung von Fresken im Jüterboger Rathaus verwendet."
Märkische Allgemeine Zeitung, 27.08.07, Martina Burghardt

Lübben, 18.8., Jubiläumskonzert zum 400. Geburtstag von Paul Gerhardt, Ensemble Movimento

"Eingestreute Instrumentalstücke von Hans Leo Hassler, William Byrd oder Heinrich Isaac brachten gelegentlich ein erfrischend weltliches Lüftchen in die zweieinhalb erbaulich frommen musikalischen Stunden.
Allerdings war die Lübbener musica sacra von auserlesener Qualität. Die Sopranistin des Ensembles, Nele Gramß, verfügt über eine so wunderbar leichte und klare, dabei auch warm getönte Stimme, dass sie all die Herzensergießungen glaubhaft vortragen konnte. Qualitätiv kaum nachstehend der Altus Franz Vitzthum und der Bass Markus Flaig, aber Nele Gramß übertrug eine große, bei einem Kirchenmusikprogramm kaum erwartete strahlende Heiterkeit auf das Publikum.
Das Meisterstück des Abends war die Vertonung des Textes 'Geduld ist euch vonnöten' aus den 'Symphoniae Sacrae II' von Heinrich Schütz. Wie Gerhardt durchlitt auch sein Zeitgenosse Schütz den Dreißigjährigen Krieg mit all seinem Leid von Anfang bis Ende. Geduld, das 'herbe, bittre Kraut', war auch ihm überlebensnotwendig. Vielleicht geriet die fünfstimmige Komposition für drei Gesangssolisten, zwei Soloviolinen und basso continuo gerade deshalb so ungeheuer eindringlich, mit scharfen harmonischen Reibungen und deren sehnlichst erwarteten Auflösungen.
Von ganz anderem Charakter das muntere Lied des Berliner Kantors Johann Georg Ebeling 'Die güldene Sonne'. Ebeling erkannte sehr früh, wie gut sich Gerhardts Texte vertonen lassen. Ganz ähnlich volkstümlich und innig die einzige nicht-barocke Komposition des Abends, das 1920 entstandene Sommerlied 'Geh aus, mein Herz, und suche Freud' von Walter Hensel.
Kein Alte-Musik-Konzertprogramm ohne Ausgrabung und Forschung. 'Movimento' demonstrierte die volkstümliche Grundierung vieler Melodien, auf die später Texte von Paul Gerhardt gesungen wurden. Ein Cembalostück von William Byrd passte in diesen Zusammenhang und das innige Schlusslied 'Nun ruhen alle Wälder' von Bartholomäus Gesius, dem, gleichlautend, 'Innsbruck ich muss dich lassen' als berührend gespieltes Instrumentalstück noch nachfolgte. Ohne Zugabe ging es nach diesem gänsehauterzeugenden letzten Konzertteil nicht ab."
Lausitzer Rundschau, 20.08.07, Irene Constantin


Cottbus, 11.8., Konzert zum Abschluss der Brandenburgischen Orgelreise, Stefan Kießling, Marek Pilch (Orgel)

"Blieb die letzte Orgel und das 'richtige' Konzert in der Cottbuser Klosterkirche. Hausorganist Stefan Kießling und sein polnischer Kollege Marek Pilch spielten auf der 1908 errichteten Sauerorgel. Stefan Kießling ließ erklingen, was zuvor theoretisch aufkam: sorbische Orgelmusik der Komponisten Ulrich Pogoda, Detlef Kobjela, Jan Paul Nagel, Lothar Graap und Jan Bilk – ein kleiner Kreis, nicht alle Werke sind Meisterstücke. Pogodas schöne 'Psalmenfantasie' ist ein melodisch kreisendes Weben und Schweben, ähnlich sanftmütig Kobjelas 'Elegie'. Als spröde, etwas schräg, aber durchaus spannend erwies sich Jan Bilks haarig schwere 'Toccata et fuga diabolis'.
Marek Pilch gestaltete sein Programm als Entdeckungs-Parcours durch polnische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts, voller unbekannter ohrenfreundlicher Schönheit. Beide Organisten spielten so virtuos, ausgeglichen, rhythmisch und musikalisch intelligent, dass man sie sich öfter nicht nur im Kirchendienst, sondern als konzertierende Musiker wünscht. Die Organisatoren der Brandenburgischen Sommerkonzerte hatten nahezu ein Dutzend sorbische Institutionen auf dieses spezielle Konzert aufmerksam gemacht. Nicht eine einzige Rückmeldung kam, wodurch das Engagement von Konzertveranstaltern für sorbische Musik wohl kaum gefördert wurde. Im Publikum allerdings war, höchst privat, die sorbische Sprache zu bemerken."
Lausitzer Rundschau, 13.08.07, Irene Constantin

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Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen (Klavier)

"Der finnische Pianist Olli Mustonen ist ein wirklicher Exzentriker. Seine Klavierkonzerte sind immer ein Gesamtkunstwerk. Faszinierend ist da nicht nur das akustische Ergebnis, sondern auch seine optische Erscheinung. Wie er sich am Klavier bewegt, ähnelt mitunter einer Choreographie. Er fiebert mit der Musik mit, den Blick starr auf die Noten geheftet, manchmal ein Lächeln auf dem Gesicht, mitunter auch ein Grinsen, oft ein Kopfschütteln bei besonders ausdrucksstarken Stellen. Seine Arme sind immer in Bewegung, auch wenn eine Hand einmal nichts zu spielen hat. Fast wie wenn es zur Musik dazu gehört, wischt er sich oft mit dem rechten Ärmel seines Hemdes den Schweiß von der Stirn. Alles das gehört irgendwie zur Musik dazu. Es ist der Eindruck eines Besessenen.
Kaum weniger exzentrisch sind die akustischen Ergebnisse. Olli Mustonen zelebriert eine Deutlichkeit, eine Dichte, die den Hörer fast filmisch nahe an das musikalische Geschehen heranzoomt. Sein Anschlag ist meistens von metallischer Härte; die knappen, geradezu gemeißelten Töne sind dabei erstaunlicherweise immer noch klangvoll; andere Pianisten, die so spielen, würden die Töne nur ersticken. Mustonen gestaltet absolut unberechenbar. Gerade eben hat er noch den Flügel zerdonnert, da präsentiert er im nächsten Augenblick eine butterweiche Zartheit an der Grenze des überhaupt noch Hörbaren und wartet den Nachklang ab, bis alles verschwunden ist. [...]
Am Schluss stand dann noch ein echter Sergej Prokofjew. Olli Mustonen ist hierfür der ideale Interpret; da haben sich zwei Geistesverwandte gefunden. Es klang so, als habe Prokofjew seine sechste Sonate für Mustonen komponiert. Immerhin wird sie selten gespielt; sie ist aberwitzig schwer und steht Prokofjews frühen Klavierstücken in nichts nach. Mustonen packt Prokofjews Musik bei den Hörnern und nimmt die Mischung aus Brachial-Klavierspiel und Lyrischem wirklich ernst. Selten war es zu erleben, dass sich ein Interpret so mit der Musik identifiziert, mit ihr mitlebt: eine diebische Freude an der permanenten halbstündigen Hochspannung, der Vorliebe für Sarkastisches und Zynisches, Tonketten, die dem Hörer um die Ohren fliegen, und eine Volltönigkeit wie bei einem ganzen Orchester. Mustonens ganzer Körper bestand nur noch aus dieser Musik; immer wieder tropfte ihm der Schweiß von Stirn, Nase und Kinn. Man darf sicher sein: Sergej Prokofjew hätte an dieser Interpretation seine helle Freude, und ganz bestimmt nicht nur er."
RBB Kulturradio "am Morgen", 06.08.07, Andreas Göbel

Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen (Klavier)

"Er will der Musik jedes Mal neu begegnen, sich für unentdeckte Nuancen öffnen und damit auch das Publikum herausfordern. Das beflügelt ihn zu enormer Asudrucksintensität, die sich nicht nur auf die akustische Wirkung beschränkt. Es ist beeindruckend, wie er sich am Klavier bewegt, mit der Musik fiebert, wobei die Arme, auch die Finger in Bewegung sind, wenn eine Hand nichts zu spielen hat. Dadurch, gepaart mit seiner brillanten Technik, dem Wechsel zwischen donnerndem und zartem Anschlag gewinnen seine Interpretationen eine Dichte. So verhalf der Pianist bei den kleinen Stücken von Robert Schumann neue Zusammenhänge zu entdecken. Absoluter Höhepunkt des Konzertes war die 6. [Sonate] von Prokofjew mit ihrer Mischung von hämmernden, krassen Dissonanzen, groben Lärmeffekten und lyrischen Motiven. Doch bei allem Wirbel hielt Mustonen (...) bis zum Verklingen des letzten Tones die Hände schützend über die Tasten. Das Publikum dankte ihm mit stürmischem Beifall."
Oranienburger Generalanzeiger, 07.08.2007, Ruth Eberhardt

Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen (Klavier)

"Zu den festen Bestandteilen jedes Klavierunterrichts gehören Schumanns 'Album für die Jugend' und Bachs 'Dreistimmige Inventionen' BWV 787-801 aus dem 'Clavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach'. Dabei lässt uns Olli Mustonen die fünfzehn Übungsstücke als ein rubatoreiches Kompendium der Leidenschaften erleben. Keinen Moment steigt er aus der Musik aus. Spannungsaufgeheizt geht es zu, abrupt wechseln die Stimmungen. Zur bewundernswerten Ausdrucksnuancierung gehört, dass Olli Mustonens Finger sich gleichsam wie Landeklappen eines Flugzeugs aus der Waagerechten in die Senkrechte verstellen. Plötzlich wird der Klang hämmernder, fordernder und direkter. Nicht minder faszinierend, wie sich in Pausen die hochgeschnellten Arme langsam, ausdrucksvoll und pirouettengleich auf die Tastatur hernieder senken. Eine elegante Luftgymnastik – sozusagen Ballett auf Tasten! Schlussakkorde lässt der Klangmagier lange nachschwingen, was für nahtlose Übergänge sorgt. Bach, der erste Romantiker der Musikgeschichte?!
Gleichfalls hellwachen Sinns durchforscht er der Romantik geheimnisvolle Gefilde. Auszügen aus Schumanns 'Album für die Jugend' op. 68 treibt er alle pädagogischen Ambitionen aus, gestaltet sie stattdessen akzentuiert und mit klarem Anschlag zu Charakterminiaturen. Und auch für das Spätwerk 'Gesänge der Frühe' op. 133 setzt Mustonen auf leidenschaftszerrissene Klanggesten, brillantes Laufwerk, nachsinnende Betrachtungen. Zwischen kantablem Kantele-Klang (zitherähnliches Zupfinstrument Instrument), geradezu rabiater Motorik und alptraumhafter Groteske pendelt des Pianisten Klaviersonate 'Jehkin Iivana'. Ob deren perkussive Exzesse ihr Vorbild in Sergej Prokofjews A-Dur-Sonate op. 82 hatten?! Kraftdonnernd, mit schneidender Schärfe im Diskant und hingewuchteten Bässen, dann wieder nachsinnend bis elegant bringt er Prokofjews angestaute Erregungen und Visionen zur Entladung. Konturenklar, quasi ohne Nebel, reicht er auch ein Prélude aus Meisterhand als anhaltend erklatschte Zugabe dar."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 07.08.07, Peter Buske

Marwitz, 29.7., Liederabend "Auf dem Wasser zu singen",
Peter Schöne (Bariton), Günther Albers (Klavier)

"Wo es um balladeske Schilderungen ging, war es (...) eine Lust, ihm [Peter Schöne] zu lauschen. Man meinte dabei zu sein, wenn kecke Buben den Nöcken necken in Karl Loewes Lied 'Der Nöck'. Dann konnte Schöne seinen klangreichen und wandlungsfähigen Bariton einsetzen, flüstern und säuseln wie die Wassernixen und Elfen, donnern und dröhnen wie ein Wasserfall.
Das Hauptstück des romantischen Konzertteils war Schuberts Vertonung der großen Schiller-Ballade 'Der Taucher'. Hier erlebte man Peter Schöne, den Opernsänger. In lässig arroganter Manier wirft der König den Becher in den Strudel, mutig meldet sich der Edelknabe, ihn herauf zu holen, zart, aber bestimmt meldet sich die Königstochter zu Wort. Alle Personen imaginiert von einem einzigen Sänger.
Was ist ein Liederabend ohne den Pianisten – Günther Albers erwies sich als ein Künstler mit ausgefeiltem Klangsinn. Immer anders, immer neu rieselten die vielen gebrochenen Dreiklänge der verschiedenen Wassermusiken. Unbeweglich die Akkorde im Goethe-Lied 'Meeres Stille', dramatisch, 'wie wenn Wasser und Feuer sich mengt' die Gischt im 'Taucher'. Ihr Meisterstück lieferten beide Künstler mit Wolfgang Fortners 'Terzinen' nach Hugo von Hofmannsthal. Die spröde 12-Ton-Musik gewann besonders in Albers' Klavierspiel eine Beweglichkeit des Klangs und eine Deutlichkeit des emotionalen Ausdrucks, die bei diesem sperrigen Werk staunen machte. Es gab für solche Klänge sogar ein Buh in der Kirche, aber auch begeisterten Beifall. Am Schluss des Gesamtprogramms herrschte dann einhellige Zustimmung."
Märkische Allgemeine Zeitung, 31.07.07, Irene Constantin



Rheinsberg, 28.7., Fantasie in Symmetrie, Blockflötenquartett "New Generation"

"Sie [die vier jungen Damen] begeisterten (...) mit ihrem außergewöhnlichen, kontrastreichen Programm das Publikum. [...] Interessant an diesem Konzert waren zugleich die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Blockflöten, von der historischen Piccoloflöte bis zu modernen Bass-Blockflöten, die wie futuristische Instrumente mit ihrem rauchigen und zugleich perkussiven Klang wirken.
Da begeisterte die Komposition 'Non ti à piaciato?' des in Venedig geborenen Giovanni Mancuso, ein Auftragswerk für das Quartett. Inspiriert von den überdimensionalen Paetzold-Bassflöten, stellt dieses Stück ein Puppenspiel mit riesigen Marionetten auf einer kleinen Bühne dar. [...]
Mit einer schwungvollen witzigen Komposition von Peter Rose (...) verabschiedete sich das QNG-Quartett unter stürmischem Beifall des Publikums, das dieses Erlebnis den Brandenburgischen Sommerkonzerten verdankt."
Ruppiner Anzeiger, 31.07.07, Ruth Eberhardt

Potsdam, 22.7., Weltberühmte Chöre zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Windsbacher Knabenchor, Solisten, Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Karl-Friedrich Beringer

"Mit dem Einsatz des Chores mussten dann alle Zweifel verfliegen, dass dieses ausverkaufte Brandenburgische Sommerkonzert ein besonderes würde: Wann hat man in einer Live-Aufführung zuletzt die chorischen Anfänge von Kantaten wie „Singet dem Herrn ein neues Lied“ oder „O ewiges Feuer“ mit vergleichbarer Präzision, klanglicher Tiefenschärfe und Ausdifferenzierung der Stimmgruppen gehört? Aus dem Solistenquartett ragte vor allem Rebecca Martins Mezzosopran hervor, doch auch mit Cornelia Horak (Sopran), Andreas Weller (Tenor) und Konrad Jarnot (Bass) standen klug ausgesuchte und stilsichere Stimmen zur Verfügung."
Der Tagesspiegel, 24.07.07, Matthias Nöther

Potsdam, 22.7., Weltberühmte Chöre zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Windsbacher Knabenchor, Solisten, Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Karl-Friedrich Beringer

"Man spürte, dass Bachs Musik für Karl-Friedrich Beringer eine Herzensangelegenheit ist. Vom ersten Takt an präsentierte er sie mit zupackendem Verve. Die kleinen und großen Sänger des Knabenchores haben mit wunderbar stimmlicher Homogenität, keinerlei Klangschärfen ihre Parts - die zumeist komplizierten Eingangschöre sowie die schlichten Choräle – gesungen. Die barocken Texte, dessen Sprache jungen Leuten sonst oftmals unverständlich ist, wusste der Knabenchor durch seine wohl ständige Auseinandersetzung überzeugend zu gestalten. Doch hier im Kirchenraum waren sie kaum zu verstehen. Auch die Gesangssolisten mussten mit diesem Handicap leider leben. Sie sangen die Rezitative, Arien und Duette jedoch mit klaren, warmen und ebenmäßigen Stimmen. Wenn Andreas Weller aber Dramatisches vortrug, forcierte er leider seine Stimme, die sich dafür sogleich mit unschönen Tönen 'bedankte'. Mit einem bewegenden Höhepunkt wartete Rebecca Martin auf. Die Arie „Wohl euch, ihr auserwählten Seelen“ aus BWV 34 sang sie mit besonders großer Innerlichkeit, ohne jegliche Theatralik. Die Deutschen Kammer-Virtuosen Berlin, hervorragend die Holzbläserbesetzung, verliehen der Bachschen Musik insgesamt ein gelungenes Klangbild.
Der Zuhörerjubel am Schluss war sehr groß, so dass Beringer sich zu einer Zugabe entschloss. Mit dem Choral 'Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren' erhielt das Konzert dann eine treffliche geistliche Zusammenfassung."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 24.07.07, Klaus Büstrin

Stechau, 21.7., Große Opern- und Operettengala open air, Kammerorchester des Tschechischen Nationaltheaters Prag, Marie Fajtová, Milan Vlcek, Frantisek Drs

"Gibt es etwas Schöneres, als in abendlich launiger Stimmung auf einer großen, von Bäumen und Wasser umgebenen Wiese Musik zu hören? Mit Blick auf ein zauberhaftes Barock-Gebäude sowie auf den sich ständig verändernden Himmel, mit vorbei ziehenden Wolken sowie Vögeln, die aufgeschreckt ihre 'Stimmen'einbringen. Und das Ganze inmitten einer großen Schar von Lauschenden. Wo sich jeder ein Fest erwartet, und es auf seine Weise auch findet. Denn offenbar haben viele daran Freude, sonst wären am Sonnabend nicht an die 2000 Besucher in den - je nach Anreise - entlegenen kleinen Ort Stechau gekommen, um beim Open-air-Konzert im Schlosspark in der Reihe der Brandenburgischen Sommerkonzerte eine Opern- und Operettengala zu erleben.
[...]
An der Kompetenz der Musiker sowie des Dirigenten (...) ist nicht zu zweifeln, und wenn Wienerisches, musiziert mit großem moldauischen Atem, etwas verändert wirkt (was auch den Wienern selbst gelingt), so ist es eben anders. Frantisek Drs erscheint als Feingeist unter den Dirigenten - speziell bei 'Rusalka' von Antonín Dvorák klingen geheimnisvolle Sphären auf, die neugierig machen. Und im heimischen Repertoire wie im 'Lied an den Mond' liegen deutlich auch die Stärken der Sopranistin, die wunderbar klar akzentuiert und beeindruckende Höhen hat. Was sich von Milan Vlcek weniger sagen lässt; sein Stimmschmelz ist im Freien schnell in den Wind gesungen.
[...]
Gekrönt ist das Konzert von dem fast musikalisch entworfenen, fein abgestimmten Feuerwerk im Park, und es erfüllt sich damit auch der anfänglich geäußerte Wunsch des Schlossherrn, dass dieses 'von uns gestaltet wird und nicht von Petrus'. Zugleich eine stimmige Fortsetzung des Konzertes mit dem 'Kaiserwalzer' von Johann Strauß (Sohn) zum Abschluss, wo heute keiner mehr glauben mag, dass dieser bei der Aufführung in Berlin wirklich durchgefallen ist. Im Schlosspark Stechau haben das die angereisten Hauptstädter mit viel Beifall wieder ausgleichen können."
Lausitzer Rundschau, 23.07.07, Gabriele Gorgas

Senftenberg, 15.7., Percussion for 4 - Quartett III,
TWOtone & TWO

"(...) Das nächste Stück, 'CaDance' für zwei Percussionisten von Andy Pape war ein unglaublicher Triumph des Rhythmus und der Metren über alles, was Musik sonst noch ausmachen könnte. Ununterbrochen variierte Taktzahlen und Betonungen in den Trommel- und Beckenschlägen (...) überlagerten sich zu einem rasanten, in ständiger Veränderung befindlichen musikalischen Fluss. Zählen verwandelte sich in Körpersprache und Zahlen wurden akustische Poesie.
Wie sehr Musizieren ein zwar geistig gesteuerter aber doch vornehmlich körperlicher Vorgang ist, wurde im letzten Stück vor der Pause evident. 'Lift Off' von Russell Peck für Percussiontrio simulierte mittels dreier im Raum verteilter Schlagzeugbatterien einen Hubschrauberstart. In unerhörter Geschwindigkeit wirbelten die Schlägel über große und kleinere Trommeln - man wusste nicht, ob man vor purer Freude über diesen Zusammenschluss von Kunst und purem Effekt wie ein Kind lachen sollte oder bewundernd den Atem anhalten.
Mit einem Trommlerquartett, wie man es bei einer Marching Band wohl nie zu hören bekommt, begann der zweite Teil. Danach ließen vier Marimbas alle Klang-Eigenschaften hören, die Hersteller und Musiklexikons dieser Instrumentengruppe bei Gebrauch unterschiedlicher Schlegel und Anschlagtechniken zugestehen: dunkel, weich, sanft, samtig, erdig, voll, sonor, dumpf, hohl, resonant, rund, klangvoll, hölzern. (...)
Allem bisher musizierten noch einen krönenden Abschluss anzufügen – man hielt es für eine unlösbare Aufgabe (...). Aber natürlich kam mit Minoru Mikis zweisätzigem 'Marimba-Spiritual' doch noch das große Abschlusswerk. Einer sehr intimen und ergreifenden Trauermusik für Marimba-Solo folgt ein ebenso emotional aufgeladener, jedoch rasant trotziger Schlusssatz, in dem drei Schlagzeuger in der Manier der japanischen Kodo-Trommler den Solisten begleiten. Hier entfernten sich die Musiker am weitesten vom virtuos artistischen Show-Element, das ein solches Konzert zweifellos auch beinhaltet. Es wurde ein Grad von Verinnerlichung erreicht, den man nur von außerordentlichen Kammermusikern erwartet. Solche Percussionisten wie die vom Sonnabend in Senftenberg gehören dazu."
Lausitzer Rundschau, 17.07.07, Irene Constantin



Senftenberg, 15.7., Percussion for 4 - Quartett III,
TWOtone & TWO

"Die vier Perkussionisten von TWOtone & TWO ließen im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte jetzt einen Helikopter der besonderen Art aufsteigen. Russell Pecks' 'Lift off' imitiert den Anflug eines solchen Technikwunders durch drei im Raum verteilte Schlagzeugsets. Und wirklich glaubt man, dass Rotorblätter sich in das Zellengewölbe der mittelalterlichen Senftenberger Peter-und-Paul-Kirche erhöben, meint Wendemnaöver des Fluggeräts mitzuerleben. 'CaDance' des Kaliforniers Andy Pape könnte man mit 'Es rockt' übersetzen, und tatsächlich sind in dieser Musik ein Fluss, ein Groove, eine Seele, die staunen machen. Spartanisch zu Beginn, mit hölzernen Schlägen auf den Trommelrand, weitet sich das Klangfeld bald, schwingt sich ein und scheint endlich zu singen. Ali N. Askin (...) hat in 'Snap/Shot' quasi die Parodie zur Kammermusik für Schlagzeug geschrieben: Durch Walzerrhythmus und Trommelwirbel gelangt das Stück zum zeremoniellen Klang des Glockenspiels - einer der fesselnden Momente des nachmittäglichen Auftritts."
Der Tagesspiegel, 17.07.07, Matthias Nikolaidis

Potsdam, 8.7., Musik am preußischen Hof I - auf historischen Instrumenten, Musica Alta Ripa

" [...] Sehr angenehm der warm getönte und weich artikulierte Klang der Violinen (Susanne Busch, Anne Röhrig), den auch die anderen Saitenspieler (Volker Hagedorn/Viola, Albert Brüggen/Violoncello) mit Eifer zu erzeugen wussten, indem sie ihre Instrumente tiefer als gewöhnlich stimmten. Dezent kolorierte Danya Segal auf verschiedenen Blockflöten das wohlklingende Geschehen. In Georg Philipp Telemanns gefälligem C-Dur-Concerto wechselte sie die Stimmungen zwischen tänzerischer Beschwingtheit und Andante-Lethargie. Ensemblegeist zeichnete auch die galante, von einem Hauch Zärtlichkeit umgebene Wiedergabe der Sonata da camera B-Dur für Blockflöte, zwei Violinen und Basso continuo von Johann Gottlieb Janitsch aus, der als Kontraviolinist der königlich-preußischen Hofkapelle lebenslang in Friedrichs Diensten blieb. Für den Solopart hält das h-Moll-Konzert für Cembalo und Streicher von Georg Anton Benda reich ausgeziertes Laufwerk bereit. Bernward Lohr tastatiert es voller Intensität und Intimität. Wenig später ist er dem Cellisten in Telemanns D-Dur-Sonate ein mitgestaltender Partner, der die abrupten Lagenwechsel ins rechte (Klang-)Licht zu rücken versteht. Der seufzerreichen, beseelten, von kühnen Harmonien erfüllten d-Moll-Sonate für Violine und obligatem Cembalo verhilft er zu ausdrucksvoller Wirkung."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 10.07.07, Peter Buske



Potsdam, 8.7., Musik am preußischen Hof I - auf historischen Instrumenten, Musica Alta Ripa

"'Musik am Preußischen Hof' ließen die Brandenburgischen Sommerkonzerte mit dem Hannoveraner Ensemble 'Musica Alta Ripa' wieder auferstehen, und im Schlosstheater des Neuen Palais auf burgunderroten Samtbänken unter goldenen Palmblättern saß man wie auf Adolf Menzels Gemälde. (...) Georg Philipp Telemann (...) dürfte mit seinem Flötenkonzert schon damals das Publikum von den Sitzen gerissen haben. Das gelang auch der Solistin Danya Segal mit farbenreicher Klangpalette und humorvoller, auch durch die Körpersprache mitgeteilter Vitalität. (...)
In kühnster Harmonik und endlosen Seufzerketten revoltiert (...) Emanuel Bachs Violinsonate d-moll gegen alle Konvention, ist reiner, persönlicher Ausdruck; Georg Anton Bendas hochvirtuoses Cembalokonzert h-moll wiederum platzt förmlich vor Temperament und sinnlicher Klangfantasie. Ein wenig angestrengt bewältigt der Cembalist seinen schwierigen Part. In der musikalischen, plastisch gestalteten Vielfalt zeigt sich die Flöte besonders lebendig: in Agostino Steffanis Suite aus der Oper „La Lotta d’Hercole“ (Kampf des Hercules) besonders reizvoll in ihren Varianten von Piccolo bis Alt, empfindsam in der „Sonata da camera“ B-Dur von Johann Gottlieb Janitsch. Am preußischen Hof spielte die Flöte eben doch die erste Geige. Der Tagesspiegel, 10.07.07, Isabel Herzfeld



Lychen, 1.7., Weltklasse zu viert, Leipziger Streichquartett

"[Die St. Johannes-Kirche] war bis auf den letzten Platz besetzt, als das 'Leipziger Streichquartett' begann, in einem zweistündigen Konzert überwältigende Eindrücke von seinem Können zu geben. Die vier Künstler (...) schienen [mit ihren Instrumenten] unerhörte Grenzen auszuloten und erzählten so auf spannende Weise musikalische Geschichten von Leos Janacek, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms. Gebannt begaben sich die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise. Es war fast zum Fürchten still in der Kirche, als die Saiten (...) zärtlich gezupft und dann wieder rabiat in Szene gesetzt wurden. [Es] gefiel besonders die musikalische Umsetzung von Tolstojs Drama der 'Kreutzersonate', das mit einem Lustmord endete. [...]
Dass die Fachzeitschrift 'Gramophone' das 'Leipziger Streichquartett' einmal als bestes deutsches Quartett bezeichnet hatte, ließ sich nach diesem Konzert emotional nachvollziehen."
Nordkurier, 03.07.07, FL

Neuküstrinchen, 30.6., Gedenkkonzert Jahrhundertflut 1997 im Oderbruch, Kammerakademie Potsdam, Moorcroft, Breuninger

"Das gut aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der Solisten schien in beiden Werken gleichsam Porträts zweier unterschiedlicher Charaktere gestalten zu wollen.
Auf der einen Seite ein leichter, kapriziöser, beschwingter und schmachtender Geigenton (...), auf der anderen Seite eine distinguierte, sonor und 'ernsthaft' klingende Bratsche (...). Beide waren einander in spielerischer Leidenschaft zugetan.
Um seine Aufgabe als Orchesterleiter und um gestalterische Impulse kümmerte sich Sebastian Breuninger erst so richtig bei Anton Bruckners F-Dur-Streichquintett. (...) Vom Konzertmeisterpult aus stachelte er die Potsdamer zu intensivem und impulsivem Musizieren an. Gemeinsam entwickelte man das nötige Gespür für sinfonischen Atem, gab sich graziös, innig und leidenschaftlich. Die wellengleich an- und abschwellenden Klangwogen erzeugten dabei durchaus passende Assoziationen zum Konzertanlass."
Märkische Oderzeitung, 02.07.07, Peter Buske

Neuküstrinchen, 30.6., Gedenkkonzert Jahrhundertflut 1997 im Oderbruch, Kammerakademie Potsdam, Moorcroft, Breuninger

"Für viele Berliner ist ein solches 'Brandenburgisches Sommerkonzert' die erste Begegnung mit einer Region. Alles ist durchorganisiert, man erfährt an einem Nachmittag eine Menge über die jeweilige Gegend, hat am frühen Abend ein Konzertereignis an einem ungewöhnlichen Ort und ist nicht all zu spät wieder zu Hause. Ein Konzept, das aufgeht und für das man augenscheinlich auch bereit ist, Kartenpreise bis zu 50 Euro zahlen. Kopf und Organisator der Reihe ist Arno Reckers.
'Wenn es die Sommerkonzerte nicht gäbe, müsste man sie erfinden', meint Hans-Jürgen Tantow aus Berlin-Lichterfelde. Er ist rundum zufrieden mit dem Nachmittag, obwohl das Konzert noch gar nicht angefangen hat. Für ihn wie auch für Winfried und Wiltrud Weber aus Berlin-Dahlem ist es die erste Begegnung mit dem Oderbruch. Ja, sie werden wohl noch einmal hierher kommen. Die Gegend sei schön, im Ort habe man alles so gut vorbereitet und der Kuchen schmecke phantastisch, lobt Winfried Weber. (...)
Die Kammerakademie Potsdam mit ihrem Leiter, dem Violinisten Sebastian Breuninger und der Solobratschistin Annemarie Moorcroft spielte so anmutig, dynamisch, beseelt und intensiv, dass es die reinste Freude war. Besonders der langsame Satz der Mozartschen Sinfonia concertante war, genau wie der seltene Umstand, den Oderbruchdom einmal voller andächtiger Menschen zu sehen, wirklich zum Heulen schön."
Märkische Oderz. Bad Freienwalde, 02.07.07, Heike Mildner



Perleberg, 23.6., Nachwuchselite zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten

"Zauberhaft, hinreißend, außergewöhnlich! Als 'Nachwuchselite' waren die jungen Musikerinnen im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte angekündigt. Und den Gästen in der Perleberger Jacobikirche wurde wahrlich nicht zu viel versprochen. Zum Beispiel Linda Fichtner. Erst 20-jährig spielte sie die Violine wie eine Konzertdiva. (...) Wirklich zauberhaft Alena Butt und und Wiebke Lichtwark an der Harfe."
Schweriner Volkszeitung, 25.06.07, Hanno Taufenbach

Perleberg, 23.6., Nachwuchselite zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten

"'Wahnsinn', 'einmalig', 'überwältigend', 'großes musikalisches Ereignis' - so lauteten die begeisterten Reaktionen des Publikums, das am Sonnabend zum ausverkauften Brandenburgischen Sommerkonzertin die Perleberger St.-Jacobi-Kirche gekommen war. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Prignitz Wilfried von Bieren fasste seinen Eindruck in die Worte: 'Ich bin froh, dass die Sparkassen in Brandenburg und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sich für dieses Konzert engagiert haben, es hat mir sehr gut gefallen.'
(...) Zum unvergesslichen Konzerthöhepunkt wurde der Auftritt von Laura-Marlene Gick mit ihrem Violoncello. Von ihr war eine 'Fantasie über kleinrussische Themen', ein charmantes Bravourstück von David Popper, zu hören. Die Klavierbegleitung übernahm erneut Friederike Jurth, die für ihre dezente und gekonnte Begleitung der Solistinnen am Bechstein-Flügel ein Extralob verdient. Den Namen Laura-Marlene Gick werden sich Musikfreunde merken müssen. Sie errang nicht nur erste Preise beim Wettbewerb 'Jugend musiziert'in der Kategorie Violoncello solo, sie ist seit 2002 Schülerin von Professor Matias de Oliveira Pinto am Julius-Stern-Institut der Berliner Universität der Künste. Zahlreiche Konzerte führten sie durch ganz Deutschland, nach Frankreich, Polen, Österreich und Spanien. Laura-Marlene Gick hat gerade ihr Abitur absolviert und Aufnahmeprüfungen an mehreren Musikhochschulen bestanden. 'Mal sehen, welcher Professor mich nimmt', meinte sie nach ihren Zukunftsplänen befragt. Sie zeigte sich vom Publikum und der Konzertatmosphäre in der Kirche angetan: 'Es hat mir sehr gut in Perleberg gefallen!' Dem schloss sich auch Linda Fichtner an: 'Es macht Spaß zu spielen, wenn man merkt, dass die Leute so aus sich herausgehen, hinzu kommt die tolle Kirchenakustik. Ich bin vom Perleberger Publikum begeistert!'"
Märkische Allgemeine, 25.06.07, Wolfram Hennies

Brandenburg (Havel), 17.6., Der versiegelte Engel, Rundfunkchor Berlin, Soli, Stefan Parkman, Gergely Bodoky, Lars Scheibner

(...) Der langsam nach vorn schreitende Flötist (Gergely Bodoky) lässt sich am vorderen Rand des Spielpodests nieder, bläst mit geschmeidigem und großem Ton sehnsuchtsvolle Klänge gleich einem Debussyschen Faun. Wie aus weiter Ferne ertönen gesummte Vokalisen. Weihrauchklänge, wie man sie aus der russisch-orthodoxen Kirche kennt, durchziehen das Kirchenschiff. Sie werden unter Leitung von Stefan Parkman in altbewährter Vorzüglichkeit vom Rundfunkchor Berlin angestimmt, der langsam die Szene füllt. Später stellt er sich in wechselnden Gruppierungen auf. Der Klang wird tatsächlich schrittweise offener, heller und kraftvoller, bleibt warm getönt und von funkelnder, reich schattierter Farbigkeit.
Fast unmerklich versteht man Text, ist von außergewöhnlich orgelnden Bässen hörbar überrascht und taucht in eine seelenberührende Klangwelt ein. (...)
Dann weitet sich die Musik durchs Visuelle, indem vorm hinteren Glasfenster der (nur slipbekleidete) Engel in Gestalt des Ausdruckstänzers (und Choreographen) Lars Scheibner herabschwebt. Einem athletischen Akrobaten gleich zuckt und windet er sich auf dem Boden, richtet sich immer wieder auf und fällt, führt in pantomimischen Bewegungen die gepeinigte Kreatur mit beklemmender Intensität vor. Die (Chor-)Menge führt das (Engel-)Individuum gleichsam vor, saugt es auf, sucht ihn sich abhängig zu machen. Es misslingt. Der Engel entschwebt wieder, während die Klänge an den Anfang zurückkehren. Anhaltender Beifall.
Potsdamer Neueste Nachrichten, 22.06.07, Peter Buske

Brandenburg (Havel), 17.6., Der versiegelte Engel, Rundfunkchor Berlin, Soli, Stefan Parkman, Gergely Bodoky, Lars Scheibner

"Ein langer, warmer Flötenton schwebt in die tiefe Stille des Kirchenschiffes hinein. Einsam steht der Flötist Gergely Bodoky auf der schwarzen Bühne, die im Altarraum der Kirche des St. Pauli Klosters in Brandenburg an der Havel raumfüllend installiert ist. (...) Es ist Sonntagabend, (...) und das szenische Drama 'Der versiegelte Engel' von Rodrion Shchedrin erlebt hier unter der Leitung von Stefan Parkman eine Erstaufführung: die Inszenierung wurde eigens für das Paulikloster geschaffen und war nur dieses eine Mal so zu sehen. (...)
Da ist ein ständiges Wogen der Chormitglieder, die sich immer wieder neu formieren. Mal präsentieren sie sich in geballter Masse, mal stellen sie sich in mehreren Blöcken auf, mal stehen sie sich in zwei Gruppen frontal gegenüber. Anders der Tänzer Lars Scheibner. Er will seine unsichtbaren Fesseln abwerfen, probt den aufrechten Gang, aber eine unsichtbare Kraft wirft ihn immer wieder zu Boden. Doch Wunder gibt es immer wieder und was eben noch unmöglich schien, gelingt plötzlich mühelos. Schließlich wird er an einem Seil hochgezogen, bis er vom schwarzen Schatten unterm Kirchendach verschluckt wird. Ein starkes Bild. Eine starke Inszenierung.
Märkische Allgemeine Zeitung, 19.06.07, Ann Brünink

Eisenhüttenstadt, 16.6., Gala zur Wiedereröffnung der Freilichtbühne, Deutsches Filmorchester Babelsberg, Ofer, Imig

"Das Wetter war genau richtig für dieses Gala-Konzert des Deutschen Filmorchesters Brandenburg unter der Leitung von Helmut Imig. Die Regenhuschen waren pünktlich verschwunden. Die Sonne bahnte sich ihren Weg. Die besten Voraussetzungen für die rund 2500 Besucher. Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (...) lobte das Engagement von Unternehmen und Stadt, um den Ort weiter attraktiv zu machen. "Die 300 000 Euro sind vernünftig eingesetztes Geld, das viel bewirkt hat", sagte er. Ganz stolz auf dieses Kleinod ist auch der Arbeitsdirektor von Arcelor Mittal, Rainer Barcikowski. Das Stahlunternehmen hat großen Anteil an der Sanierung. "In der Stadt ist Rhythmus", betonte er. (...)
Am Sonnabend kam der Solist für die Aufführung dieses Konzertes aus Israel. Erez Ofer wurde für sein brillantes Spiel mit viel Beifall belohnt. Überhaupt war das Publikum sehr begeistert. Am Ende konnten die Musiker erst nach einer Zugabe von der Bühne. Waltraud Klimke sprach danach aus, was alle dachten: 'Es war wundervoll.' "
Märkische Oderzeitung, 18.06.07, Barbara Arandt



Wittstock, 9.6., Eröffnungskonzert, Gidon Kremer,
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Eri Klas

"So spielt Kremer in der gotischen Backsteinhallenkirche das Sibelius-Konzert, indem er jeder musikalischen Figur Charakter gibt, echtes Solistengold. Es sind die großen Interpreten, die dem Hörer solche Musik nahebringen, weil bei ihrer Virtuosität das scheinbar Leichte am spannendsten ist.
Im DSO dominieren neue junge Gesichter. Umso erstaunlicher, wie der estnische Dirigent Eri Klas in „Fratres“ von Arvo Pärt das Streichorchester zu einer harmonisch schwingenden Einheit bindet. Klas ist ein Musiker vom Typ getreuer Kapellmeister, kein Präzisionsfanatiker, für die „Apotheose des Tanzes“ ein kompakter vehementer Dirigent. Aber er schafft in der Beethovensymphonie einen feinen Übergang vom langsamen Eingang ins Vivace und hält sich überhaupt an die dynamischen Vorschriften des Leisen. So bekommt das Allegretto bei ihm ein graziles Element ohne Trauerklage. Und er versteht Pianissimo als Ausdruck, wenn er das Fugato in sanften Händen hält."
Der Tagesspiegel, 11.06.07, Sibyll Mahlke

 

 

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