Schwarz – Rot – Gold – Prosa

Zeitgenössische Autoren geben uns Einblicke in Schicksale von Menschen und deren Lebensbedingungen vor dem Hintergrund der jüngsten deutsch-deutschen Geschichte. Abseits von Zahlen, Daten und Fakten ist es das persönliche Moment, das Subjektive des Erlebten, das authentische Zeugnis, das uns teilhaben lässt am Atem der Geschichte. Die Bücher der Autoren unserer diesjährigen Lesereihe ergeben das unvollständige Abbild einer literarischen Reflexion der Lebensumstände eines jeden von uns. Wir möchten Sie einladen, sich durch die unterschiedlichen und farbenreichen Schilderungen anregen zu lassen, Ihre eigenen Erfahrungen mit den historischen Zusammenhängen abzugleichen und Unerwartetes zu entdecken.

   
 
19. Juni, 15 Uhr, in Schwedt (Oder)
Clemens Mayer: "Als wir träumten"

Durch zahlreiche Literatur- und Förderpreise und Nominierungen wurde Clemens Meyer auch international sehr schnell bekannt. In seinem Roman erzählt der 1977 in Leipzig geborene Autor von dem Leben, da, wo alles kaputt ist. "Sie feiern, sie randalieren, sie rennen weg vor Bullen, Glatzen und ihren Eltern. Im nächtlichen Wahn kämpfen sie mit Fäusten um Anerkennung und schlagen die Zeit tot." So lässt Clemens Meyer die fesselnden Bilder in seinem bewegenden Buch entstehen. Bilder der Hoffnung und der Hoffnungslosigkeit einer ganzen Generation.

     
 
26. Juni, 15 Uhr, in Brandenburg (Havel)
Matthias Frings: "Der letzte Kommunist"

1980 aus der Provinz nach West-Berlin gezogen, stürzt sich der Schriftsteller Ronald M. Schernikau in das Nachtleben, trifft die Liebe seines Lebens, arbeitet mit bekannten und unbekannten Größen des Kulturbetriebs zusammen. In einem Punkt unterscheidet sich Schernikau von den anderen: Er, der überzeugte Kommunist, will DDR-Bürger werden. Während im Herbst 1989 Tausende Ostdeutsche in den Westen strömen, wird er zur gleichen Zeit in die DDR eingebürgert. Matthias Frings, 1953 in Aachen geboren, ein langjähriger Freund Schernikaus, weiß dessen ereignisreiches Leben fundiert nachzuzeichnen. Er war Journalist und Fernsehmoderator und lebt als Schriftsteller in Berlin.

 
     
 
4. Juli, 15 Uhr, in Altfriedland
Susanne Schädlich: "Immer wieder Dezember"

Susanne Schädlich wurde 1965 in Jena geboren und lebt nach einem elfjährigen USA-Aufenthalt heute in Berlin. Als Tochter des Regimekritikers Hans Joachim Schädlich verließ sie 1977 mit ihrer Familie die DDR. Die Autorin erzählt von Vertrauen und Verrat in der eigenen Familie und von der Suche nach Identität im geteilten Deutschland. Ihr Buch ist auch die Rekonstruktion und das unheimliche Protokoll der geplanten Zersetzung der Familie durch den langen Arm der Stasi im Westen.

 
     
 
24. Juli, 15 Uhr, in Luckau
Dieter Moor: "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht"

Freunde und Bekannte reagierten verwirrt bis konsterniert, als Dieter Moor und seine Frau Sonja ihren idyllischen kleinen Hof in der Nähe von Zürich verließen, um sich in einem Landstrich anzusiedeln, den die meisten Wessis mit trostloser Einöde, verbitterten Bewohnern und dumpfem Fremdenhass in Verbindung bringen. Der Autor erzählt mit Witz, Verve und Lust am Fabulieren von seinen Erfahrungen als Zugezogener auf dem platten Brandenburger Land nordöstlich von Berlin. Dieses erfrischend unkonventionelle Buch ist eine Liebeserklärung an eine "unterschätzte Region" und seine Menschen. Dieter Moor arbeitet als Moderator des ARD-Kulturmagazins "Titel, Thesen, Temperamente" und weiterer TV-Formate sowie als Autor.

 
     
 
4. September, 15 Uhr, in Golßen
Jutta Voigt: "Westbesuch"

Alltägliches und Absurdes, Drama und Groteske finden sich in den Geschichten von Jutta Voigt. Westbesuch – ein linguistisches Souvenir, sinnliches Andenken. Ein Wort mit vielen Wirklichkeiten. Die Texte sind souveräne Beobachtungen und Betrachtungen jenseits ideologischer Grabenkämpfe, erfrischend formuliert, unverkrampft zwischen West und Ost angesiedelt. Sie sind aber auch Geschichten über die Liebe – Geschwisterliebe, Geliebtenliebe, Freundesliebe, Mutterliebe, Heimatliebe, Hassliebe. Jutta Voigt, geboren, aufgewachsen und geblieben in Berlin Prenzlauer Berg, arbeitet als Journalistin und Autorin.

 

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