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Die Presse über unsere Konzerte seit 1991
2004
Lübben, 14.8., Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Andreas Buschatz, Joachim Pliquett, Sebastian Bluth
"Schon die Interpreten machten neugierig: Die Kammervirtuosen - Solisten des Deutschen Symphonie-Orchesters, der international bekannte Trompeter Joachim Pliquett und der Schüler Dietrich Fischer-Dieskaus und Peter Schreiers, der Bariton Sebastian Bluth - standen auf dem Podium zwischen Kanzel und Altar. [...]
Das Konzert vereinte barocke Meister in musikalischer Meisterschaft. Giuseppe Torelli, Meister in Werken virtuoser Trompeter- und Streicherpartitur, erklang prachtvoll von den Kammer-Virtuosen und von Pliquett. Das Concerto grosso d-Moll von Francesco Geminiani war die Stunde des Violinisten Andreas Buschatz, des Leiters der Kammer-Virtuosen. Der Rest des Konzertes gehörte Johann Sebastian Bach, Paul Gerhardt und dem Bariton Sebastian Bluth. Nach der einfühlsam-ergreifenden Kantate "Ich habe genug" von Bach mit dem Orchester erklangen mit Orgelbegleitung von der Empore Choräle auf Gerhardt-Texte in der Musik Bachs: "Die güldne Sonne", "O Haupt voll Blut und Wunden" und "Auf, auf mein Herz mit Freuden". Das alles stilistisch ausgewogen und verständlich bis auf den letzten Hörerplatz."
Lübbener Rundschau, 16.8.04, ds

Berlin (Französischer Dom), 25.7., Europa Galante, Fabio Biondi, Kenneth Weiss
"Um Dogmen hat sich Biondi, der 1989 sein eigenes Ensemble Europa Galante gründete, nie geschert. Auf dem Fundament der ureigenen Neugier bringt der Geiger und Dirigent ein spielerisches Musizieren auf die Bühne, seine Konzerte sind ein theatralisches Ereignis. Mit herausfordernden Blicken, die Biondi seinen eingeschworenen Musikern zuwirft, stachelt er zu geschliffener, farbig funkelnder Artikulation an, zu überraschenden Variationen und verwegenen Imitationen. Sag es bewegender, sag es geistreicher! Auf Einladung der Brandenburgischen Sommerkonzerte hat sich Europa Galante Werken des Vivaldi-Fans Bach angenommen und haucht ihnen italienische Leichtigkeit ein. Das Violinkonzert BWV 1056 segelt mit frischem Solistenglanz hoch am Wind, im zarten, effektvoll abgebremsten Largo gleicht Biondis Klang dem melancholischen Schwellen des Oboentons. Das Cembalokonzert BWV 1054 überrascht durch kammermusikalischen Zugriff mit pulsierenden Kraftzentren. Fabio Biondi lächelt von einem musikalischen Sommergipfel herunter ins Publikum, das sich den Schweiß von der Stirn tupft."
Der Tagesspiegel, 27.7.04, Ulrich Amling

Templin - Ringenwalde - Angermünde, 17.7., Orgelreise
"Es war die "Königin der Instrumente", die am vergangenen Wochenende die Landpartie der Brandenburgischen Sommerkonzerte in die Uckermark dominierte. Erster Halt: Templin. In der Maria-Magdalenen-Kirche eine Orgel jüngsten Datums: 1994 von der Potsdamer Firma Schuke errichtet. Eine Kartusche an dem barocken Prospekt listet die Jahreszahlen der Neu- und Umbauten auf - von 1767 bis heute. Jobst Hermann Koch demonstriert mit spielerischer Noblesse das Klangspektrum des modern disponierten Instruments: mit Werken von Bach, Samuel Scheidt und Mozart, schließlich mit einer romantischen Sonate Joseph Gabriel Rheinbergers. Der Kirchenraum bietet ideale akustische Bedingungen, um den Glanz des Instruments und die Nuancen einer klugen Registrierung voll zur Wirkung zu bringen. [...]
Letzte Reisestation: St. Marien in Angermünde. Die prächtige Orgel in diesem Gotteshaus baute Joachim Wagner. Hausorganist Dieter Glös stellt das gut erhaltene, durch Schuke sachkundig restaurierte Instrument mit seinen Besonderheiten vor. Dann demonstriert er farbige barocke Musizierlust mit Pachelbel und Orgelstücken alter Meister. Bei einer Orgelmesse von Couperin, einem Zeitgenossen Joachim Wagners, lässt er die Paukenengel schlagen und die Zimbelsterne rotieren, dass es einen Begriff gibt von der Sinnenfreude jener Zeit. Souverän beherrscht der Organist sein Instrument, tupft die Miniaturen eines heutigen Komponisten (Lutz Gerlach) wie mit dem Tuschpinsel hin und beschließt das Konzert mit einem Satz aus Mozarts Klaviersonate A-Dur und Bachs Toccata und Fuge d-moll - nicht ganz schlackenlos, aber mit Klangeffekten, die den Ausdrucksbereich dieser Orgel aufs schönste dokumentieren."
Märkische Allgemeine Zeitung, 21.7.04, Manfred Meier

Kloster Zinna, 4.7., Regensburger Domspatzen, Roland Büchner
"Sie kamen, sahen und pfiffen: Die Regensburger Domspatzen rührten am Sonntag in Kloster Zinna ein Publikum zu Ovationen, das überwiegend aus ihren Großeltern hätte bestehen können. Doch jenseits des Niedlichkeitsfaktors, der eine singende und herzig angekleidete Knabenschar schließlich immer auszeichnet, bestach in der Tat auch die musikalische Seite dieses brandenburgischen Sommerkonzerts.
Was den Chor - der auf eine über tausendjährige Tradition zurückblickt - gegenüber anderen auszeichnet, ist seine homogene Integration älterer Sänger. Nach dem Stimmbruch kehren sie, sofern möglich, als Tenor und Bass in das Ensemble zurück und geben dem Klangbild eine ganz eigene Note, ohne es je zu verfälschen. Und das fließende, jeder sichtbaren Disziplinierungsmaßnahme abholde Dirigieren des Regensburger Domkapellmeisters Roland Büchner nutzte dieses Potential denkbar frei aus: Mal kamen die in den hinteren Reihen postierten Stimmen zum Zuge, mal jauchzten die vorne platzierten hellen Kehlen engelsgleich empor, mal zeigte man sich als gewöhnlicher gemischter Chor.
Diese Wandlungsfähigkeit erlaubte die sichere Bewältigung des Programms. Der Bogen spannte sich von den Großmeistern der klassischen Vokalpolyphonie über barocke und romantische Akzente bis zu neuen, allerdings durchgehend rückwärts gewandten Kompositionen. Auszüge aus Palestrinas "Regina coeli"-Messe leiteten den Nachmittag ein, gefolgt von Orlando di Lassos fünfstimmiger Motette "Surrexit pastor bonus" - Werke also, die trotz ihrer großen Bedeutung aus dem gewöhnlichen Musikleben fast völlig verschwunden sind. [...]
Hatten die Domspatzen in jenem horizontal orientierten Stimmsatz fabelhafte Agilität und Textverständlichkeit bewiesen, zeigten sie sich in anderen Werken auch der vertikalen, also intonatorischen Herausforderung gewachsen. Ein Stück wie Randall Thompsons "Alleluja" - in der Vokalmusik der USA spielt es eine ähnliche Rolle wie Barbers "Adagio for Strings" in der Instrumentalmusik - bezieht seinen Reiz durch jazzinspirierte Septim-Spannungen, die erst einmal so griffig herausgearbeitet sein wollen wie hier."
Märkische Allgemeine Zeitung, 8.7.04, Olaf Wilhelmer

Luckau, 12.6., Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Domonkos Héja, Ilya Gringolts, Johannes Moser
"Zum Auftakt der 14. Saison der Sommerkonzerte hat das Deutsche Symphonie-Orchester am Fuß des Hochaltars Platz genommen. Die prächtige Donat-Orgel funkelt, die Glasscheiben der Patrizierlogen blinzeln erwartungsvoll. Ein junges Musiker-Trio macht das launenhafte, kühle Landpartie-Wetter sofort vergessen: Der ungarische Dirigent Domonkos Héja erweist sich auch im Kirchenhall als sicherer Musikdramatiker ohne jedes bräsige Pathos. Seine Interpretation von Liszts triumphalen "Les Préludes" weckt die herzenswarme Hoffnung auf Siege jenseits weltlicher Schlachten. In Lalos Cellokonzert zeigt Johannes Moser, wie man sich mit eleganter Hingabe und hintergründigem Witz an die Weltspitze spielt. Und Ilya Gringolts lässt in Mendelssohns Violinkonzert einen brandenburgischen Sommernachtstraum erstehen; zart und doch von feiner Herbe, ein versonnener und dennoch klarer Blick in den Sonnenuntergang über der Mark."
Der Tagesspiegel, 14.6.04, Ulrich Amling

2000
Annahütte, 12.8., Anlässlich des 250. Todestages von Johann Sebastian Bach, Bernd Glemser
"Bernd Glemser gestaltete seine Vortragsfolge gleichsam zu einem Gottesdienst auf Tasten. Vor allem die klanggewaltigen und mit vollgriffigem Klaviersatz aufgedonnerten Busoni-Bearbeitungen profitieren davon. Über dessen Umarbeitungen der Chaconne d-Moll, der Toccata und Fuge D-Dur sowie von Choralvorspielen mochten asketische Bach-Verehrer die Nase rümpfen. Kaum darüber, wie sie der Pianist mit Gefühlsinnigkeit quasi als nachträglich handkolorierte Holzschnitte spielte.
Von Hause aus Typ des verinnerlichten, dem Werk dienenden Künstlers, stand ihm jedoch auch die kraftdonnernde Virtuosenattitüde uneingeschränkt zur Verfügung. In Liszts Fantasie und Fuge über B-A-C-H und den Variationen über "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" konnte er sie ungehemmt entfalten. Mit jedem Tastendruck meißelte er das Emphatische und Effektvolle der Originalkompositionen zu bombastischen Klangskulpturen. Der Manier, Schlussakkorde mit langem Nachhall zu versehen, frönte Bernd Glemser auch in Schostakowitschs Präludium und Fuge es-Moll Nr. 14. Sie kam im Schubertschen "Erlkönig"-Gewand und pompösen Lisztschen Klaviersatz daher.
Im Gegensatz zu Busoni blieb Sergej Rachmanninow bei seiner Transkription von Bachs Partita E-Dur für Violine solo nahe am Original. Spielerisch leicht floss sie dem Pianisten aus den Fingern. Motorisch huschte das Prélude vorüber, graziös tanzte die Gavotte, virtuos gab sich die Fuge. Farbenreich und effektvoll durchmaß er die Möglichkeiten jenes bearbeiteten Bachschen Musikkosmos, von dem der Komponist nicht mal träumen konnte. Das Übergreifen von linker und rechter Hand, das Auskosten dynamischer Entwicklungen bis hin zu donnernden Oktavgängen bereitete Bernd Glemser als fingerflinkem und enthusiastisch gefeiertem Tastenzauberer keinerlei Probleme."
Märkische Oderzeitung, 15.8.00, Peter Buske

Glashütte, 23.7., 4. Tag des Jubiläumsprogramms "Franz Schubert auf Landpartie", Leipziger Streichquartett, Michael Sanderling
"Mit einem Mal brennt die Luft, bleibt der Atem stocken: Streichquintett C-Dur, Deutschverzeichnis 956, das letzte Kammermusikwerk Schuberts. Klingendes Vermächtnis, vollendet wenige Wochen vor seinem Tod. Ein Stück, das per aspera ad astra und gleich wieder zurück wankt, bis es in jenem brachialen Vorschlag-Abstieg vom Des zum Grundton C den unwiderruflichen Schlusspunkt setzt. Es ist viel geschrieben worden über dieses Opus, viel hineingedeutet, geblieben ist die Kühnheit der Fortführung, die Modernität des Aufbaus - und das immer wieder aufbrechende Katastrophische.
All dies wird von den Interpreten eindringlich gestaltet, mit einem hohen Maß an Risikobereitschaft, die ihre kleinen Opfer fordert, sowie mit stupender Musikalität. Allen voran Michael Sanderling streicht mit einer unbedingten Vehemenz und - hie und da etwas ruppiger - Klangfülle die Saiten, die Staunen erzeugt, bisweilen aber dafür sorgt, dass sein Cellisten-Kollege Moosdorf und der Bratschist Bauer kaum zu hören sind. Aufgrund dieser Dominanz ist das Quintett an diesem Abend ein Stück, das weniger in höheren Gefilden gesungen und nur fundamentiert wird, vielmehr schreit es aus der Tiefe nach oben. Das Publikum in der zum Konzertsaal umfunktionierten Scheune quittiert die Darbietung mit lang anhaltendem Applaus und fußtrampelnder Akklamation. Zu Recht."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.7.00, Jürgen Otten

Beelitz, 15./16.7., 1. und 2. Tag des Jubiläumsprogramms "Franz Schubert auf Landpartie", Mendelssohn-Quartett, Tobias Lampelzammer, Vladimir Stoupel; Leipziger Streichquartett
"Mitglieder des jungen Mendelssohn-Quartetts aus Leipzig, komplettiert durch den mit sensibler Pianokultur musizierenden Tobias Lampelzammer am Kontrabass und den virtuosen Pianisten Vladimir Stoupel, demonstrieren hier [beim Werkstattkonzert] im Detail, was sie später mit schöner Geschlossenheit im Konzert darbieten: das Klavierquintett A-Dur D 667, nach seinem Andantino mit sechs Variationen über das berühmte Liedthema auch Forellenquintett genannt. Und es erweist sich als vorzüglich aufeinander eingespieltes Ensemble: Die kantable Brillanz der Streicher passt zum bravourösen Spitzentanz der Finger auf den weiß-schwarzen Tasten.
Bei dieser Landpartie erklingen sämtliche Streichquartette von Franz Schubert. Am Tage nach der Eröffnung ist ebenfalls im zugigen Beelitzer Turnsaal das international sehr geschätzte Leipziger Streichquartett gleich mit mehreren Werken zur Stelle: mit dem ersten Quartett des 13jährigen Komponisten (g-Moll/B-Dur, D 18) etwa, einem unbekümmerten Stück, mit einem Meisterwerk wie dem Streichquartett D-Dur D 887, Ende 1826 in nur zehn Tagen komponiert, und jenem vom Abschiedsschmerz kündenden (d-Moll D 810) mit dem Titel "Der Tod und das Mädchen" nach dem Liedmotiv. Das schon seit einem Dutzend Jahren zusammenwirkende Leipziger Streichquartett beweist seinen Rang durch hohe Spielkultur, ein farbiges, engagiertes Musizieren, Feinabstimmung der Dynamik und Reichtum des Ausdrucks. Dabei spielen die vier Musiker in dieser tristen Halle mit einer Präzision und Hellhörigkeit, als gelte es im Tonstudio eine CD aufzunehmen."
Märkische Allgemeine Zeitung, 18.7.00, Manfred Meier

Prenzlau, 10.6., Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Kent Nagano, Barbara Hendricks
"Die träumerische Romantik, die das Ambiente rund um die Kirchenmauern ausstrahlt, war auch beim musikalischen Auftakt mit Weberns Idyll "Im Sommerwind" für großes Orchester zu spüren. An Richard Wagners "Lohengrin" erinnerte der Einstieg, beim stürmischen Aufbrausen des Orchesters kam der Hörer an der "Alpensinfonie" von Richard Strauss nicht vorbei. Die jugendliche Begeisterung des 20jährigen Webern für den romantischen Zeitgeist war nicht zu überhören. Nagano, der bei den besten Orchestern der Welt ein gern gesehener Gast ist, hatte gerade wegen seiner scheinbaren Gelassenheit, die sich in manchem Lächeln äußerte, das Orchester im Griff.
Im Mittelpunkt der vier Gedichte von Charles Baudelaire, die Claude Debussy für das Klavier vertonte und John Adams orchestrierte, stand die gebürtige Amerikanerin Barbara Hendricks. Ihre leichte, anrührende Stimme eignete sich für das romantische Kunstlied. Weder in hohen Extremlagen noch in der Tiefe zeigte die Sopranistin, die mit Herbert von Karajan, Leonard Bernstein und Georg Solti zusammengearbeitet und in den renommiertesten Opernhäusern gastiert hat, Schwächen. Sie verstand es, niemals zu stark zu forcieren, obwohl die drängende Steigerungsdynamik des Orchesterapparats dazu verleiten hätte können.
Ein leichtes Tremolo gab dem Timbre ihrer Stimme noch einen besonderen Touch. Keimzelle der 4. Sinfonie von Mahler ist der letzte Satz. Der Titel des dort von Hendricks interpretierten Wunderhorn-Liedes "Das himmlische Leben" gibt die Richtung vor. Das Orchester, bei dem vor allem das Horn herausragte, vermittelte ohne Einschränkung die vom Komponisten intendierte Klangwelt von volkstümlicher Direktheit und märchenhafter Vision."
Märkische Oderzeitung, 13.6.00, Frank Bürger

1997
Lübars, 9.8., Duo Halász
Das Ehepaar Halász (sie, Debora Halász, Pianistin; er, Franz Halász, Gitarrist) warteten mit einer kammermusikalischen Überraschung auf. Ihre eigenen Arrangements von Kompositionen Händels, Mendelssohn-Bartholdys, Enrique Granados' und de Fallas waren für die Instrumentierung Gitarre und Salteria geschrieben. Letzteres Instrument, von Debora Halász meisterlich gespielt, ist kaum bekannt. In Süddeutschland noch eher in der Volksmusik verwandt, ist es die kleinere konzertante Schwester des ungarischen Cimbals. Sie hat eine tausendjährige Geschichte von Arabien über Spanien und Italien bis zu uns.
Mit ihren Arrangements zauberten die beiden den Anklang des Cembalos in die Händel-Sonate, einen Hauch von Mandoline in die Venezianische Gondel der Fünf Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn-Bartholdy . Die Valses poeticos von Granados wurden tänzerischer und leichter, ja voluminöser, vielleicht zu Lasten spanischer Herbheit. Die kleine Kirche erhielt durch den auch an die Harfe erinnernden Klang eine Aura der Feierlichkeit.
Das Zusammenspiel von fordernder Gitarre und schwebender Leichtigkeit der Salteria hatte Neuheitswert. Franz Halász ist ein international ausgewiesener Gitarrist, der 1993 das Wunder vollbrachte, als Deutscher erster Preisträger des Andres-Ségovia-Wettbewerbs zu werden. Man spürt, dass ihm die Spanische Gitarrenschule liegt; exzellente Tonbildung, Dynamik, Brillanz der Läufe und Innigkeit kamen vor allem bei den Valses Enrique Granados' und La vida breve von de Falla zur Geltung. [...]
Am Ende des Konzertes noch ein ungarisches Dessert: Beide spielten hinreißend Bartóks "Stampfa" aus dem Rumänischen Tanz Nr. 3, und die Salteria Debora Halász' hüpfte dazu."
Der Neueste Pester Lloyd (Budapest), 3.9.97, Eveline Figura

Lebusa, 13.7., Marietta Zumbült, Ulrich Bremsteller
"Bremsteller, derzeit Titularorganist an der Konzerthalle "Georg Philipp Telemann" in Magdeburg, ist ein klug agierender Musiker, der die Registrationsmöglichkeiten der Orgel behutsam einsetzt. Aufmerksam durchforschte er musizierend die kunstvoll gestaltete Satzstruktur der Fuge in g von Girolamo Frescobaldi, dessen Instrumentalwerke, beeinflusst durch Vokalmusik wie dem Madrigal, zwischen den
Epochen angesiedelt sind.
Die Orgel verfügt, im Gegensatz etwa zum Klavier, über einen statischen, unbeweglichen Ton, was heute manchmal als Mangel empfunden wird. Dass der Vortrag von Bremsteller dennoch keinesfalls steril, sondern ganz lebendig wirkt, spricht für die Qualitäten des Organisten. So konnte man den Einfallsreichtum und die natürliche Frische in den Aria-Variationen ("Sebaldino") von Johann Pachelbel bewundern, den kraftvollen Duktus des Präludiums in g (BuxWV 149) von Dietrich Buxtehude und die harmonischen und formalen Kühnheiten in der Fantasie und Fuge c-moll (Wg 119,7) von Carl Philipp Emanuel Bach.
Als krönenden Abschluss spielte Bremsteller das Präludium und die Fuge h-moll (BWV 544) des "alten Bach". Mit schmerzlich wirkenden Tonlinien hob Bremsteller an, die, wie schon der Organist Herman Keller bemerkt hat, eine Nähe zur Alt-Arie "Erbarme Dich" aus der Matthäus-Passion aufweisen. Die Fuge gipfelte in einer kraftvollen Schlusssteigerung, in der der Silbermann-Orgel keineswegs die Puste ausging.
Mit Bremsteller hatte die Sopranistin Marietta Zumbült, die seit vier Jahren dem Ensemble des Brandenburger Theaters angehört, einen hervorragenden Begleiter an ihrer Seite. Hingebungsvoll und stimmlich subtil ausdeutend, wandelte sie auf den Spuren tönender Liebeslyrik italienischer Komponisten wie Steffano Bernadi, Alessandro Grandi und André Campra. Besonders beeindruckend gelang ihr "O quam pulchra es" von Claudio Monteverdi, wo jeder Seufzer, jede Koloratur tief empfunden schien."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 19.7.97, Max Schmelicek

Wittstock, 29.6., Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Prager Bläsersolisten, Vladislav Czarnecki, Viktoria Mullova
"Zum Entree spielte das nur streicherbesetzte Kammerorchester die Serenade von Julius Klengel (1859 - 1933). In diesem von Mendelssohnscher Leichtigkeit und russischem Romanzenton erfüllten Stück zieht der einstige Solocellist des Leipziger Gewandhausorchesters alle Register eingängiger Unterhaltsamkeit. Eine Musik zum Anlehnen und Seele-baumeln-Lassen, in der sich die Pforzheimer als ein Ensemble offenbarten, das auf schlankes und transparentes Musizieren trainiert ist und die leisen Töne liebt. Nach diesem gleichsam solistischen Auftritt gesellte sich ihnen ein Teil der Prager Bläsersolisten (Mitglieder der Tschechischen Philharmonie und des Prager Rundfunk-Sinfonieorchesters) hinzu, um Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 D-Dur (KV 218) zusammen mit Viktoria Mullova zu spielen. Dass diese sich dabei nicht als die alle überragende Geigenprimadonna präsentierte, sondern bei aller exzellenten Perfektion und Musikalität größten Wert auf ein ausgewogenes Ensemblespiel legte, macht ihren Vortrag zu einem ungewöhnlichen Erlebnis. So ließ es sich die Mullova nicht nehmen, bereits bei der Orchestereinleitung ihrer kostbaren italienischen Meistergeige dezente Streicherpassagen zu entlocken, aus denen sich dann ihr Solopart mühelos herauslöste und in den Kirchenraum emporschwang. Akzentbetont und nuanciert lotete sie die Ausdrucksbereiche des Werkes aus, jubilierte mit kraftvollem Ton kristallklar und gestochen sauber in den schnellen Ecksätzen. Konzentriert sang sie den Andante-Mittelsatz aus, wobei nicht nur hier die dynamischen Differenzierungen den Ohren angenehm auffielen."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 1.7.97, Peter Buske

1996
Berlin (Konzerthaus), 31.8., Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Vladimir Ashkenazy, Richard Goode
"Richard Goode ist ein Klavierspieler der bemerkenswert stillen Art. Er ist ein nachdenklicher, unaufdringlicher Mann, ein Sinnierer am Klavier, der jede selbstherrliche musikalische Imponiergebärde weit von sich weist. Er geht geradezu kammermusikalisch, aufmerksam, feingliedrig, andächtig dem Notentext nach - und nicht nur mit den Fingern. Er ziseliert ihn im Kopf. Er legt ihn nicht mit Gedonner, sondern mit Finesse aus - kalligraphisch schön.
Im Konzerthaus verabschiedete er mit dem Deutschen Symphonie-Orchester unter Vladimir Ashkenazy die Landpartien der diesjährigen Brandenburgischen Sommerkonzerte mit seinem Vortrag des Klavierkonzerts Nr. 3 c-Moll, das Beethoven Prinz Louis Ferdinand von Preußen gewidmet hat. [...]
Das Klavierkonzert eröffnet mit neuem geistigen Anspruch die Kette der Dialoge zwischen dem Piano und dem Orchester. Der Anspruch an die konzertante Interaktion wächst. Es gilt, aufeinander zu hören und das Gehörte wie aus einem Guss weiterzuspinnen. Richard Goode verzichtete dabei auf jeden lärmenden Nachdruck. Er ließ Beethoven, den lange vergötterten Titanen, im Schrank und spielte nicht dröhnende, sondern delikat zurückgenommene Notentexte: Musik sozusagen zum Ohrenspitzen. Goode sann, spielend, dem Konzert immerfort aufmerksam nach, sich an seinen Schönheiten delektierend und sie gleichzeitig leichthändig austeilden, kein Kraftmeier am Klavier, ein Kammermusiker feinster Prägung.
Dem Largo des Mittelsatzes gab er jenes wundersame Zögern, das ihn so anziehend macht, dem abschließenden Rondo sprühende Eleganz, rhythmischen Drive, dem ganzen Konzert stillen Glanz - und dabei blieb es auch in Ashkenazys Auslegung der "Pastorale" mit ihrer Menschenfreundlichkeit und Behaglichkeit, ausgiebig getragen vom bezaubernden Zusammenspiel der Holzbläser. Das Publikum zeigte sich hochachtungsvoll."
Die Welt, 2.9.96, Klaus Geitel

Potsdam, 3.8., Warschauer Kammeroper, Zbigniew Graca
"Mozarts Töne erklingen frisch und virtuos. Die Stimmen der drei Damen harmonieren auf das Erfreulichste, und Jerzy Knetig weiß als Tamino, wovon er singt, wenn er sich bei "Dies Bildnis..." mit Schmelz zum Intervall der Verliebten aufschwingt. Die spektakulären Auftritte der Königin der Nacht gestaltet Jaroslawa Prus. Ihre Koloraturen brausen zielsicher daher, ihre Piano-Spitzentöne wirken wie kleine Sternchen. Das Töchterchen Pamina gibt Zofia Witkowska: adrett und mit einer Stimme, die nur das Licht kennt, nicht den Schatten. Dass ein zum Teil recht scharfer slawischer Akzent die Sprechszenen beherrscht, stört dabei wenig. Schikaneders weitschweifige Dialoge wurden ohnehin auf das Wesentlichste gekürzt.
Die 25 Instrumentalisten unter der Leitung Zbigniew Gracas betören mit einem vollen, warmen Orchesterklang. Graca nimmt allerdings wohl Papagenos Fluchtrufe zum Motto: "Nur geschwinde, nur geschwinde..." Den Musikern gelingt jedenfalls so mancher Sprint - aber Geschwindigkeit bekommt nicht allen Stücken der Oper: Bei Paminas "Ach, ich fühl's" wird nicht innig geseufzt, sondern zackig zur nächsten Nummer marschiert.
Der Auftritt Papagenas im Finale überrascht nicht nur den Vogelfänger (Adam Kruszeski): Ewa Frakstein spielt eine unwiderstehliche Kokotte, an der einfach alles großartig ist - das Lächeln, die Stimme, die Korsage. Kein Wunder, dass Pa... Pa... Papageno da ins Stottern kommt. Ausnahmsweise genügen dann nur zwei, um den Zauber zu vollbringen: Das Duett zwischen Papageno und Papagena ist die charmanteste Szene des Abends."
Berliner Zeitung, 5.8.96, Ralf Pleger

Wittstock, 27.7., Windsbacher Knabenchor, Österreichisch-Ungarische Philharmonie, Karl-Friedrich Beringer, Angela Maria Blasi, Lioba Braun, Udo Scheuerpflug
"Rund 90 Minuten faszinierten die Österreichisch-Ungarischen Philharmoniker und der weltberühmte Windsbacher Knabenchor: im Mittelpunkt stand Mendelssohns Sinfonie Nr. 2 in B-Dur - der sogenannte "Lobgesang". Sie besteht aus zwei großen, mehrsätzigen Teilen - einem Instrumental- und einem darauf aufbauenden Vokalteil. Bezeichnend für die inhaltliche und konzertante Konzeption des Werkes ist der Wechsel zwischen Klage und Lob, Dunkelheit und Licht. Mendelssohns Musik lebt von diesen spannungsgeladenen Kontrasten.
So steigerten sich zum Beispiel die einzelnen Arien im Wechsel von Lob und Bekenntnis mit Klage zu einer geradezu greifbaren Finsternis im zweiten Tenorsolo. Darauf folgte ein kraftvoll-virtuoser stimmlicher Griff des Windsbacher Knabenchores zu den "Waffen des Lichts". Chor und Orchester zeigten sich in einem glanzvollen Finale, dessen Faszination sich kaum ein Zuhörer entziehen konnte. Minutenlanger, tosender Applaus zeigte, dass das Konzert ohne Abstriche wohl als "das" musikalische Ereignis des Jahres in Wittstock gelten darf."
Märkische Allgemeine Zeitung, 29.7.96, Körner

Luckau, 29.6., Litauisches Kammerorchester, Saulius Sondeckis, Igor Oistrach
"Vor dem Altar hat das exzellente Litauische Kammerorchester unter seinem Gründer und Leiter Saulius Sondeckis Platz genommen. Als Hauptwerk stehen Vivaldis "Vier Jahreszeiten" auf dem Programm. Igor Oistrach ist der Solist. Er sieht sich gefeiert und zu zwei Zugaben gezwungen. Noch mehr Vivaldi. Die Zuhörer mögen sich von ihm gar nicht trennen.
Aber auch Arvo Pärt wird nachdrücklich ausgezeichnet. Der estländische, in Berlin ansässige Komponist hatte Sondeckis die Aufführung seines "Trisagion für Streichorchester" anvertraut, eines still dahinatmenden Stückes, das auf engstem musikalischem Raum immerfort Archaik mit zeitgemäßem Raffinement verschränkt. Es klingt betörend und beunruhigend immer zugleich, es pulsiert gewissermaßen gegen die Zeitrechnung an, und das gibt ihm seine Aura von Jenseitigkeit und Kontemplation."
Die Welt, 1.7.96, Klaus Geitel

1995
Langen, 20.8., ensemble incanto
"Dem guten Zweck fühlte sich gleichfalls das Kölner "ensemble incanto" verbunden, das Trios von Beethoven, Brahms und Schumann erklingen ließ. Und zwar in der Besetzung: Klarinette (Ralph Manno), Violoncello (Guido Schiefen) und Klavier (Liese Klahn). Zu diesem Trio haben sich exzellente Musiker vereint, denen kammermusikalisches Musizieren in einem ständigen Ensemble noch etwas bedeutet. Voller Feuer und Leidenschaft stürzen sie sich in die Notenvergnügen. Am Beginn stand Beethovens "Gassenhauertrio" B-Dur op. 11, dessen dritter Satz von einem gassenhauerischen Thema aus der komischen Oper "Der Korsat oder Die Liebe unter den Seeleuten" von J. Weigl bestimmt wird. Energisch und keck wenden es die drei hin und her. Doch auch im Adagio wussten sie durch kantables Musizieren zu begeistern.
Verhaltene Intensität, plastisches Gestalten, dramatischer Zugriff und starke dynamische Akzente bestimmten ebenso die Ausflüge in romantische Gefilde. Hierbei bewies der Cellist Guido Schiefen (Preisträger des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs 1990) durch sein expressives Spiel mit exzellenten Lagenwechseln nahezu Rostropowitsch-Format. Wunderbar weich im Ansatz und warm getönt sang auch die Klarinette ihren Part in Schumanns vier "Märchenerzählungen" op. 132. In gefühlsmalenden, assoziationsreichen Bildern vermeint man einem Kampf auf Leben und Tod beizuwohnen, dann wieder einer heroischen Rittergeschichte zu lauschen."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 23.8.95, Peter Buske

Neuruppin, 5.8., Gächinger Kantorei, Bach-Collegium Stuttgart, Helmuth Rilling
"Rilling ließ die Stimmen seiner Kantorei, der Solisten und der Instrumentalisten zu einem Tongemälde aufblühen. Er interpretierte Bachs Musik so subtil aus dem Textverständnis und aus der musikalischen Konstruktion der Messe, dass die Zuhörer wie gebannt zuhörten. Immer wieder beeindruckte der Chor vom ersten Ton des mächtigen Kyrie eleison bis zur verhalten vorgetragenen Bitte um Frieden, dem "Dona nobis pacem". Rilling forderte seine Sängerinnen und Sänger ohne zu forcieren, prägnant saß jeder Ton. [...] Zwischen den großen Chorsätzen erklangen die von Soloinstrumenten und Solisten getragenen Stücke unvergleichlich zart. Wohl am eindrucksvollsten waren das federnde "Qui sedet", das fast überirdisch schwebende "Benedictus" und das ergreifende "Agnus dei". [...] Schönheit und Geheimnis Bachscher Tonkunst aus dem Glauben verschmolzen in diesen Stunden für Musiker und Zuhörer zu einem monumentalen, tief beeindruckenden Werk."
Oranienburger Generalanzeiger, 7.8.95, Dr. Wolf-Dieter Wuttke

Potsdam, 5.8., Gedenkkonzert zum 50. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima,
Bundesjugendorchester, Shinyu-Kai Chor, Carl von Ossietzky-Chor Berlin, Bernhard Klee
"Das Mozart-Requiem wurde an der Stelle, an der der Tod dem Konponisten die Feder aus der Hand nahm, jäh unterbrochen durch die schneidenden, aufrüttelnden Klänge, die der Italiener Luigi Nono unter dem Eindruck eines Hiroshima-Besuches als "Canti di vita e d'amore, Sul Ponte di Hiroshima" (Gesänge des Lebens und der Liebe - Unter den Brücken von Hiroshima) geschrieben hat. Diese explosive Unterbrechung brannte sich förmlich in die Herzen und Seelen der Zuhörenden, und sie erhielt durch ausgezeichnete Gesangsleistungen des Solo-Soprans, des Solo-Tenors eindringliches Profil. In der Live-Fernsehübertragung des ORB wurde die aufrüttelnde Wirkung noch durch das Einblenden der Bilder von der Zerstörung Hiroshimas unterlegt.
Die Klangbilder des Schmerzes, des Schreckens, der Mahnung aus der Feder des Antifaschisten und Kommunisten Nono umschloss die Musik der Totenmesse Mozarts mit einer Intensität, die durch den Kontrast noch gesteigert wurde. Mit den letzten, seinerzeit durch Schülerhand rekonstruierten und ergänzten Sätzen dieses Requiems ging das ergreifende und zum Nachdenken drängende Konzert zu Ende."
Neues Deutschland, 7.8.95, Hansjürgen Schaefer

Luckau, 24.6., European Community Chamber Orchestra, Mischa Maisky
"Musikalisch blieben keine Wünsche offen. Eine der Salzburger Gesellschafts- und Serenadenmusiken des erst 13jährigen Mozart, seine Cassation in G, KV 63, hätte nicht sensibler und spannungsvoller musiziert werden können. Bei Joseph Haydns erst 1961 im Prager Nationalmuseum wiederentdeckten Violoncellokonzert Nr. 1 riss Mischa Maisky mit dem Feuer seines Spiels und virtuoser Leidenschaft das gesamte Orchester mit. Aber es wurden auch Dimensionen erschlossen, die weit über den äußeren Glanz und das Nur-Virtuose hinausgriffen. Für die triumphalen Ovationen, die ihm bereitet wurden, revanchierte sich der in Riga geborene und seit 1973 in Israel beheimatete Solist mit der einzigartig eindringlichen Wiedergabe eines Satzes aus den Solosuiten von Johann Sebastian Bach. Wenn es noch eines weiteren Beweises für die hohe Schule der Klang- und Ensemblekultur bedurft hätte, die das Kammerorchester der EG repräsentiert, gaben ihn das letzte Werk des Programms, Antonin Dvo?áks Streicherserenade op. 22, und die von dem lang anhaltenden herzlichen Beifall erzwungene Zugabe aus einer Serenade des führenden englischen Komponisten der letzten Jahrhundertwende, Edward Elgar."
Märkische Allgemeine Zeitung, 26.6.95, Wolfgang Hanke

1994
Kloster Zinna, 13.8., Männerchor des Klosters Novo Spassky (Moskau)
"In den für liturgische Gesänge charakteristischen Dialogen zwischen Vorsänger und Chor wird deutlich, über welch hohe solistische Qualitäten die Mönche verfügen. Da strahlt machtvoll die ergiebige Stimme eines Baritons, da fasziniert der lyrische Glanz eines hochkarätigen Oratorientenors.
Eindrucksvoll gelingen den Sängern dynamische Steigerungen. Aus zartester Verhaltenheit des Gebets gelingen Fortissimo-Aufschwünge von leuchtender Intensität, fanfarengleich die hohen Männerstimmen mit heldentenoralem Format, dröhnend die schwarzen Bässe, als habe man eine Glocke angeschlagen. Aber das ist nicht bloß ein musikalisches Erlebnis, A-cappella-Kultur in hoher Perfektion. Glut und Intensität des Gesanges vermitteln überdies die Gewissheit, dass diese Musik zum Lobe Gottes aus geschulten Kehlen und zugleich aus gläubigen Herzen dringt."
Märkische Allgemeine Zeitung, 15.8.94, Manfred Meier

Angermünde, 23.7., Jochen Kowalski, Shelley Katz
"Kowalskis Belcanto-Gesang ist von makelloser Artikulation, die Stimme hat weiches lyrisches Timbre, ist aber auch großer dramatischer Schärfen fähig und kommt so dem Geist des Schubert-Werkes [Die schöne Müllerin] ganz nahe. Innige Poesie, weitschwingender melodischer Gestus der Stimmführung verbinden sich mit expressiver Kraft und Energie. So wird aus den 20 Liedern ein dramatischer Zyklus, in dem liebevolle Tonmalerei ebenso ihren Platz hat, wie leidenschaftliches Aufbegehren, Wehmut, Trauer und Trost. Kräftige Akzente kamen auch vom Partner am Flügel, dem jungen Kanadier Shelley Katz, der souverän mit den akustischen Tücken des Kirchenraumes umzugehen wusste.
Der besondere Klang dieser Stimme, der die Grenzen der Belastbarkeit austestende Einsatz des Sängers gaben dem Schubert-Zyklus ein eigenes Profil: Die Unrast des Wanderers, das liebevolle Verweilen, der leidenschaftliche Liebesjubel, Eifersucht und Enttäuschung wurden mit enormer Intensität deutlich, bis zum mild-wehmütigen Wiegenlied des Bächleins für den von seinen Leiden für immer erlösten Träumer von einer glücklicheren Welt."
Neues Deutschland, 27.7.94, Hansjürgen Schaefer

Neuhardenberg, 22.7., Lars Vogt
"Weitgeöffnete Flügeltüren ließen den Flügelklang bis in angrenzende Räume und auf die laubüberdachte Terrasse dringen. Und Schumanns "Bunte Blätter" waren es denn auch, mit denen Lars Vogt seinen impulsiven Tastenlauf begann. Sein intensives Mienenspiel verriet, dass er die vierzehn Stücke innerlich durchlebte und durchlitt. Trotz aller virtuosen Attacke blieb sein kontrastbetontes Spiel stets voller romantischen Gefühls. Mit elementarer Sinnlichkeit und Lebendigkeit formte er aus jeder Nummer ein prägnantes Charakterstück. Brillant und dramatisch bis ins Extreme donnernder Bassläufe gesteigert, malte er Liszts "Deuxième Ballade" gleich einem heraufziehenden Gewitter. [...] Flügel wuchsen dem pianistischen Teufelskerl ebenfalls bei Haydns G-Dur-Sonate, die er spielerisch, aber nicht verspielt, mit dramatischem Gewicht darbot.
Phänomenaler Ausdruckswille und ausgezeichnete Anschlagskultur standen Lars Vogt mühelos auch beim Vortrag der Sonate (1990) seiner komponierenden Gattin Tatjana Komarowa zur Verfügung. In diesem schillernden Seelenbild zwischen Angst und Traum schwang etwas von Bartókscher Härte und Debussyschem Schweben mit.
Hinreißend virtuos, temperamentvoll und gestaltungssouverän meisterte er schließlich Brahms' Variationen über eine Thema von Paganini op. 35, die der berühmten 24. Caprice des Italieners neue Glanzlichter aufsetzten".
Berliner Zeitung, 24.7.94, Peter Buske

Bernau, 3.7., Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Hartmut Haenchen, Alexandra Coku
Hartmut Haenchen und sein Orchester wurden mit den Tücken des halligen Kirchenraumes souverän fertig. Auf Frühklassik wie Moderne spezialisiert, mit frischem, herzhaftem Klang, auf Straffheit und Klarheit des Spielens aus, bot man hier ein Mozart-Programm. Mit der "Kleinen Nachtmusik" als populären Einstieg, dann aber mit steigendem Anspruch: der großen Opernszene "Mia bella fiamma", der Solo-Kantate "Exultate, jubilate" und der tieftragischen g-Moll-Sinfonie am Ende. Die junge amerikanische Sopranistin Alexandra Coku, am Beginn einer vielversprechenden Karriere, sang Mozarts hochvirtuose, zugleich lyrisch ausdrucksvolle Solopartien mit ungemein frischer, leuchtender Stimme und souveräner technischer Perfektion."
Neues Deutschland, 5.7.94, Hansjürgen Schaefer

Brandenburg, 25.6., Thomanerchor Leipzig, Georg Christoph Biller
"Kein Zweifel, der historische Ort [der Dom St. Peter und Paul] erleichterte den Zugang zu musikalischem Stoff, der heute nurmehr bei Spezialisten und Kirchenmusik-Liebhabern auf offene Ohren stößt. Wenn obendrein ein so überragendes, jenseits von Gut und Böse stehendes Vokalensemble wie der Leipziger Thomanerchor sich gleichsam in eigener Sache zu Wort meldet, dann geht der angestrebte Gleichklang von Musik und Architektur restlos auf. Die auf die leicht hallige Raumakustik perfekt abgestimmte, erlesene Gesangskultur dieses Meisterchores kam nicht nur in Bachs festlicher Motette "Singt dem Herrn ein neues Lied" zur Geltung, mit der das erste der sechsundzwanzig diesjährigen Sommerkonzerte ausklang. Sie durchdrang auch die drei Madrigale aus Scheins "Israelbrünnlein" und zwei weithin unbekannte Werke jüngerer Thomaskantoren: die romantisch eingefärbte Messe f-Moll von Moritz Hauptmann sowie Kurt Thomas Vertonung des Psalms 137 "An den Wassern von Babylon". Georg Christoph Biller führte die 74 Sänger mit sparsamen, präzisen Bewegungen. Ein in jeder Beziehung ungetrübtes Hörerlebnis."
Märkische Allgemeine Zeitung, 27.6.94, at

1993
Berlin (Schauspielhaus), 2.9., Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Vladimir Ashkenazy, Christian Tetzlaff
"Dann durfte die Musik sprechen: durch Ashkenazys elektrisierende Persönlichkeit angefeuert, spielte das RSO Beethovens erste Leonoren-Ouvertüre und vor allem die siebente Symphonie mit einem revolutionären Schwung, der dem Werk um vieles näher kommt, als die oft gepflegte Verklärung im Tänzerischen. Dazwischen Christian Tetzlaff mit Beethovens Violinkonzert: Worte versagen bei dem Versuch, den Reichtum an Klangfarben und die unbedingte Musikalität des jungen Künstlers wiederzugeben."
Der Tagesspiegel, 4.9.93, Andreas Richter

Angermünde, 15.8., Albert Schweitzer Quintett
"Jenseits aller technischen Fragen fasziniert dieses junge Kammermusikensemble durch eine klangliche Homogenität, wie sie nur lang erprobte innere Kommunikation der musikalischen Individuen im Zusammenspiel gewährleisten kann. Franz Danzis F-Dur-Quintett ließen die fünf Solisten so zu einer charmanten vielstimmigen Konversation im empfindsamen Stil werden, ebenso Antonin Reichas "Andante für Englischhorn und vier Bläser". Die Floskeln der frühklassischen Formsprache verbinden sich unter den Händen der Musiker in beiden Werken zu einem harmonischen Gesamtklang von großer Dichte [...]. Im fein ausdifferenzierten Spiel der Klangfarben in György Ligetis "Sechs Bagatellen" von 1953 schienen die Solisten dem Publikum vorführen zu wollen, welche technischen und interpretatorischen Möglichkeiten sich die Holzbläser seit der Loslösung vom Regelkanon der tonalen Musik erschlossen haben."
Der Tagesspiegel, 18.8.93, Frederik Hanssen

Chorin, 31.7., Gustav-Mahler-Jugendorchester, Riccardo Chailly
"Auf dem Programm stand Mahlers 7. Symphonie, die im Werk des Komponisten den Wendepunkt zu seinem Spätwerk darstellte. [...] In der Naturkulisse des Klosters wurde das 90minütige Werk zum einmaligen Erlebnis. Während die jungen Musiker unter der umsichtigen Leitung Chaillys mit Professionalität und klanglicher Präzision die Spannungsbögen des ersten Satzes aufbauten, sorgten die abziehenden Gewitterwolken dafür, dass die Atmosphäre im Kirchenschiff durch einen stetigen Wechsel von Schatten und Licht die Entwicklung der Musik geradezu nachzuerzählen schien. Blau strahlte der Himmel dann im zweiten Satz zwischen weißen Wolkengebilden hindurch, während sich der Klang der Hörner des Orchesters mit dem sanften Rauschen der Bäume mischte. Im schattenhaft-gespenstischen Scherzo, dem "regnerischsten" Satz der Symphonie, zogen ein letztes Mal graue Wolkenfetzen ins Blickfeld zwischen den spitzgotischen Backsteinbögen. Im vierten Satz entfaltete sich schon ein kleiner Dialog zwischen dem brillanten Trillern der Holzbläser und Vogelgezwitscher von draußen, bevor das strahlende C-Dur-Finale samt seinem lustigen Kuhglockengeläute dann die rebellische Natur mit der Kunst versöhnte. In goldenes Abendlicht getaucht, empfing der Park die gutgelaunte Prozession der aus dem Kloster strömenden Konzertbesucher."
Märkische Allgemeine Zeitung, 2.8.93, Frederik Hanssen

Jüterbog, 26.6., Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Hartmut Haenchen, Dagmar Schellenberger
"Als Appetitanreger diente das 3. Brandenburgische Konzert in G-Dur von Johann Sebastian Bach. Begünstigt durch die bemerkenswert gute Akustik in dem spätgotischen Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert, hörte man es ohne Einbußen, gleichsam "Bach pur", von den Streichern des Ensembles blitzblank im Klang und mitreißend vital in seiner rhythmischen Schwungkraft musiziert.
Vom Leipziger Thomaskantor stammte auch das zweite Stück. Seine Kantate "Jauchzet Gott in allen Landen" gilt als vokale Spezialität, die alle erstrangigen Sängerinnen immer wieder gern präsentieren. Dagmar Schellenberger tat es auf ihre ebenso charmante wie einschmeichelnde Art. Den reichverzierten Gottesjubel trug sie vor wie eine glitzernde Koloraturengirlande, weil hier jeder Ton sicher an seinem Platz saß. [...]
Noch eine "Wassermusik", die bekannte und beliebte von Georg Friedrich Händel, vom Orchester in allerbester Kondition, schön flüssiger Diktion, in sichtlich guter Laune und auch präzise geboten, bildete den Kehraus des sehr beifällig aufgenommenen Nachmittagskonzertes der allmählich zur Tradition werdenden Konzertreihe "Klassiker auf Landpartie"."
Berliner Morgenpost, 29.6.93, Wolfgang Schultze

Werder, 5.6., Virtuosi Saxoniae, Ludwig Güttler
"Die Streicher befleißigten sich bei ihrer Begleitung einer historisierenden Spielweise, die den Saiten einen gleichsam geschärften Ton entlockte. Für Händels Concerto grosso op. 6 entstand solcherart eine heller, forscher und aufgelichteter Klang, durch den das Stück enorme Frische und Direktheit gewann. Die Solopassagen waren dabei vom Tutti wirkungsvoll abgesetzt.
Sehr akzentbetont, beschwingt und galant, aber nicht geglättet war schließlich Mozarts A-Dur-Sinfonie KV 201 detailgenau und mit hinreißender Spontaneität musiziert. Stehend dargebrachte Ovationen erzwangen zwei Zugaben, die in denen die sächsischen Virtuosen und ihr trompetenstrahlender Meister sich noch einmal von ihrer brillantesten Seite zeigten."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 7.6.93, Peter Buske

1991
Luckau, 24.8., Academy of Ancient Music, Christopher Hogwood
"Nicht Mozart wolle er gedenken, vielmehr Vivaldi, dessen 250. Todestag im Mozart-Jahr ein wenig in Vergessenheit gerate, kündigte der englische Musiker [Hogwood] am Beginn des Konzertes an. Und so konnten die Zuhörer Studien musikalischer Affektenlehre wieder einmal wunderbar vernehmen - Vivaldische Kompositionen als gewissermaßen barocke Programmmusik, die von Traumgespenstern in der Nacht und Meeresstürmen erzählte. Frisch, mit offensichtlichem Vergnügen, farblichen Nuancen gerade im Detail, wurde musiziert. Dabei wählte Hogwood der Raumakustik angemessene Tempi."
Berliner Zeitung, 27.8.91, Thomas Feist

Neuhardenberg, 18.8., Reger-Trio
"Beethovens Streichtrio D-Dur op. 8 schien dann wie für Neuhardenberg gemacht. Hell klang die ebenmäßige Serenade mit ihren kecken Scherzoeinwürfen. Das Reger-Trio spielte brillant, intonationssicher, artikulatorisch ungemein beweglich und stilbewusst. Stimmungen und Formen schienen in Beethovens Musik gegossen. Und angesichts der Abendsonne auf der Terrasse von Schloss Neuhardenberg gewann ein Satz von Jean Paul erneut seinen Sinn: "Musik ist die Poesie der Luft"."
Berliner Zeitung, 20.8.91, Thomas Feist
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