Die Presse über unsere Konzerte 2006

Potsdam, 10.9., Abschlusskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Trevor Pinnock, Joshua Bell

"Mozarts einleitend erklingender 'Pariser' Sinfonie D-Dur KV 297 verhilft Trevor Pinnock zusammen mit den Musikern des Deutschen Symphonie-Orchesters zu einer ungestümen, leidenschaftsbrodelnden Wiedergabe. Direkt und kraftvoll geht man gemeinsam zu Werke, frönt der Lust am abrupten dynamischen Kontrast. Dennoch gibt man der Musik genügend Zeit und Raum, sich geschmeidig, glanzvoll und detailreich ausbreiten zu können. Der Pionier in der Aufführungspraxis barocker und klassischer Musik ist da ganz in seinem Element. Und bei den Romantikern? Frönt er ebenfalls seiner Vorliebe fürs Brio.
In Max Bruchs legendärem g-Moll-Violinkonzert op. 26 musiziert man mit der Intensität eines Vulkans, wobei sich der Solist Joshua Bell in den schnellen Ecksätzen ganz der Entfesselung lodernden Virtuosenfeuers hingibt. Sportiv ist sein Saitenzugriff, klar und kräftig sein Bogenstrich, groß der Ton seiner Stradivari von 1713. Wie auf dem Sprung musiziert er Heißblütigkeit und räumt auch der Darstellung von seelischen Zerklüftungen breiten Raum ein. Dem oft als Kitsch verschrieenen Adagio-Satz treibt er jegliche Sentimentalisierungen aus, belässt ihm jedoch seine melodische Süße. Er singt berückend schöne Töne und kommt dabei mit ganz wenig Vibrato aus. Fantastisch. (...)
Als Meister der Übergänge erweisen sich abschließend Dirigent und Musiker in der a-Moll-Sinfonie op. 56 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die „Schottische“ genannt. Voller Verve brechen sie zu klanglichen Abenteuern in die von rauen Winden durchtosten Highlands auf, spüren das geheimnisvoll Raunende genauso auf wie einen archaischen Bardengesang oder pastorales Lebensgefühl. Unentwegt werden enorme Spannungspotenziale erzeugt und entladen – es ist der unaufhörlichen Bewegung und thematischen Entwicklung fast kein Ende. Schier atemlos verfolgt man die kraftvoll gelenkten Energieströme, mit denen sich das Geschehen spannend ausbreitet und in den finalen Hymnus steigert. Mit einer Orchesterzugabe und einem Glas Sekt für alle geht die Saison zu Ende."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 12. September, Peter Buske



Beeskow, 3.9., Grundton D - Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski, Arabella Steinbacher

"Im auffallend warm getönten Orchesterklang, der das Hallengewölbe [der Marienkirche] wunderbar ausfüllt, darf sich Arabella Steinbacher, Solistin in Felix Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Violinkonzert, geborgen fühlen. Klangsüß und schmelzend stimmt sie auf ihrer Stradivari von 1736 die lyrischen Passagen an. Nicht weniger effektvoll meistert sie die dramatischen Aufwallungen zwischen Intensität und klanglicher Schönheit, fast schwerelos den geistsprühenden Spielwitz des Finales.
Um die Lebens- und Liebesstürme in Robert Schumanns 4. Sinfonie zu entfachen, genügt Marek Janowski ein Fingerzeig hier, ein vibrierender Taktstockeinsatz dort - unaufwändig und konzentriert weist er seinen Musikern den Weg. Der ist enorm spannungsgeladen, gleichsam heiter-sinnlich, von federnder Intensität bis hin zum jubelnden Finale. Entsprechend gerät der Beifallsdank."
Märkische Oderzeitung, 5. September, Peter Buske

Kloster Zinna, 2.9., Ein Tag für Wolfgang Amadeus, Samacha Lamphong, Christoph Hagel, Berliner Symphoniker, Solisten

"In Zinna tragen die Sänger schwarz und bleiben das ganze Stück über Schatten ihrer selbst - wohlgemerkt nur szenisch. Stimmlich überzeugen sie voll und ganz. Vor allem Ingo Witzke als Zephyrus beeindruckt mit einem volltönenden Bass sowie Uta Buchheister als Hyacinth mit einnehmenden Koloraturen. Lediglich Counter Tim Severloh fällt als Apollo etwas ab.
Christoph Hagel, sowohl für die musikalische Leitung als auch die szenische Einrichtung verantwortlich, führt die neun Streicher und vier Bläser der Berliner Symphoniker beseelt durch die Partitur, und sein Regieeinfall, den Gefühlen der Figuren durch Tänzer Ausdruck zu verleihen, erweist sich als durchdacht. Wie bewegte Seelen lösen sich die Tänzer von den schwarzen Schatten der Sänger und beginnen ein Eigenleben. Bis der Leichnam Hyacinths am Ende in einer stimmungsvollen Trauerprozession durch den Mittelgang der Klosterkirche ins Freie getragen wird, wo zu dieser Jahreszeit allerdings keine Hyacinthen mehr sprießen."
Märkische Allgemeine, 4. September, Welf Grombacher


Brandenburg (Havel), 26.8., Virtuose Violine, Christian Tetzlaff, Diemut Schneider, Matthias Kirschnereit

"... Sie wagen kaum zu atmen, die 800 Zuhörer im Dom zu Brandenburg, um sich auch nicht den leisesten Hauch des virtuosen Geigenspiels von Christian Tetzlaff entgehen zu lassen. Kongenial begleitet wird der 'brillanteste und gefragteste Künstler der neuen Generation', wie ihn die New York Times einmal beschrieb, von der Klarinettistin Diemut Schneider und dem Pianisten Matthias Kirschnereit. [...] Was zählt, ist die gelungene Abstimmung der drei Instrumente. Wie macht Tetzlaff das nur? Nur wie ein zarter Hauch klingen die ersten Töne des ersten Satzes auf der Bratsche. Sparsam setzt Diemut Schneider mit ihrer Klarinette Akzente. Anrührend wirkt ihr Spiel, fast verletzlich. Einfühlsam beteiligt sich das Klavier an dem Gedankenaustausch. Es entwickelt sich ein intelligenter Dialog von großer Intensität und Warmherzigkeit. Hat im ersten Satz das Klavier am meisten zu sagen, so drängt im zweiten Satz die Bratsche übermütig in den Vordergrund und fordert Klarinette und Klavier zum Menuetttanzen auf. Wie im Leben, so auch in der Musik: Übermut tut selten gut. Uns so muss die Bratsche im dritten Satz erst einen Part in Moll absolvieren, bevor schließlich die Koda so richtig funkeln kann. So oder ähnlich muss Glück sich anhören.
Bravorufe ernten Tetzlaff und Kirschnereit für ihre Interpretation von Schumanns Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 d-Moll op. 121. Nach den markanten Schicksalsschlägen am Anfang folgt Tetzlaff akribisch den Metronomangaben und spielt den Part so langsam wie vorgeschrieben. Die Wirkung ist verblüffend: Die extreme Langsamkeit lässt die nachfolgenden schnellen Passagen um so dynamischer wirken. (...) Wahrlich ein guter Tag."
Märkische Allgemeine, 29. August, Ann Brünink

Blankensee, 19.8., Wiener Klassik, Kammerakademie Potsdam, Muriel Cantoreggi

"... ' Das Orchester hat viel Sonne im Herzen', versprach der Musikkritiker Volker Blech zu Beginn des Konzertes. Er bezeichnete das Kammerorchester Potsdam als ein leidenschaftliches, hin und wieder aber auch als ein bisschen verrücktes Orchester.
Als erstes stand auf dem Programm ein Stück von Haydn. 'Er galt unter Zeitgenossen als liebenswürdig und optimistisch. Haydn hat immerhin 109 Sinfonien komponiert. Beethoven nur neun', erzählte Volker Blech. 'Und so kann dieses Programm auch nur mit einer seiner Sinfonien begonnen werden', sagte er und betonte, dass von Haydn auch die 'Symphonie mit dem Paukenschlag' sei, eine Kampfansage an alle schlafenden Besucher. Am Sonnabend allerdings war die Symphonie mit dem Motto "Tempora mutantur" zu hören. Das Werk lebt von starken Kontrasten. Allein schon der Beginn: Nach nur zwei unschuldig leisen Einleitungstakten rütteln vier Orchesterschläge das Publikum wach.
Nach der Musik von Joseph Haydn begeisterte das Rondo A-Dur für Violine und Streichorchester sowie das Rondo C-Dur für Violine und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart die Besucher in Blankensee.
Für alle, die das Musikereignis am Sonnabend verpasst haben, gibt es eine gute Nachricht: Das knapp zweistündige Konzert wurde aufgezeichnet und wird am 16. September um 20.04 Uhr im RBB Kulturradio gesendet."
Märkische Allgemeine, 22. August, Margrit Hahn



Straupitz, 5.8., Geistliche Chormusik, Dresdner Kammerchor, Ensemble "Alte Musik Dresden", Hans-Christoph Rademann

"Das musikalisch herausragende Merkmal des Dresdner Kammerchores ist seine außerordentliche Klanghomogenität. Jede einzelne Stimme ordnet sich schlank geführt in den Gesamtklang ein. Dennoch singt jedes Chormitglied mit der für einen Kammerchor nötigen individuellen Präsenz. Damit ist dieses Ensemble für die Schütz-Interpretation geradezu prädestiniert. (...)
War eine Instrumentalbegleitung gefordert, wurde sie vom Ensemble „Alte Musik Dresden“ mit zwei Violonen, Theorbe und Orgel vorgetragen, sehr vergeistigt und dezent.
Das Programm war ein Schwergewicht und Höhepunkt im Rahmen der (...) Brandenburgischen Sommerkonzerte."
Lausitzer Rundschau, 7. August 2006, Irene Constantin



Stechau, 22.7., Operngala open air, Lenneke Ruiten, Yosemeh Adjei, Polnische Kammerphilharmonie, Wojciech Rajski

"Kaffe, Kuchen, Rostbratwurst, Schliebener Wein und leichtes Flanieren eleganter Damen und Herren unter Schatten spendenden Bäumen: mehr ländlich edles Ambiente ist einfach nicht zu haben. Trotzdem war dies nur die Einstimmung in die Open-Air-Operngala der Brandenburgischen Sommerkonzerte im Schlosspark Stechau. (...)
Man erlebte zwei Stars auf der Startrampe. Yosemeh Adjei hat eine sinnlich und offen klingende Altstimme, weit entfernt vom oft gehörten, engen Fistelton, der dieser Stimmlage gern anhaftet. Man hört ihm ganz ohne das leichte Befremden zu, das die hohe Männerstimme noch immer auslösen kann. Adjei ... nimmt lieber bestimmte Spitzentöne und Glanzpassagen etwas zurück, als einen unschönen Laut von sich zu geben (...)
Die glänzende Virtuosität, die die typischen Belcanto-Partien verlangen, kann sie [Lenneke Ruiten] mit Emotionalität und Ausdrucksvermögen aufladen. Genau das wünscht man sich in Mozart-Opern. Ihre stärksten Momente hatten die Sänger in drei Szenen aus der Rossini-Oper „Tancredi“. (...)
Die polnische Kammerphilharmonie ist nicht zu verwechseln mit preiswerten Reiseorchestern, die heute hier, morgen dort irgendwen begleiten, wie das Geschäft es erzwingt. Welche ausgezeichneten Musiker in diesem Klangkörper spielen, hörte man in einer Orchesterserenade von Rossini, gespickt mit glanzvollen Soli für Violine, Flöte, Oboe und Cello, sowie in Mozarts witziger „Serenata notturna“. Kaum ein Stück hätte besser zur sinkenden Nacht und zur Kulisse des beleuchteten Schlosses gepasst. Damit aber immer noch nicht genug. Erst ein großes Feuerwerk beschloss das Erlebnis Stechau."
Lausitzer Rundschau, 24. Juli 2006, Irene Constantin

Jüterbog, 16.7., St. Nikolai, Festliche Chormusik, Regensburger Domspatzen

"Die Regensburger Domspatzen kommen aus dem katholischen Bayern ins protestantische Jüterbog, singen dort in der releigionsresistenten Mark, und die St. Nikolaikirche ist rappelvoll. So geschehen am Sonntag im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Wunderbar. Die Breitenwirkung von Knabenchören ist ungebrochen und führt Menschen zusammen. (...)
Bis ihre glockenklaren Stimmen anheben, Ludovico da Vittorias "Hosanna filio David" erklingt und die Welt sofort vergessen ist. Die Seele in den Himmel springt, auch ohne dass das Geld im Kasten klingt... (...) Wie aus einem Mund singen die 56 Knaben, und Domkapellmeister Roland Büchner (...) reizt die Stimmpotenziale der jungen Choristen aus.
Märkische Allgemeine Zeitung, 18. Juli 2006, Welf Grombacher

Luckau, 24.6., St. Nikolai, Von Byrd zu Lennon, Semper Brass Dresden

"Die Klangstruktur geschickt aufzubauen, die Klangfarben von Tuba, Posaunen, Hörnern und Trompeten wie Schichten übereinander zu legen, war im gesamten Programm das entscheidende Wirkungsmittel des Ensembles. In der Intonation und Phrasierung musizierten die sächsischen Blechbläser (...) zu Gunsten einer homogenen Interpretation sehr exakt, die Farben und musikalischen Charakteristika der einzelnen Instrumente wurden dagegen äußerst differenziert behandelt. Vom lichten Schimmer bis zum triumphalen jubelnden Spitzenton reichte das Ausdrucksspektrum der Trompeten, die tieferen Instrumente konnten ihren Einsatz als Klangteppich jederzeit zu Gunsten solistischer Aufgaben ausweiten. (...)
Keine 'echte' Big Band kann so schön 'Michelle' spielen. (...) In der landläufigen musikalischen Dauerberieselung ist derartige Musik zur wahren Rarität geworden, handelt es sich doch um gut gesetzte, geistreiche Unterhaltungsmusik, gleich weit von Bruckner wie vom Musikantenstadl entfernt."
Lausitzer Rundschau, 27. Juni 2006, Irene Constantin


Potsdam, 17.6., St. Peter und Paul, Eröffnungskonzert, Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Hartmut Haenchen (Dirigent), Hans-Jakob Eschenburg (Cello)

"... In ruhigen Zeitmaßen trug sich die Musik wie von selbst fort, sang sie ihr verständlich Lied. Auch in der 'Jupiter'-Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 konnte man jene Eindrücke gleichsam als Dacapo gewinnen. Heiter und erhaben, geradezu lustvoll eilte das einleitende Allegro vivace vorüber. Gefühlvoll und weichgespült musiziert, entsprach das Andante seinem Zusatz 'cantabile' gründlich. Im Finale triumphierten schließlich Eleganz und festlicher Glanz.
Ähnlich verhielt es sich bei der Wiedergabe von Carl Philipp Emanuel Bachs Violoncellokonzert a-Moll Wq 170, in dem das Orchester vollauf den Intentionen seines Namenspatrons gerecht wurde. Die Wechsel von Soli und Tutti waren dabei genauso prägnant herausgestellt wie die Affekte. Auf seinem hell klingenden Instrument vermochte der Solist Hans-Jakob Eschenburg spielerisch leichten und lockeren Tons der grimmigen Klanggeste ebenso zu entsprechen wie nachdenklicher Beschwichtigung. Die ins lyrisch geprägte Andante eingebetteten tonsetzerischen Widerhaken wusste er gleichsam wie nebenbei zu entdecken. Auch die Zuhörer hatten ihre helle Freude daran. Sie feierten ihn und alle anderen Beteiligten anhaltend."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 19. Juni 2006, Peter Buske



Potsdam, 17.6., St. Peter und Paul, Eröffnungskonzert, Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Hartmut Haenchen (Dirigent), Hans-Jakob Eschenburg (Cello)

"Keine öffentlichen Fördermittel. Erstaunlich, was dennoch geboten wird. (...) Im Dialog siegt das Orchester übert die vorzüglich sensiblen Soli Hans-Jakob Eschenburgs, weil die Akustik die stehenden Musiker bevorzugt. Hartmut Haenchen verteidigt wundersam die Feinarbeit der Mozart-Partituren, Trennschärfe gegen Energien von Schall. Großes Finale der Jupitersinfonie..."
Tagesspiegel, 19. Juni 2006, Sybill Mahlke

 

 

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